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Europameisterschaft 2008 : Ausschreitungen säen Zweifel am friedlichen Schweizer Fest

  • -Aktualisiert am

Unerfreuliche Bilder vor der Euro: Polizei vor dem St. Jakob-Park Bild: REUTERS

Einen Monat vor Beginn der Europameisterschaft 2008 häufen sich Ausschreitungen am Rande der Schweizer Fußballliga. In Basel und Bern prügelten sich Hooligans. Nun werden Fragen zur Sicherheit des Turniers laut. Doch die Planer wiegeln ab.

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          Die Ausgangslage beim Saisonfinale im St.-Jakob-Park an diesem Samstag ähnelt jener vor zwei Jahren auf verblüffende Weise. Auch damals empfing der FC Basel als Tabellenführer am letzten Spieltag den Zweitplazierten. Bis 14 Sekunden vor Schluss war die Welt noch in Ordnung. Es stand 1:1, ein Ergebnis mit dem sich Basel den Titel gesichert hätte. Doch dann traf Zürich zum 2:1 und war plötzlich Meister. Was folgte, wird bis heute als „die Schande von Basel“ bezeichnet. Basel-Anhänger warfen Leuchtkörper auf die gegnerischen Spieler und attackierten den Züricher Torschützen Iulian Filipescu. Bis in die Nacht hinein musste die Polizei gegen Randalierer vorgehen.

          Glaubt man den Funktionären, werden sich ähnliche Szenen beim diesjährigen „Endspiel“, in dem die Young Boys aus Bern mit einem Punkt Rückstand den Spitzenreiter noch abfangen wollen, nicht wiederholen. Man gibt sich optimistisch, dass am Samstag ein friedliches Fußballfest im Land des Euro-Gastgebers steigen wird.

          Wieder Randale - in Basel und Bern

          Auch wenn sich eine Woche zuvor sowohl in Bern als auch in Basel wieder einmal unschöne Szenen abspielten. Im St.-Jakob-Park hatten diesmal Zürcher Fans bis zu 1000 Grad heiße Feuerwerkskörper auf die unter ihnen sitzenden Anhänger des FC Basel geschleudert – als späte Rache. Zwei Zuschauer wurden verletzt. Außerhalb des Stadions benahmen sich Zürcher Fans erneut daneben. Es gab weitere Verletzte. In Bern gerieten nach dem Spiel Anhänger von Xamax Neuchatel und der Young Boys aneinander. Die Polizei griff mit Tränengas und Gummigeschossen ein.

          In Basel findet am 7. Juni das EM-Eröffnungsspiel zwischen Schweiz und Tschechien statt

          Sowohl Berner als auch Basler Fan-Gruppierungen hätten im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Saisonfinales angekündigt, sich friedfertig zu verhalten, betont Ulrich Pfister, Sicherheitschef des Schweizerischen Fußballverbandes. Vorsichtshalber wird ein Alkoholverbot verhängt, und die Eingangskontrollen sollen bei dem Hochrisikospiel verschärft werden. „Ich sehe der Partie zuversichtlich entgegen“, sagt Pfister.

          EM-Zuschauer sind eine andere Klientel, hofft Pfister

          Sein Posten war erst vor einem Jahr geschaffen worden, nachdem es in der sonst so beschaulichen Schweiz am Rande von Spielen der Super League immer wieder zu Ausschreitungen gekommen war. „Man hat bei uns nicht die Augen vor der Entwicklung verschlossen, sie aber durch eine rosarote Brille betrachtet.“ Ulrich Pfister weiß, dass die Vorfälle vom vergangenen Wochenende einen Monat vor dem EM-Eröffnungsspiel kein gutes Licht auf das Gastgeberland werfen.

          Daraus aber negative Rückschlüsse auf die Sicherheitslage bei der Euro zu ziehen, hält er für vollkommen falsch. Nicht zuletzt deshalb, „weil die Klientel dann eine ganz andere sein wird“, so Pfister. Will heißen: Klub-Fans und EM-Zuschauer unterscheiden sich gravierend. Wer eines der wenigen EM-Tickets ergattert und über hundert Schweizer Franken dafür bezahlt, betrinkt sich nicht vor dem Spiel und macht anschließend im Stadion Randale.

          Kein Handlungsbedarf für das EM-Turnier

          Ähnlich lautet auch die Einschätzung von Martin Jäggi, der auf Seiten der Schweizer für die Sicherheit bei der Euro 2008 zuständige Mann. Er sieht nach den Vorfällen in Basel und Bern keinen Handlungsbedarf für das EM-Turnier. „Wir ändern nichts an unserem Konzept. Unser Konzept ist sicher.“

          Der FC Zürich hat inzwischen Strafanzeige gegen die Randalierer aus den eigenen Reihen eingereicht. Auch der FC Basel hatte nach den Vorfällen vor zwei Jahren hart reagiert. „Aber wir haben zudem erkannt, wie wichtig präventive und integrative Arbeit ist“, erklärt FCB-Pressesprecher Josef Zindel. Es wurde ein Fanprojekt gestartet, das erste in der Schweiz überhaupt. „Da ist uns Deutschland weit voraus“, sagt Zindel. Er spricht von einer „positiven Dynamik“, die entstanden sei und die inzwischen Früchte trage. „Die Zurückhaltung war toll“, sagt Zindel zum Verhalten der Basler Fans nach Angriffen aus dem Zürcher Lager vor einer Woche. „Ich bin mir sicher, dass sich unsere Anhänger auch am Samstag korrekt verhalten werden.“

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