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F.A.Z.-Fußballkonferenz : Vor der englischen Schlange steht kein deutsches Kaninchen

  • -Aktualisiert am

Bleibt Optimist: DFL-Chef Christian Seifert Bild: Klaus Weddig

Beim Fußball-Forum der F.A.Z. fordert DFL-Geschäftsführer Seifert von den Vereinen mehr Selbstbewusstsein. Für die Bundesliga sieht er große Wachstumschancen, warnt aber auch vor zu viel Nostalgie.

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          Kopf hoch! Mehr Selbstbewusstsein, bitte. Denn der Eindruck soll täuschen. Wie aktuell über die Finanzkraft der Bundesliga im internationalen Wettbewerb gedacht wird, das beschrieb Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), am Freitag in Frankfurt so: „Wir stehen sozusagen am Ende der Futtertabelle, schauen gebannt nach England und sind ein bisschen hilflos.“ Aber so ist es seiner Auffassung nach ganz und gar nicht.

          „Wir sitzen nicht wie das Kaninchen vor der englischen Schlange“, hob er hervor. Nach Angaben von Seifert ist die Bundesliga nach der Premier League in England die umsatzstärkste Liga der Welt. „Wir sind nach wie vor die zweitgrößte Fußballliga der Welt und gehören zu den sechs größten Profiligen weltweit.“ Und weiter: Acht Bundesligaklubs würden in der kommenden Spielzeit 100 Millionen Euro oder mehr erwirtschaften. Das alles ist für Seifert auch ein Ausdruck von Stärke. Er war einer von vielen hochrangigen Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Sport an der Konferenz des Frankfurter Allgemeine Forum in der WM-Arena. Die Veranstaltung trug den Titel: „Anstoß am Finanzplatz. Das Phänomen Fußball.“

          „Wachstum kann sich sehen lassen“

          In England profitieren die 20 Klubs der Premier League von einem neuen und wirtschaftlich sehr lukrativen TV-Vertrag. Er gilt von 2016 an und bringt den Vereinen insgesamt rund neun Milliarden Euro aus nationaler und internationaler Vermarktung für drei Spielzeiten - so viel wie in keiner anderen Liga. „Es sollte klar sein, dass ein Markt, in dem der stärkste Pay-TV-Partner wie in England mit über elf Millionen Kunden, über acht Milliarden Umsatz und einer Milliarde Gewinn andere Möglichkeiten hat als ein Land wie Deutschland“, sagte Seifert. Trotzdem: „Insgesamt kann sich das Wachstum hier durchaus sehen lassen.“

          Die Medienrechte der Bundesliga werden 2016 neu vergeben. Von der Saison 2016/2017 an sollen die deutschen Vereine mehr Geld erhalten. Seifert hält es für realistisch, dass die Gesamtsumme aus In- und Auslandsvermarktung über einer Milliarde Euro liegen wird. In der zurückliegenden Runde wurden im Rahmen des Vierjahresvertrags (Gesamtbetrag: 2,5 Milliarden Euro) „nur“ rund 628 Millionen Euro pro Jahr ausgeschüttet. Was die Ausschreibung von Rechtepaketen angeht, legte Seifert dem Bundeskartellamt einen ersten Vorschlag vor. Die endgültigen Unterlagen sollen interessierten Bietern dann im Januar 2016 zugeschickt werden. Die Rechtevergabe ist für April vorgesehen.

          „In absehbarer Zeit wird es so sein, dass von den 30 umsatzstärksten Klubs in Europa 20 in der englischen Premier League spielen werden. Und die restlichen zehn, hoffe ich, werden in Teilen aus Deutschland kommen“, sagte Seifert. Was also tun? Denn auch bei der Auslandsvermarktung ist die Premier League führend. „Betrachten wir die Vermarkungssituation insbesondere im Lichte der internationalen Konkurrenz, wird es zwei wesentliche Trends geben: die Internationalisierung und die Digitalisierung“, sagte Seifert. Das „Flächenwachstum“ sei abgeschlossen. Heute ist die Bundesliga in 209 Ländern verfügbar. „Und jetzt müssen wir in diesen Ländern die Umsätze steigern“, sagte Seifert.

          Der DFL-Geschäftsführer kündigte einen Umsatz in Höhe von 160 Millionen Euro für das kommende Jahr an. Im Vergleich dazu bekommen die Engländer fast 800 Millionen. „Das kann ich aber nicht ändern“, sagte Seifert. Zu dem von ihm eingeleiteten „qualitativen Wachstum“ gehört auch, mit „anderen Partnern“ zusammenzuarbeiten. Dazu zählt die Kooperation mit dem TV-Sender Fox, dem, so Seifert „größten und reichweitenstärksten Sportsender der Welt“.

          Dieser wird die Bundesliga von der kommenden Saison an in 80 Ländern auf drei Kontinenten zeigen. „Das zeigt, in welchen Schritten wir uns nach vorne bewegen müssen, um tatsächlich mittelfristig wettbewerbsfähig zu sein.“ Große Wachstumschancen sieht Seifert außerdem beim Thema Digitalisierung: „Wenn wir uns auf die Vermarktung im Ausland einlassen, dann müssen wir beginnen zu denken und zu handeln wie ein Medienunternehmen.“

          DFB-Präsident Niersbach (r.) im Gespräch Bilderstrecke

          Derweil beschäftigt sich die DFL auch mit unterschiedlichen Anstoßzeiten. Insgesamt zehn Spiele pro Saison könnten in Zukunft von Samstagnachmittag auf Sonntagmittag (13.30 Uhr) oder den Montag verlegt werden. Seifert berichtete davon, dass in Spanien in der kommenden Runde für zehn Begegnungen zehn verschiedene Zeiten vorgesehen seien. Dazu soll es in der Bundesliga nicht kommen. Aber Bewegung in der Sache muss sein. „Wenn wir tatsächlich mit den ganz Großen mitspielen wollen, müssen wir uns auf dieses Spiel einlassen“, forderte Seifert. Denn: „Wir können uns in drei Jahren nicht immer noch die Filme von 2014 anschauen“, sagte er im Hinblick auf den errungenen WM-Titel.

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