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Europa-League-Qualifikation : Völlig verrückte Aufholjagd in St. Petersburg

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Kaum zu glauben, aber Zenit St. Petersburg kommt nach einem 0:4 im Hinspiel noch weiter. Bild: EPA

Nach einem 0:4 im Hinspiel der Qualifikation zur Europa League ist Zenit St. Petersburg so gut wie ausgeschieden. Doch im Rückspiel überschlagen sich die Ereignisse.

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          Nach einer verrückten Aufholjagd hat der frühere Uefa-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg das Aus in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League abgewendet. Nach dem 0:4 der Vorwoche gewann Zenit das Rückspiel gegen Dinamo Minsk mit 8:1 (4:0, 1:0) nach Verlängerung und trifft nun in der Play-off-Runde auf FK Molde/Norwegen. Dabei spielten die Russen ab der 72. Minute nach der Gelb-Roten Karte gegen Leandro Paredes bis kurz vor Abpfiff in Unterzahl. Drei Tore gingen auf das Konto von Russlands WM-Held Artjom Dsjuba (75./78./115., Foulelfmeter), der Zenit nach der Aufholjagd in die Europa-League-Playoffs deutlich gestärkt sieht. „Das war ein extrem wichtiger Sieg – vor allem für unser Teambuilding.“

          In der Nachspielzeit der Verlängerung war zweimal der eingewechselte frühere Nürnberger Robert Mak (120.+2, Foulelfmeter/120.+3) erfolgreich.

          Europa League

          Zenit-Trainer Sergej Semak war anschließend begeistert von seiner Mannschaft und bezeichnete den Triumph als „ein heroisches Spiel“. „Die Jungs haben sich selbst in diese Situation gebracht und jetzt diesen Sieg mit Zuckerguss errungen“, sagte der 42 Jahre alte ehemalige Profi der St. Petersburger der Agentur Tass zufolge. Und auch die russische Presse überschlug sich mit Lob für das Team. „Das war einfach nur cool! Ein echter Kampf“, schrieb die Tageszeitung „Sport-Express“. „Die letzten Minuten des Spiels sind eigentlich das beste Drehbuch für einen Hollywood-Film“, hieß es in der „Rossijskaja Gaseta“.

          Nicht so turbulent, aber auch interessant ging es in anderen Partien dieser Qualifikationsrunde zu. Der österreichische Vertreter Sturm Graz etwa blamierte sich gegen den zyprischen Vertreter AEK Larnaca mit 0:2 und 0:5. Der Linzer ASK dagegen schied gegen Besiktas Istanbul, zuletzt noch Champions-League-Gegner im Achtelfinale des FC Bayern, erst durch einen späten Gegentreffer aufgrund der Auswärtstorregel aus. Ausgeschieden ist auch Dynamo Brest aus Weißrussland, das mit der Verpflichtung von Diego Maradona als Funktionär zuletzt für Aufsehen gesorgt hatte (0:4 und 1:0 gegen Apollon Limassol). Überraschender war das Aus von Feyenoord Rotterdam gegen den slowakischen Vertreter AS Trencin (0:4, 1:1).

          Der luxemburgische Meister F91 Düdelingen wurde seiner Rolle als Favoritenschreck einmal mehr gerecht und bescherte dem polnischen Meister Legia Warschau nach einem 2:2 (2:1) im Großherzogtum das Aus. Das von Dino Toppmöller, Sohn des langjährigen Bundesliga-Trainers Klaus Toppmöller, trainierte Team hatte das Hinspiel in Polen 2:1 gewonnen, worauf die Polen sich von Trainer Aleksandar Vukovic getrennt hatten. Auch der neue Coach Ricardo Sa Pinto und zwei Treffer von Jose Kante konnten das Aus im Rückspiel nicht abwenden.

          Bereits in der Spielzeit 2012/13 hatte Düdelingen dem hochfavorisierten Team von RB Salzburg mit dem damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Roger Schmidt in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League ein Fiasko beschert. Nach einer blamablen 0:1-Pleite im Hinspiel kamen die Salzburger daheim zu einem 4:3-Sieg - scheiterten aber aufgrund der Auswärtstorregel. Düdelingen ist die erste Luxemburger Mannschaft, die jemals in die Play-offs zur Europa-League eingezogen ist. Der nächste Gegner ist rumänische Klub CFR Cluj aus Siebenbürgen. Das Spiel gegen Warschau war von der Uefa im Vorfeld zum Risikospiel eingestuft worden. Die Anzahl der Tickets war im 8000 Plätze fassenden Josy-Barthel-Stadion aus Sicherheitsgründen auf 2000 begrenzt worden.

          In den Playoffs steht auch RB Leipzig. Noch in der Nacht düste der Charterflieger aus der Walachei mit dem Mini-Kader zurück nach Deutschland. Nach dem Erreichen des nächsten Runde in der Europa League mit dem 1:1 im Rückspiel beim rumänischen Pokalsieger CS Universitatea Craiova gilt die volle Konzentration nun einem Regionalligaverein. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick will am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Mittelrheinpokalsieger keine böse Überraschung erleben, bringt gegen den Viertligaverein sogar erstmals nach der WM Nationalstürmer Timo Werner. „Es geht dann direkt nach Köln, wir nehmen das Spiel dort sehr ernst. Wir wollen bei Viktoria mit frischen Spielern antreten“, sagte Rangnick. Sein Team hat ab Sonntag fünf Spiele in 14 Tagen in drei Wettbewerben vor der Brust.

          Mit Stürmer Werner, der zuletzt noch eine Blockade im Rücken hatte, Dayot Upamecano, Konrad Laimer sowie Torhüter Péter Gulácsi bringt Rangnick frische Kräfte in Köln. Die Akteure seien für das Pokalspiel fest eingeplant, sagte Rangnick. Trotz seiner Klasseparaden im Qualifikations-Rückspiel in Craiova muss Yvon Mvogo wieder zuschauen. Rangnick hat sich auf eine Rotation festgelegt. Péter Gulácsi in der Liga plus Pokal, Mvogo in der Europa League. Der Schweizer hatte RB in Rumänien vor Schlimmeren bewahrt: „Es war das erwartet schwere Spiel, in der zweiten Halbzeit haben wir zu wenig nach vorne gemacht. Deswegen haben sie mehr Chancen kreiert und wir haben nicht mehr gut verteidigt. Es gibt noch genug Kleinigkeiten, die wir unbedingt noch besser machen müssen.“

          In den Playoffs trifft RB auf den FC Sorja Luhansk. Die Ukrainer setzten sich am späten Donnerstagabend beim SC Braga mit 2:2 aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore durch, das Hinspiel endete 1:1. Trotz Stadion-Neubaus haderte Rangnick in Craiova derweil mit dem Rasen. „Es ist schade, so ein wunderschönes neues Stadion und so ein Verein haben einen besseren Platz verdient. Das war ja fast schon eine Mischung aus Sand und Rasen“, kritisierte Rangnick die Spielfläche.

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