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Frankfurt in Europa League : Die Eintracht und das Rechenspiel in Istanbul

Seltene Freude: Lammers (rechts) bejubelt mit Borré sein Tor gegen Istanbul. Bild: AP

Eintracht Frankfurt reicht ein Unentschieden im Europa-League-Spiel bei Fenerbahce Istanbul, um sich als Erster der Gruppe direkt fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Dazu winken 1,1 Millionen Euro.

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          Das Zwischenzeugnis liest sich mittelmäßig. Ergebnisse, auf die sie nach fast einem halben Jahr der Zusammenarbeit mit Fug und Recht stolz sein können, gibt es nicht allzu viele. Zumindest in der Europa League liegen Trainer Oliver Glasner und die Spieler der Eintracht aber auf Kurs. Zum Abschluss der Vorrunde führt sie die letzte internationale Reise eines wechselhaften Fußballjahres nun nach Istanbul.

          Europa League
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Gegen Fenerbahçe steht an diesem Donnerstag (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei bei RTL+) einiges auf dem Spiel. Nicht nur sportlich. Aktuell führen die Frankfurter die Gruppe D an. Nach den ersten fünf Partien haben sie es auf elf Punkte gebracht – keine sonderlich überragende Ausbeute, jedoch ein Schnitt, der bislang genug ist, um die Konkurrenz auf die hinteren Plätze zu verweisen. Olympiakos Piräus ist mit neun Zählern Zweiter, Istanbul Dritter (5 Punkte) vor der abgeschlagenen Mannschaft von Royal Antwerpen (2).

          Ein Unentschieden am Bosporus würde den Hessen genügen, um den ersten Platz zu behaupten. Ein erstrebenswertes Ziel, das auch wirtschaftlich erfreuliche Folgen hätte, denn damit wäre der direkte Einzug ins Achtelfinale bereits sicher, den die UEFA mit 1,1 Millionen Euro honoriert; der Umweg über ein zusätzliches K.o.-Duell im kommenden Februar bliebe der Eintracht damit erspart.

          Geld für Transfers?

          Ein Sieg in Istanbul brächte darüber hinaus den angenehmen Nebeneffekt mit sich, dass er 630.000 Euro in die Kassen spülen würde – was in Anbetracht des durch die Corona-Pandemie fortwährend belasteten Budgets ein überaus willkommenes Weihnachtsgeschenk wäre. Zumal es als ausgemacht gilt, dass sich die Führungskräfte des Klubs in den Tagen rund um Silvester intensiv mit der Gemengelage auf dem Transfermarkt beschäftigen werden, um auszuloten, ob Nachbesserungen am Kader, die nach allgemeinem Dafürhalten in der Offensive als auch auf dem rechten Flügel notwendig sind, in den Finanzplan passen.

          Noch muss Glasner sehen, dass er mit den vorhandenen (Personal-)Mitteln zurechtkommt und den schwächlichen Eindruck kaschiert, den die Frankfurter am Wochenende beim Bundesligamatch in Hoffenheim (2:3) hinterließen. Konstanz ist für sie ein Fremdwort, der Saisonverlauf ist ein einziges Auf und Ab. Immer, wenn es so aussah, als sei ein größerer Schritt nach vorne (in der Tabelle) möglich, so wie jüngst nach dem 2:1-Erfolg über Union Berlin, folgte zumeist ein fehlerbehafteter Auftritt, durch den die Chance im Ansatz zunichte gemacht wurde.

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          Auch die Erinnerungen an das erste Aufeinandertreffen mit Fenerbahçe fallen zwiespältig aus. Alles in allem verdiente sich die Eintracht beim 1:1 Mitte September das Remis redlich, kämpfte sich nach dem früheren Rückstand durch das Tor von Mesut Özil zurück und kam durch Sam Lammers zum Ausgleich; allerdings konnten sie von Glück sagen, dass in der Nachspielzeit der Schiedsrichter eine umstrittene Szene zu ihren Gunsten auslegte. Nach einem von Kevin Trapp verursachten Foulelfmeter hatte Mergim Berisha zum vermeintlichen Siegtreffer für die Türken getroffen, doch der Videoassistent intervenierte, weil der deutsche U-21-Nationalspieler zu früh in den Strafraum gesprintet war.

          Eine Macht in der eigenen Arena ist der gegenwärtige Tabellendritte der Süper Lig im Europapokal nicht; ein Unentschieden (2:2 gegen Antwerpen) und eine Niederlage (0:3 gegen Piräus) zeichnen nicht das Bild eines Gegners, vor dem sich die Frankfurter, wenn sie ihr Potential ausschöpfen, verstecken müssen. Fenerbahçe gewann bis heute in europäischen Wettbewerben noch nie zu Hause gegen deutsche Mannschaften. Zuletzt verloren sie in der Kampagne 2012/2013 mit 0:3 Toren gegen Gladbach.

          Auf Unterstützung ihrer Anhänger kann die Eintracht im Sükrü-Saracoglu-Stadion nicht zählen. Aufgrund „rechtlicher Vorgaben“ der Ordnungsbehörden, wie es offiziell hieß, wurden keine Tickets für Frankfurter Fans ausgestellt.

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