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DFB-Beauftragter Cacau : „Integration ist ein Geben und Nehmen“

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige Nationalspieler Cacau ist heute Integrationsbeauftragter des DFB Bild: dpa

Der frühere Nationalspieler Cacau ist heute Integrationsbeauftragter des DFB. Im FAZ.NET-Interview spricht er über seinen neuen Job, Potentiale und Schwierigkeiten – und sein Leben nach dem Leistungssport.

          4 Min.

          Im November hat Sie der Deutsche Fußball-Bund zum Integrationsbeauftragten ernannt. Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?

          Natürlich ist der Job auch repräsentativ. Ich habe in den ersten Wochen aber auch festgestellt, dass viele meiner Ideen oder Anregungen, die ich im Hinterkopf hatte, bereits umgesetzt werden. Für mich ist es jetzt erst einmal wichtig, mir einen Überblick zu verschaffen, was im deutschen Fußball bei den Landesverbänden und in den Vereinen schon gemacht wird und was man noch machen kann. Ich möchte helfen, dass man an der Basis das Richtige tut und auf Dinge achtet, die ich mit meiner Erfahrung als Einwanderer, Bundesliga-Profi und Nationalspieler vielleicht mehr im Blick habe.

          Wird bei der Integration nicht immer das Richtige getan?

          Ich meine damit eher, dass man sich nicht nur um die Zuwanderer kümmert, sondern auch jene Menschen würdigt, die die tägliche Integrationsarbeit im Verein leisten. Ich möchte auch diese Menschen in den Vordergrund stellen, denn ihre Arbeit wird von vielen oft übersehen. Die Politik muss Richtung und Rahmen vorgeben, der DFB kann mit verschiedenen Projekten die notwendigen Strukturen schaffen. Aber es braucht Menschen, die vor Ort die konkrete Arbeit machen, die Zeit investieren, mit Herzblut dabei sind. Das sind wichtige Leute, die man erreichen muss, damit Integrationsarbeit wirklich engagiert gemacht wird und echt Wirkung zeigt.

          Als Aktiver war Cacau für den VfB Stuttgart am Ball
          Als Aktiver war Cacau für den VfB Stuttgart am Ball : Bild: Reuters

          Inwiefern?

          Wenn ich in ein fremdes Land komme, habe ich erst einmal ein angekratztes Selbstvertrauen, habe keinen Mut, selbst Initiative zu ergreifen. Da brauche ich Menschen, die auf mich zugehen, offen für meine besondere Situation sind und mir helfen wollen. So spüre ich als Zuwanderer Wertschätzung und habe das Gefühl, dass die Menschen an meinem Schicksal interessiert sind und wirklich etwas mit mir zu tun haben wollen. Dann muss ich natürlich den nächsten Schritt machen und zeigen, dass ich mich integrieren will, das heißt vor allem so schnell wie möglich die Sprache zu lernen. Das ist ein Geben und Nehmen.

          Ist es also falsch, von den Zuwanderern zu erwarten, dass sie den ersten Schritt machen?

          Ich finde es wichtig, ihnen entgegenzugehen. Auf der anderen Seite gibt es sicher auch Zuwanderer, die zu viel fordern. Das ist nicht korrekt, denn mir muss bewusst sein, wie viel Deutschland leistet, auch finanziell, um bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Deshalb finde ich, dass wir als die neue Heimat dieser geflüchteten Menschen schon ein bisschen Dankbarkeit und die richtige Einstellung zur Integration erwarten dürfen.

          Vermissen Sie das manchmal?

          Ich habe das Gefühl, dass Zuwanderer oder Flüchtlinge manchmal noch mehr Entgegenkommen erwarten. Ich sehe es deshalb als meine Aufgabe, zum einen den Flüchtlingen mit ihren Sorgen in den Vereinen zuzuhören, aber sie auch davon zu überzeugen, dass man sich Mühe geben muss, die Sprache zu erlernen, die Kultur zu verstehen und zu akzeptieren.

          Was bedeutet Integration für Sie?

          Ich habe immer versucht, das Positive zu sehen. Wenn man in ein fremdes Land kommt, muss man die Chance, die sich einem bietet, aus Überzeugung annehmen. Das heißt, man muss sich anpassen, ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Dazu gehört neben der Kultur natürlich die Muttersprache. Dass man die nicht einmal mehr in den eigenen vier Wänden sprechen soll, wie ein Politiker zuletzt gefordert hat, geht deshalb zu weit. Aber man muss zugleich die Gepflogenheiten des Landes annehmen und darf nicht seine eigenen Regeln aufstellen.

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