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Wildes Spiel in Europa League : Schonungslose Analyse des Leverkusen-Trainers

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„Ich habe wahrscheinlich einen Fehler gemacht“: Leverkusen-Trainer Peter Bosz Bild: EPA

So offen ist selten ein Trainer im Profifußball. Nach dem verrückten 3:4 in der Europa League in Bern und katastrophaler erster Halbzeit sucht Peter Bosz die Schuld fast nur bei sich.

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          Peter Bosz nahm die Schuld auf sich. „Ich habe wahrscheinlich einen Fehler gemacht und die Mannschaft nicht erreicht. Das ist meine Verantwortung“, sagte der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem verrückten und letztlich ernüchternden 3:4 (0:3) im Zwischenrunden-Hinspiel der Europa League bei den Young Boys Bern.

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          Nachdem er nach dem 2:2 am Samstag in der Bundesliga gegen Mainz 05 vom „schlechtesten Spiel“ seiner mehr als zweijährigen Amtszeit gesprochen hatte, stellte der Niederländer nun zerknirscht fest: „Wir haben gezeigt, dass es noch schlechter möglich ist.“ Am Wochenende war er hart mit seiner Mannschaft ins Gericht gegangen, nun zeigte sich der 57-Jährige so schonungslos selbstkritisch, wie man es im Fußball-Geschäft kaum erlebt. „Es muss so sein, dass ich die Mannschaft schlecht vorbereitet habe“, sagte er: „Sonst fangen wir nicht so schlecht an.“

          Die erste Halbzeit, nach der Bayer nach zwei Kollektiv-Aussetzern bei Eckbällen und einem Querschläger von Aleksandar Dragovic durch Christian Fassnacht (3.), Jordan Siebatcheu (19.) und Meschack Elia (44.) mit 0:3 zurücklag, war in der Tat ein nicht für möglich gehaltener Tiefpunkt in der aktuellen Negativserie, die nun nur zwei Siege aus elf Pflichtspielen ausweist. „Meine Arbeit ist eigentlich sehr schön“, sagt Bosz dazu: „Die erste halbe Stunde heute war nicht schön. Da wollte man lieber kein Trainer von Bayer 04 sein.“

          „An der Ehre gepackt“

          Ob der Niederländer nun darum zittern muss, dies noch lange sein zu dürfen, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich stehen die Bayer-Bosse hinter dem geradlinigen und sympathischen Offensiv-Verfechter. Dennoch muss Bosz schnell die Wende schaffen. Denn nach der Pokal-Blamage bei Viertligaverein Rot-Weiss Essen und dem Absturz in der Liga werden Klub-Boss Fernando Carro und Sportchef Rudi Völler nicht tatenlos zusehen, wie Bayer alle Saisonziele gefährdet. Mindestens die Champions-League-Qualifikation muss Bosz liefern, ein Aus in einer Woche gegen Bern könnte ihn tatsächlich in akute Erklärungsnot bringen.

          „In der Halbzeit musste sich jeder Einzelne von uns an der Ehre gepackt fühlen“, sagte Nationalspieler Jonathan Tah: „Natürlich auch der Trainer. Und jeder Einzelne von uns.“ Nach dem Wechsel habe sein Team „gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind“, was durch Treffer von Patrik Schick (49./52.) und Moussa Diaby (68.) belohnt wurde. Und was auch Bosz’ Verdienst war, der das System umgestellt hatte. Dass Bayer durch Siebatcheu doch noch das entscheidende Gegentor kassierte (89.), zeigte, wie wacklig das Gebilde momentan ist.

          Entsprechend stolz war Berns Trainer Gerardo Seoane, der angeblich ein heißer Kandidat bei Borussia Mönchengladbach ist. „Wer zur Halbzeit 3:0 führt, ist nicht hundertprozentig zufrieden, wenn er 4:3 gewinnt“, sagte der 42-Jährige zwar: „Aber die erste Halbzeit war fast perfekt. Und eine Top-Mannschaft wie Leverkusen zu schlagen, ist eine tolle Werbung für den Schweizer Fußball.“

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