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Eintracht Frankfurt gegen BasEL : Europapokalmodus auch ohne Fans

Spiel vor leeren Rängen: Eintracht Frankfurt tritt gegen Basel an. Bild: dpa

Leverkusen vergessen, Topform wiederfinden: Eintracht Frankfurt will die Aufgabe gegen den FC Basel auch ohne die Hilfe der Fans wie in der Europa League gewohnt bewältigen.

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          Am Mittwochmittag hatte sich Adi Hütter noch gefreut: „Schön, dass wir das noch einmal genießen dürfen“, sagte der Österreicher zur bevorstehenden Frankfurter Europapokal-Nacht gegen den FC Basel. Für viele überraschend hatte der Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt, Stefan Majer (Grüne), am Vormittag verkündet, dass das Achtelfinal-Hinspiel der Europa League vor 47.000 Zuschauern stattfinden würde. Womit die Eintracht noch einmal auf die ganze Wucht der Unterstützung ihrer Fans hätte zählen können. Eine Entscheidung, die im krassen Gegensatz zur Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn und der hessischen Landesregierung stand, Veranstaltungen mit über 1000 Beteiligten abzusagen, oder ohne Zuschauer ablaufen zu lassen.

          Wenige Stunden später ruderten Majer und der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, Professor Rene Gottschalk, zurück. Weil im Elsass, also in der Nachbarschaft Basels, die Anzahl der Infizierten zuletzt stark angestiegen sei, würden sie die Lage neu bewerten und verkündeten doch noch den Zuschauer-Ausschluss.

          Geisterspiele finden wegen des Coronavirus mittlerweile in ganz Europa statt, manche Begegnungen werden sogar ganz abgesagt. Darüber zu jammern, wäre unprofessionell. Doch die Eintracht trifft es besonders hart. Denn die frenetische Unterstützung durch die eigenen Fans ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Mannschaft. Die Bilanz in den Auswärtsspielen nennt Trainer Hütter „grausam“. Die Erfolgsquote in den Heimspielen wäre wohl auch nicht so gut, ohne die Motivationsschübe aus der Kurve. Als sie einmal fehlten, gegen Union Berlin blieben die Stehränge aus Protest gegen die Montagspiele leer, setzte es prompt die einzige Heimniederlage des Jahres.

          „Reaktion auf das schlechte Spiel in Leverkusen“

          Für das erste K.o.-Duell mit dem FC Basel sieht sich die Eintracht zumindest medizinisch auf Kurs. „Unsere Ärzte haben uns gut vorbereitet“, sagte Hütter gut 30 Stunden vor dem Anpfiff des Achtelfinalhinspiels (18.55 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und DAZN) – und meinte damit nicht die Auseinandersetzung mit dem Gegner, sondern die Maßnahmen, die es wegen des Coronavirus zu treffen gelte. „Alle medizinischen Vorkehrungen sind getroffen, aber wir dürfen uns davon nicht zu sehr beeinflussen lassen. Wir können nicht Fußball spielen und sagen: Wir halten Abstand vom Gegner.“

          Über Basel ins Viertelfinale der Europa League: Das ist der Plan der Eintracht, und Hütter weiß, dass es dafür eine Menge braucht. Vor allem dies: „Wir müssen eine Reaktion auf das schlechte Spiel in Leverkusen zeigen.“ Am vergangenen Samstag gab es unter dem Bayer-Kreuz im Bundesliga-Kerngeschäft eine empfindliche 0:4-Niederlage, die Hütter schmerzt. „Wir hinken auswärts unseren Leistungen hinterher. Aber man muss dem Team auch Respekt zollen. Es ist März, und wir sind noch in allen drei Wettbewerben dabei.“

          Hütter imponiert, wie sich der FC Basel bislang in der Europa League geschlagen hat. „Sie haben zweimal gegen Getafe gewonnen und Krasnodar geschlagen“, sagte der Eintracht-Trainer voller Hochachtung. Zudem sei es gelungen, zweimal im Sechzehntelfinale Nikosia leicht und locker zu besiegen. In der Liga läuft es allerdings schlechter. Da steht der FC Basel nur auf Rang drei. Acht Jahre lang dauerte die Vormachtstellung des Abonnementmeisters FC Basel in der Schweizer Liga an. „Ich habe sie damals mit Young Boys Bern beendet“, erinnerte Hütter an seinen Meistercoup vor knapp zwei Jahren mit den Männern aus der Hauptstadt.

          „Basel hat immer noch ein großes Standing in der Schweiz“, sagte Intimkenner Djibril Sow. Der Schweizer Mittelfeldspieler der Eintracht erinnerte daran, dass wegen des Coronavirus in seiner Heimat drei Wochen lang nicht mehr um Punkte gespielt worden ist. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Sow, der gleichwohl sicher ist: „Ich denke nicht, dass die FC-Spieler drei Wochen lang im Urlaub gewesen sind.“

          Keine Spiele, keine Informationen? Hütter verneinte dies und wies darauf hin, dass man genügend Bildmaterial von den Spielen der Baseler gegen Nikosia, St. Gallen und Thun habe. „Der FC ist eine Mannschaft, die in Ballbesitz agieren will.“ Das kommt der Eintracht eigentlich entgegen: Pressing, Balleroberung und die Suche nach dem schnellsten Weg zum gegnerischen Tor – das war einmal ein Konzept, das zuverlässig funktionierte. Wenn es reaktiviert werden könnte, wären die Aussichten auf das Viertelfinale auch ohne Fans nicht schlecht.

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