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Tragisches Eintracht-Aus : „Wir hätten das Finale verdient gehabt“

Am Ende unterlegen: Die Eintracht um Martin Hinteregger (links) und Kapitän David Abraham (Mitte) scheidet im Halbfinale der Europa League aus. Bild: dpa

Ein Moment wie für die Ewigkeit: Die Frankfurter scheitern denkbar knapp im Halbfinale der Europa League. Doch was Mannschaft und Fans zuvor auf den Rängen geleistet haben, war groß. Das liegt vor allem an einer Tugend.

          Der Schulterschluss wollte einfach kein Ende nehmen. Schon als sich die letzten Schützen auf den Weg zum Elfmeterpunkt machten, präsentierte sich die Eintracht als geschlossene Gemeinschaft. Spieler, Trainer, Betreuer – alle lagen sie sich in den Armen und bildeten auf dem Platz eine Linie. Bangen, hoffen, warten. Schaffen es Jovic, Haller und Co., sich im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea durchzusetzen?

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          Es gelang ihnen nicht. Doch statt nach den beiden Fehlschüssen von Martin Hinteregger und Goncalo Paciencia enttäuscht auf den Boden zu sinken, machte sich die Eintracht-Crew nach dem bitteren 3:4 – am Ende der neunzig regulären Minuten sowie auch nach der Verlängerung hatte es wie im Hinspiel 1:1 gestanden – auf dem Weg in die Kurve. Dort spielte sich Großes ab. Die 2235 mitgereisten Fans stimmten inbrünstig in das Vereinslied „Im Herzen von Europa“ ein und sangen gemeinsam mit der Mannschaft und dem Trainer- und Betreuerteam die Passage „Eintracht vom Main, nur Du sollst heute siegen. Eintracht vom Main, weil wir Dich alle lieben.“

          Das rechte Signal zur rechten Zeit

          Es war ein Moment wie für die Ewigkeit, und es war das rechte Signal zur rechten Zeit. Denn die Mannschaft von Trainer Adi Hütter hatte zuvor Großes geleistet. Hauchdünn nur und noch nicht einmal in zwei Halbfinalspielen vom großen FC Chelsea geschlagen, mussten sich die erst im Elfmeterschießen unglücklich bezwungenen Frankfurter von ihrem Traum verabschieden. „Wir hätten das Finale verdient gehabt“, sagte Hütter in den Katakomben der Stamford Bridge. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Sie hat in dieser Saison eine einzigartige Haltung gezeigt. Und was die Fans nach dem Spiel veranstaltet haben, ist großartig. Es macht einfach Spaß, hier Trainer zu sein. Schade, dass wir nicht nach Baku fahren.“

          Dass sich mit Chelsea und Arsenal, das sich gegen Valencia durchsetzte, nun zwei Londoner Premier-League-Vereine fünftausend Kilometer von England entfernt in Aserbaidschan messen müssen, um den Sieger in der Europa League zu ermitteln, mutet derweil wie ein Treppenwitz an. Das Wembleystadion wäre ein besserer Spielort gewesen.

          „In der Kabine sind Tränen geflossen“

          Für die Eintracht war die Spielstätte Stamford Bridge die richtige Bühne. „Das war unser bestes Spiel in dieser Kampagne“ sagte Hütter – und hatte Recht damit. Umso bitterer war dann das Ergebnis, das später, nachdem das gemeinsame Singen beendet war, zu einem Ausbruch der Gefühle führte. „In der Kabine sind Tränen geflossen“, bestätigte Hütter. „Ich habe versucht, die Jungs wieder aufzurichten und ihnen gratuliert. Wenn man das heute alles gesehen hat, haben wir es uns verdient, auch nächstes Jahr international zu spielen.“

          Fredi Bobic sprach nach dem starken Auftritt beim Londoner Champions-League-Klub von einem „unglaublichen Ritt, denn wir haben in Europa nur ein Spiel verloren“. Es war das 2:4 in der ersten Viertelfinalbegegnung bei Benfica Lissabon, das sich aber nicht nachteilig auswirkte, denn im Rückspiel ebnete die Mannschaft um den überragenden Torhüter Kevin Trapp mit dem 2:0 den Weg nach London. Dort endete die große Reise durch Europa. „Wir haben die Liga und den Verein würdig präsentiert“, sagte Sportvorstand Bobic in der Mixed-Zone an der Seitenauslinie des Spielfeldes. „Jeder in Europa weiß jetzt, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist.“

          Viele Spieler waren es nicht, die sich nach diesem epischen Fußballabend zu Wort meldeten. Doch diejenigen, die Rede und Antwort standen, benutzten alle das gleiche Wort: Stolz. „Wir sind nicht zufrieden, aber sehr stolz“, sagte stellvertretend Makoto Hasebe, der nach dem bitteren Aus in der Europa League verbal sofort wieder in den Angriffsmodus schaltete. „Wir haben immer noch die große Chance, uns für Europa und für die Champions League zu qualifizieren. In den letzten beiden Spielen gegen Mainz und in München müssen wir alles geben.“ Alles – und womöglich noch ein bisschen mehr. Die Eintracht hat Blut geleckt. Europa macht Spaß, Europa beflügelt.

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