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Europa League : Die Eintracht und das Kribbeln vor dem Riesenspiel

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Deutlich sichtbar ist die Vorfreude bei Sebastian Rode auf das Spiel in der Europa League gegen Straßburg. Bild: dpa

Die entscheidende Partie in der Qualifikation zur Europa League gegen Straßburg kann für die Frankfurter Meilenstein oder Stolperfalle sein. Vom Weiterkommen hängt ziemlich viel ab. Und dann ist da noch der Fall Rebic.

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          Jetzt geht es Schlag auf Schlag bei Eintracht Frankfurt. Auf Vereinsebene jagt ein Meilenstein den anderen. Am Dienstag erfolgte mit Gästen aus Sport und Politik die Grundsteinlegung für den Neubau des „ProfiCamps“ und der Geschäftsstelle in Sichtweite der WM-Arena. Und an diesem Donnerstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei Nitro) können die Frankfurter in ihrem Stadion sportlich das Fundament für eine abermals erfolgreiche Saison in der Europa League legen.

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          Voraussetzung dafür ist, dass die Mannschaft von Cheftrainer Adi Hütter das 0:1 aus dem Play-off-Hinspiel gegen Racing Straßburg wettmacht. Der hessische Halbfinalteilnehmer der Vorsaison muss also mindestens zwei Tore erzielen, will er als ein Gewinner der Qualifikation wieder in die Gruppenphase einziehen. Auch ein 3:1 würde reichen. „Zweimal hintereinander in der Gruppenphase zu stehen wäre nicht selbstverständlich. Es ist aber ein großes, vom Verein erklärtes Ziel“, sagte Hütter am Mittwoch und stufte die internationale Begegnung in jeder Beziehung, also auch wirtschaftlich, als „unglaublich wichtiges Spiel“ ein. Für Torhüter Kevin Trapp ist es sogar „das wichtigste Spiel des Jahres“. Ganz so weit geht Axel Hellmann bei seiner Einschätzung nicht. Der Ausgang dieser Partie dürfe nicht zum Bewertungsmaßstab der ganzen Spielrunde werden, meint das Vorstandsmitglied. Aber: „Wir haben die Chance, uns in diesem Wettbewerb zu zeigen, Sympathiepunkte zu sammeln und die Mannschaft dadurch noch enger zusammenzuschweißen.“

          Frankfurt vor 47.000 Zuschauern gegen die Franzosen aus Straßburg – für Vereinspräsident Peter Fischer ist das „ein klassisches Endspiel“. Es werde sich zeigen, „wie viel Mentalität unsere Mannschaft hat“. Das diese auch beim neuformierten Team ausgeprägt ist, daran hat Fischer „keinen Zweifel“. Mit ihm ist auch Trapp davon überzeugt, dass die Eintracht ihre Aufgabe auf dem Platz mit dem nötigen Erfolg erledigen werde. „Wir haben die Mentalität und die Einstellung, um die Sache nach dem Hinspiel herumreißen zu können.“ Sein neuer, alter Mitspieler Sebastian Rode geht fest davon aus, „dass wir den Kampf annehmen werden“. Der Mittelfeldspieler wähnt sich einsatzbereit für den sportlichen Schlagabtausch mit Straßburg. „Beim Oberschenkel ist es nichts Tragisches. Am Donnerstag bin ich wieder bei 100 Prozent.“

          100 Prozent Hingabe und Leistungsbereitschaft wünscht sich Hütter auch von Ante Rebic. Dem Starspieler der Eintracht, dessen Allüren das Alltagsgeschäft aktuell beeinträchtigt haben. „Wenn er fit und geistig in der Lage ist zu spielen, ist Ante absolut eine Option“, sagte Hütter. In Leipzig (1:2) fiel der kroatische Nationalspieler mit Wadenproblemen aus. Und davor gegen Straßburg war Rebic mit Einstellungsproblemen aufgefallen und nach 45 Minuten ausgewechselt worden. „Wenn Ante in der Lage ist, Leistung zu bringen, kann er uns unheimlich viel bringen. Aber wenn Ante nicht fit wäre, muss ich mich auf anderes Personal verlassen können.“ Jeder Spieler, der auf dem Feld steht, genieße sein „hundertprozentiges Vertrauen“, sagte Hütter. Bis zum Ende der Wechselfrist am kommenden Montag wird sich entscheiden, ob der offenbar wechselwillige Rebic die Eintracht verlassen wird. Mit einer guten Leistung gegen Straßburg könnte Rebic Wiedergutmachung betreiben und sich womöglich einen stilvollen Abgang verschaffen. So oder so: Es gehe „nicht um einzelne Personen, es geht um Eintracht Frankfurt“, stellte Hütter klar.

          Trapp würde sich über ein Mitwirken von Rebic freuen. „Ante kann uns helfen, er hat schon oft bewiesen, dass er den Unterschied machen kann.“ Der Torhüter erwartet im zweiten Play-off-Duell ein „Riesenspiel gegen einen tollen Gegner“. Und ein „Geduldsspiel. Es wird natürlich nicht einfach.“ Trapp rät seinen Kollegen zu besonnenem Vorgehen. „Wir müssen nicht von Anfang an auf Teufel komm raus etwas riskieren. Defensiv müssen wir sehr gut stehen.“ Hütter, der mit seinem Torhüter konform geht, spricht von dem Erfordernis einer „unglaublich guten Defensive“. Und eines „sehr intelligenten Spiels. Bei Ballverlust müssen wir ins Gegenpressing kommen und – wenn das nicht klappt –, uns fallen lassen“, sagte der Trainer. „Wir müssen gegen einen tief stehenden Gegner Lösungen finden.“ Einen Auftritt wie im ersten Abschnitt in Straßburg will Hütter nicht mehr zu sehen bekommen. „Das ist ein No-Go“, hob er hervor.

          Das gleiche Engagement wie in Leipzig und beim Hinspiel in der zweiten Halbzeit in Straßburg vorausgesetzt, „werden wir unsere Chancen bekommen“, sagt Trapp. „Und dann müssen wir eiskalt sein.“ Dass die Anspannung in der Mannschaft groß ist, leugnet er nicht. „Eine gewisse Nervosität braucht man.“ Statt von Druck will der Torhüter lieber über Vorfreude sprechen. „Wir wollen die tollen Momente aus der vergangenen Saison noch einmal erleben“, sagte er. „Wenn wir in die Gruppenphase kommen, haben wir wieder einen tollen Herbst mit vielen schönen Spielen vor uns.“

          Die Fans würden jedes Heimspiel „zu etwas ganz Besonderem machen“, sagte Trapp. Straßburg spiele nicht nur „gegen unsere Mannschaft, sondern auch gegen das Stadion“, sagt Fischer. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) stellt sich bereits auf weitere Frankfurter Festspiele auf der europäischen Bühne ein. „Die Reise wird weitergehen“, sagte er. „Das Herz von Europa ist stark.“ Und dass es bei der Eintracht kräftig für Europa schlägt, ist auch keine Frage. Rode spürt schon vor dem Rückspiel gegen Straßburg „ein Kribbeln wie in der K.-o-Phase“ der Vorsaison.

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