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Eintracht-Gegner Piräus : Frankophone „Legende“ aus Griechenland

  • -Aktualisiert am

Piräus ist mit zwei Siegen aus zwei Spielen bestens in die Gruppenphase der Europa League gestartet. Bild: picture alliance / Focus Images / EXPA / picturedes

Olympiakos Piräus verbindet mit der Eintracht nur der Millionentransfer von Lajos Detari. Nun kommt es in Frankfurt zum Duell in der Europa League. Und bei den Griechen gibt es einige bekannte Namen.

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          Auf dem Papier stellt die Europa-League-Begegnung zwischen der Frankfurter Eintracht und Olympiakos Piräus an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) eine Premiere dar. Noch nie standen sich beide Mannschaften in einem europäischen Wettbewerb gegenüber. Das liegt unter anderem daran, dass der griechische Serienmeister in der jüngeren Vergangenheit meist in der Champions League antreten durfte, während sich die Eintracht mit der Teilnahme an der Europa League zufriedengeben musste.

          Europa League

          Auch in dieser Saison startete Olympiakos, das aufgrund seiner Dominanz in der griechischen Liga als „Legende“ betitelt wird, in der Qualifikationsrunde zur Königsklasse, schied dort aber überraschend gegen den bulgarischen Vertreter Ludogorez Rasgrad aus.

          Bei näherer Betrachtung findet man aber doch noch eine Verbindung zwischen den Hessen und den Hellenen. Auch wenn diese mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt: Im Sommer 1988 wechselte Lajos Detari für die damalige Rekordsumme von 17 Millionen Mark vom Main an den von Melina Merkouri besungenen Hafen. Gerade noch hatte der Ungar die Eintracht mit einem Freistoßtreffer zum Pokalgewinn geschossen.

          Klubeigner Vangelis Marinakis

          Kurz danach wurde er von mehr als Zehntausend Olympiakos-Anhängern vor dem Rathaus von Piräus bejubelt. Der Bruder des exzentrischen und später flüchtigen Klubpräsidenten, Jorgos Koskotas, soll Detari, der letztlich nur zwei Jahre in Piräus blieb, einen Blankoscheck vorgelegt haben. Verbunden mit der Aufforderung sein Gehalt selbst einzutragen.

          Heute sind derartige Geschäftspraktiken bei Olympiakos nicht mehr an der Tagesordnung. Seit elf Jahren fungiert der omnipotente Reeder Vangelis Marinakis als Klubeigner und hat dem Verein solide finanzielle Rahmenbedingungen verpasst. Exzentrisch und sprunghaft kann aber auch er bisweilen agieren. So war eine seiner ersten Amtshandlungen im August 2010 die Entlassung des Deutschen Ewald Lienen, nach nur fünfzig Tagen als Trainer.

          Nachdem dieser mit den „Rotweißen“ damals die Qualifikation zur Champions League verpasst hatte, wurde ihm, so heißt es, telefonisch von Marinakis geraten, besser nicht mit dem Mannschafts-Tross aus Israel zurückzukehren. Lienens Nachfolger wurde der Baske Ernesto Valverde, der mit dem Team etliche Titel gewann, ehe er über Umwegen beim FC Barcelona landete.

          Lajos Detari am Frankfurter Stadion vor dem Spiel in der Europa League gegen Chelsea 2019.
          Lajos Detari am Frankfurter Stadion vor dem Spiel in der Europa League gegen Chelsea 2019. : Bild: picture alliance / Foto Huebner

          Ein weiterer entscheidender Schachzug von Marinakis war die Verpflichtung von Cristian Karembeu als strategischen Berater im Aufsichtsrat des Vereins. Der Franzose, der mit der „equipe tricolore“ 1998 im eigenen Land Weltmeister wurde, war von 2001 bis 2004 schon Spieler bei Olympiakos und verfügt über ein exzellentes Netzwerk im Weltfußball, auf das Piräus bis heute zurückgreifen kann. Karembeu war es, der den aktuellen Trainer, Pedro Martins, vor drei Jahren nach Piräus gelotst hat. Der Portugiese geht hat der Mannschaft eine klare Handschrift verpasst.

          Karembeu hat wiederholt betont, dass Olympiakos in der Lage sei, die Europa League zu gewinnen. Ob der aktuelle Kader dafür prädestiniert ist, muss sich allerdings erst noch erweisen. Immerhin: Der Start in den diesjährigen Wettbewerb war verheißungsvoll. Zwei Siege, über Antwerpen (2:1) und Fenerbahce (3:0) stehen nach zwei Spieltagen zu Buche. In der Mannschaft – auch hier macht sich Karembeus Einfluss bemerkbar – finden sich etliche frankophone Akteure sowie drei aktuelle griechische Nationalspieler.

          Der prominenteste Grieche im Kader von Olympiakos dürfte dabei auch deutschen Fußballfans in guter Erinnerung sein: Sokratis Papastathopoulos. Er wechselte im Januar dieses Jahres vom FC Arsenal aus London nach Piräus. Der frühere Abwehrspieler von Borussia Dortmund und Werder Bremen bildet in der Regel mit dem Senegalesen Pape Abou Cissé die Innenverteidigung, dahinter steht der tschechische Nationaltorwart Tomas Vaclik. Eine tragende Rolle im Mittelfeld spielt Mady Camara aus Guinea. Der 24-Jährige soll vor drei Jahren auch einmal in den Fokus von Eintracht Frankfurt gerückt sein. Zugeschnappt hatte letztlich aber Francois Modesto, der französische Chefscout von Olympiakos.

          Inzwischen ist Camara einer der wertvollsten Spieler der Griechen. Als sein Adjutant in der Mittelfeldzentrale wurde im Sommer Pierre Kunde vom FSV Mainz verpflichtet. Doch der kamerunische Nationalspieler scheint noch nicht richtig angekommen, ist bislang oft nur Einwechselspieler. Es läuft allerdings auch ohne ihn. In der Liga, wo Olympiakos in den vergangenen elf Jahren neunmal den Titel gewann, steht man nach sechs Spieltagen schon wieder an der Spitze.

          Eine knifflige Aufgabe also, die die Eintracht erwartet. Das sieht auch Detari so. Vor dem Duell seiner früheren Klubs gibt sich der 58-Jährige deshalb diplomatisch: „Ich kann keine Prognose wagen. Alles ist offen“, sagte der einstige Mittelfeldstratege, der wahrscheinlich aus Budapest anreisen wird, um in Frankfurt mit seinen alten Kumpeln Charly Körbel und Andy Möller das Spiel zu verfolgen.

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