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Vor Spiel in Europa League : Überraschendes Glück für die Eintracht

Hat ein klares Ziel vor Augen: Eintracht-Trainer Adi Hütter, hier bei einer Pressekonferenz im September Bild: dpa

Weil Arsenal ohne Mesut Özil enttäuscht, kann sich die Eintracht mit einem Sieg in Lüttich bereits jetzt einen großen Traum erfüllen. Dabei muss der Klub jedoch auf die Unterstützung seiner Fans verzichten.

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          Die Ausgangslage ist seit Mittwochabend klar. Ein Sieg – und die Frankfurter Eintracht steht vorzeitig im Sechzehntelfinale der Europa League. Möglich gemacht hat dies der FC Arsenal, der beim Tabellenletzten Vitoria Guimaraes 1:1 spielte und damit seine souveräne Tabellenführung in der Gruppe F bestätigte. Das Remis der Engländer bei den zum Schluss aufdrehenden Portugiesen bedeutet, dass die Eintracht an diesem Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) bei Standard Lüttich den angestrebten Traum, im Europapokal zu überwintern, schon am vierten Spieltag verwirklichen kann.

          Europa League

          Eintracht-Trainer Adi Hütter, der am Vorabend des „absoluten Schlüsselspiels“ im Presseraum des Maurice Dufrasne Stadions im Lütticher Stadtteil Sclessin Rede und Antwort stand, wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom späteren Remis der Londoner. Und so sprach der 49 Jahre alte Frankfurter Fußballlehrer voller Respekt von einer „sehr sehr heimstarken Mannschaft. Lüttich hat von den letzten sieben Ligaspielen sechs gewonnen. Sie haben zudem ein tolles Stadion und coole Fans.“ Die Bedeutung des zweiten Kräftemessens mit dem belgischen Spitzenteam von Standard Lüttich, das drei Punkte hinter der Eintracht liegt, beschrieb Hütter so: „Es hat den Geschmack eines K.o.-Duells.“

          Noch bevor sich Arsenal anschickte, bei Vitoria Guimaraes 1:1 zu spielen und damit der Eintracht einen großen Gefallen zu tun, war der Frankfurter Tross am frühen Mittwochnachmittag in Belgien angekommen. Die Crew um Trainer Hütter hatte sich dazu entschlossen, die Distanz von knapp 300 Kilometern fliegend zu überwinden. Zusätzlich zu 16 Feldspielern und zwei Torhütern hatte Hütter auch den U-19-Keeper Max Hinke mit in das Land der Flamen und Wallonen genommen.

          Natürlich gehörte auch Belgien-Kenner Daichi Kamada zur Frankfurter Reisegruppe. Der Japaner hat vorzügliche Erinnerungen an seinen vormaligen Aufenthalt, denn sein Leihgeschäft mit dem belgischen Erstligaverein VV St. Truiden war eine lohnende Sache. Kamada erzielte in seinen 36 Einsätzen in Liga und Pokal 16 Tore, bereitete neun weitere vor – und rief sich dadurch mit Nachdruck bei der Eintracht in Erinnerung. Was Kamadas Auslandsaufenthalt bewirkt hat, ist längst bekannt. Hütter hat einen starken und spielintelligenten Angreifer hinzugewonnen, der dank seiner feinen Technik zu einer neuen Größe in der Offensive geworden ist.

          Schlecht für die Eintracht: Wenn der slowenische Schiedsrichter Matej Jug an diesem Donnerstag das vierte Gruppenspiel der Hessen anpfeift, wird die Mannschaft nicht auf die Unterstützung ihrer Anhänger setzen können. Nach abermaligen Ausschreitungen, diesmal Anfang Oktober beim Europa-League-Spiel in Guimaraes, wo reichlich Plastiksitze aus den Verankerungen gerissen wurden und durch das Stadion flogen, hatte der Europäische Fußballverband (Uefa) den Klub bestraft. Weder nach Lüttich noch nach London, wo Ende November der FC Arsenal im letzten Auswärts-Gruppenspiel auf die Eintracht wartet, sind Eintracht-Fans im Stadion erlaubt.

          Im Hinspiel zu Fall gebracht: Gelson Fernandes (hinten) und die Eintracht setzten sich im Hinspiel gegen Lüttich durch.

          Dem Verein wurde von der Uefa untersagt, Karten zu verkaufen. Die entsprechenden Gästeblöcke bleiben demnach leer. Mehr noch: In der gesamten Stadt Lüttich sind Eintracht-Anhänger unerwünscht. Nach einer Verfügung der Stadtverwaltung dürfen Frankfurter Fußballfreunde die Innenstadt von Lüttich bis Freitag um 12 Uhr nicht betreten. Das Aufenthaltsverbot wurde am Dienstag veröffentlicht. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kritisierte das Vorgehen scharf, riet den Anhängern aber, auf die Reise nach Belgien zu verzichten.

          Keine Fans im Stadion: Eine ähnliche Situation gab es schon im September 2018. Damals spielte die Eintracht bei Olympique Marseille – übrigens abermals gepfiffen vom Slowenen Jug. Wegen vorangegangener Ausschreitungen der französischen Anhänger durften keine Zuschauer ins Stadion. Obwohl auch die Polizeipräfektur in Südfrankreich ein Aufenthaltsverbot gegen Eintracht-Fans erlassen hatte, fuhren trotzdem rund 500 Frankfurter nach Marseille, liefen tagsüber weitgehend unerkannt durch die Stadt und sammelten sich abends in den Kneipen am Hafen. Die Polizei ließ die Fußballfans gewähren. Zahlreiche Beamte schauten zu, wie die Eintracht-Anhänger den 2:1-Sieg ihrer Mannschaft bejubelten.

          „Die Verfügung ist in Form, Inhalt und Veröffentlichung unklar und zum Teil widersprüchlich“, sagte jetzt Hellmann vor dem Rückspiel bei Standard. Die Entscheidung der Stadt Lüttich sei zudem „rechtlich hochgradig fragwürdig und mit unserer Auffassung von einem gemeinsamen europäischen Rechtsverständnis völlig unvereinbar“. Allerdings habe die Eintracht in der Kürze der Zeit keine Möglichkeit, juristisch gegen die Verfügung vorzugehen. Deshalb sollten sich die Fans an die Vorgaben halten.

          Vorgaben anderer Art gibt es von Trainer-Seite. Wie sonst auch hat Eintracht-Coach Hütter seine Spieler akribisch auf die Aufgabe bei Standard vorbereitet. Und wie schon beim furiosen 5:1 in der Bundesliga gegen den torkelnden Meister FC Bayern München kommen auf Gelson Fernandes auch in Lüttich Spezialaufgaben zu. Der Auftrag des Schweizers von den Kapverdischen Inseln: „Gelson stopft Löcher,“ so Hütter. Ein kleiner Satz mit großer Wirkung.

          Der 33 Jahre alte polyglotte Eidgenosse ist wirklich der Frankfurter Experte, um dem Gegner unangenehm auf den Füßen zu stehen, Räume zu verdichten und den Spielfluss der gegnerischen Mannschaft zu unterbinden. Zudem „hilft Gelson der Mannschaft verbal“, sagte Hütter über die Führungsqualitäten des erfahrenen Fußballprofis. Fernandes weiß, was die Eintracht an diesem Donnerstag im 30.000 Zuschauer fassenden Stadion erwartet: „Die beste Stimmung in ganz Belgien.“ Die Eintracht ohne Rückhalt von den Rängen? Leider sind unsere Fans nicht dabei“, sagte Fernandes. „Aber wir werden für sie spielen.“

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