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2:1 gegen Standard Lüttich : Eintracht Frankfurt und das doppelte Glück

  • -Aktualisiert am

Doppelte Freude: Die Abwehrspieler Abraham (links) und Hinteregger treffen für Eintracht Frankfurt. Bild: dpa

Zwei der drei Stürmer fehlen der Eintracht. Dennoch reicht es zu einem 2:1-Sieg über Lüttich – weil zwei Abwehrspieler zu Torjägern werden. Vor allem einer hat nach der Partie allerbeste Laune.

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          Es ist nie verkehrt, einen Plan B zu haben. Oder einen Plan C. Das gilt selbstredend auch im Fußball. In der vergangenen Saison konnte sich Eintracht Frankfurt auf seine sogenannte „Büffelherde“ verlassen. Die wuchtigen Stürmer Luka Jovic, Sébastien Haller und Ante Rebic setzten fast jedem Gegner zu und trafen ziemlich häufig ins Tor. In dieser Spielzeit ist keiner von ihnen mehr in Frankfurt. Der Plan B? Drei andere Angreifer. Und Gonçalo Paciência, vergangenes Jahr erst verletzt und dann im Schatten der drei erfolgreichen Torjäger, sowie die Neuen André Silva und Bas Dost enttäuschten bisher nicht.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ganz im Gegenteil. In Frankfurt wird schon nach kurzer Zeit nur noch erstaunlich selten über die drei imposanten „Büffel“ geredet. Die beiden Portugiesen und der Niederländer haben die Lücke des Serben, des Franzosen und des Kroaten gefüllt mit ihren Leistungen und Toren. In den bisher 18 Partien dieser Saison erzielte Paciência schon acht Tore. Dost und Silva waren jeweils drei Mal erfolgreich. Doch im Europa-League-Heimspiel gegen Standard Lüttich am Donnerstagabend fehlten Dost und Silva verletzt.

          Letzterer schlägt sich schon ein wenig länger mit Beschwerden an der Achillessehne herum. Dost war am Tag vor dem Spiel beim Abschlusstraining noch dabei, klagte dann aber über Probleme an den Adduktoren. „Wir haben heute früh erst entscheiden, dass er nicht spielt“, sagte der Frankfurter Trainer Adi Hütter. Und nun? Plan B waren in der Aufstellung Daichi Kamada und Mijat Gacinovic, die Hütter hinter Paciência plaziert hatte. Das klappte nicht so gut. Erst als in der zweiten Halbzeit Kamada vorne mit dem Portugiesen agierte, arbeitete sich die Eintracht mehr Chancen heraus.

          Dass die Frankfurter die Partie mit 2:1 Toren gewannen, lag allerdings eher an Variante C, die, wie alle hinterher zugaben, jedoch gar nicht so explizit geplant war. Mit David Abraham (28. Minute) und Martin Hinteregger (73.) erzielten zwei Abwehrspieler die Tore für die Eintracht. Beide Treffer bereitet Kamada, erst mit einem Freistoß, dann mit einem Eckball, vor. Das 1:2 durch Selim Amallah (82.) für Lüttich sorgte nochmal für eine spannende Schlussphase, doch der Ausgleich fiel nicht mehr.

          Zwei Standards sicherten den Sieg über Standard und verschafften der Eintracht, die in der vergangenen Kampagne bis ins Halbfinale der Europa League vorgestoßen war, eine gute Basis für die abermalige Qualifikation für die K.o.-Runde im neuen Jahr. „Ich ärgere mich über das Gegentor“, sagte Hütter zwar, „aber es war ein verdienter Sieg“. Nach drei von sechs Spielen liegt die Eintracht drei Punkte vor Lüttich. In zwei Wochen wartet das zweite Duell mit den Belgiern im Kampf um Platz zwei hinter dem wohl nicht einholbaren FC Arsenal, der Vitoria Guimaraes am Donnerstag 3:2 besiegte.

          Dass ein Tor von Abraham nicht unbedingt der Masterplan der Eintracht gewesen sein kann, zeigt schon die Tatsache, dass der Argentinier letztmals vor mehr als drei Jahren in der Bundesliga traf. Nun hielt er nach einer scharfen Hereingabe von Kamada am zweiten Pfosten den Fuß hin und traf aus kurzer Distanz. „Es freut uns ungemein, dass David Abraham als unser Kapitän mal wieder ein Tor gemacht hat. Gerade nach seiner Verletzung ist das eine schöne Sache“, sagte Sebastian Rode. „Einstudiert war das 1:0 nicht. Natürlich probiert man im Training immer mal wieder Varianten, aber im Endeffekt brauchst du dann auch immer Glück, dass der Ball dann auch tatsächlich da hinkommt und auch jemand von uns abschließen kann. Das Glück hatten wir heute zweimal.“

          Hinteregger ist schon eher als torgefährlicher Spieler bekannt. Der Österreicher erzielte bereits das 1:0 am ersten Bundesliga-Spieltag gegen Hoffenheim. Ein konkreter Plan steckte hinter seinem Kopfball ins Tor aber auch nicht, wie er später freimütig zugab. „Das Tor war reine Improvisation. Die Laufwege in dieser Szene waren nicht besprochen.“, sagte Hinteregger. „Ich habe gesehen, dass vorne (am ersten Pfosten) ein kleiner Spieler stand, was untypisch ist. Dann habe ich meine Chance gesehen.“

          Die Laune bei Hinteregger war sowieso bestens. „Wenn jetzt Hasebe auch noch torgefährlich wird, dann können sich die Gegner warm anziehen“, frotzelte er. Der Japaner, der neben Abraham und Hinteregger die Abwehrkette bildete, traf international zuletzt 2009 – im damaligen Uefa-Pokal für Wolfsburg. „Ich habe mir ein Ziel gesetzt, wie viele Tore ich schießen will und da muss ich noch ein bisschen nachholen“, sagte derweil Hinteregger „So drei bis fünf Tore habe ich mir schon vorgenommen.“

          Die nächste magische Nacht: Die Eintracht zelebriert abermals die Europa League. Bilderstrecke

          Ob Dost und Silva in der kurzen Zeit bis zum Bundesligaspiel am Sonntag in Mönchengladbach wieder einsatzfähig sind, ist ungewiss. Es könnte also sein, dass Hinteregger, Abraham oder gar Hasebe nochmal gefordert sind, wenn es darum geht, eigene Treffer zu erzielen. „Ich bin froh, dass wir die Standards gut genutzt haben“, sagte Danny da Costa. „Es war nicht einfach zu kombinieren heute, aber gerne können die Verteidiger in die Bresche springen, wenn die Stürmer nicht treffen.“

          Die Eintracht wird derweil bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) Einspruch gegen den Ausschluss seiner Fans für Gruppenspiel beim FC Arsenal am 28. November in London einlegen. Das kündigte Vorstand Axel Hellmann an. „Wir werden das machen, aber die entscheidende Frage wird das Timing sein. Da haben wir noch keine genaue Vorstellung“, sagte Hellmann. Derzeit befinde man sich mit den Fangruppierungen in Gesprächen, um die jüngsten Vorfälle beim Spiel in Guimarães Anfang Oktober aufzuarbeiten. Dort war es abermals zu Ausschreitungen von Frankfurter Anhängern gekommen, weshalb die Uefa die in der Vorsaison verhängte Bewährung für die Hessen aufhob und einen Zuschauer-Bann für zwei internationale Auswärtsspiele verhängte. In der nächsten Gruppenpartie in zwei Wochen in Lüttich muss die Eintracht definitiv auf die Unterstützung ihrer Fans verzichten.

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          Lüttich-Fans bewerfen Polizisten mit Steinen

          Nach dem Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Standard Lüttich am Donnerstagabend sind nach Polizei-Angaben vier Beamte von Gästefans aus Belgien mit Steinen beworfen und mit Fahnenstangen geschlagen worden. Vier Polizisten wurden dabei leicht verletzt, teilte ein Sprecher der Polizei am Freitag mit. Sie hätten ihren Dienst aber fortsetzen können. Zunächst hatte der Hessische Rundfunk berichtet.

          Die Polizisten hatten die Lüttich-Anhänger nach dem Spiel dem Sprecher zufolge vom Stadion zu den Bussen begleitet, als mehrere Personen kurz vor dem Parkplatz begannen, Steine zu werfen. Vier Menschen seien festgenommen worden, sagte der Sprecher. Insgesamt hatte die Polizei nach eigenen Angaben etwa 2500 belgische Fans vom Stadion zu den Bussen begleitet. (dpa)

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