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Europa League in Antwerpen : Der Joker sticht bei der Eintracht

Goncalo Paciencia (links) trifft für Eintracht Frankfurt in der Nachspielzeit. Bild: Picture-Alliance

Die Eintracht startet sehr gut in die Partie, verpasst es aber in der ersten Hälfte ein Tor zu erzielen. In der zweiten Halbzeit macht Antwerpen viel Druck – dann trifft Joker Gonçalo Paciência kurz vor Schluss.

          3 Min.

          Diesen Moment hatten viele bei der Eintracht herbeigesehnt. Der Reise zu einem Auswärtsspiel unter internationalen Vorzeichen ging eine monatelange Warterei voraus. Mit dem Klub waren die Fans zuletzt im Februar 2020 zu einem Wettbewerb der UEFA unterwegs. Danach folgte der Ausbruch der Corona-Pandemie, die den Fußball in seinen Entfaltungsmöglichkeiten beschränkte, und dann verpassten die Frankfurter die Qualifikation für den prestigeträchtigen Auftritt auf großer Bühne.

          Europa League
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Am Donnerstag, in Antwerpen, meldeten sich die Hessen auf ausländischem Terrain zurück: Die Elf von Oliver Glasner setzte sich am zweiten Spieltag der Gruppenphase der Europa League 1:0 gegen den FC Royal durch. Goncalo Paciencia erzielte den Treffer vom Strafstoßpunkt (90.+1). Seine Nervenstärke sicherte zugleich, im neunten Anlauf der Saison, den ersten Sieg unter der Regie des im Sommer verpflichteten Trainers. Noch am Abend trat die Mannschaft aus Belgien den Heimflug an, um sich nun auf die nächste Aufgabe vorzubereiten, die ungleich komplizierter werden dürfte: An diesem Sonntag ist die in der Bundesliga noch erfolglose Eintracht beim FC Bayern gefordert.

          Mehrere Festnahmen in Antwerpen

          Längst nicht alle der Frankfurter Gefolgsleute verstanden es, sich in der Fremde so zu benehmen, wie es angemessen gewesen wäre. Eine Gruppe von Hooligans lieferte sich am Nachmittag unweit des Bosuilstadions Auseinandersetzungen mit Antwerpener Widersachern, wobei eine Gaststätte demoliert wurde. Vonseiten der Polizei hieß es, es seien mehrere Frankfurter Fans festgenommen worden.

          Wie Glasner und seine Mitstreiter es anstellen wollten, sich die drei Punkte zu sichern, wurde beim Blick auf die Aufstellung ersichtlich. In erster Linie galt seine personelle Ausrichtung dem Zweck, die Defensive zu stabilisieren und, darauf aufbauend, geordnet anzugreifen. Er kehrte erstmals seit dem verpatzten Liga-Start in Dortmund Mitte August (2:5) zurück zur Dreierkette, in der Hoffnung, damit die Abwehrkraft zu stärken.

          Es war kein leichtes Spiel für Eintracht Frankfurt.
          Es war kein leichtes Spiel für Eintracht Frankfurt. : Bild: Picture-Alliance

          Glasner musste auf den Ausfall von Evan Ndicka (Bänderdehnung) und Erik Durm (Gehirnerschütterung) reagieren, die beide nach dem Match gegen Köln von den Teamärzten dienstunfähig geschrieben wurden. An ihrer Stelle nominierte der Coach Makoto Hasebe und Almamy Touré. Der japanische Routinier übernahm als Kapitän die Mittelposition in der Dreierkette, der junge Franzose den Posten des Rechtsverteidigers; auch Ajdin Hrustic rutschte in die Startelf. Er ersetzte Daichi Kamada als Angriffsgestalter. Diese Entscheidung revidierte Glasner nach 45 Minuten.

          Die Umstellungen in der letzten Linie brachten den erhofften Effekt: Die Eintracht fand sich gut zurecht und hatte wenig Mühe, das Geschehen vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Die erste Chance, den Führungstreffer zu erzielen, besaß Martin Hinteregger. Er scheiterte mit einem Freistoß aus 20 Metern an Torwart Jean Butez (3.). Dass Neuzugang Sam Lammers kein Stürmer ist, der über herausragende technische Fertigkeiten verfügt, wurde in der Anfangsphase ersichtlich.

          Der Niederländer vertändelte, nach cleverem Pass von Timothy Chandler eine Gelegenheit, die sich ein Topangreifer nicht hätte entgehen lassen (10.). Filip Kostic scheiterte zudem aus spitzem Winkel (18.). Kevin Trapp war in der gleichen Minute zur Stelle und fing die Kugel sicher ab, nachdem Viktor Fischer seinem Bewacher Touré enteilt war.

          Schrecksekunde für Trapp

          Was dem Frankfurter Tun fehlte, waren Genauigkeit und Tempo in der Umschaltbewegung. Insbesondere bei Hrustic, der als Dreh- und Angelpunkt vorgesehen war, kamen viele Vorstöße über das Anfangsstadium nicht hinaus. Glasner reagierte auf das Defizit und brachte Kamada zu Beginn der zweiten Hälfte. Für Trapp gab es nach Wiederanpfiff eine Schrecksekunde zu überstehen: Aus dem Fanblock hinter seinem Rücken wurde der 31-Jährige mit einem Knallkörper beworfen. Trapp ging zu Boden, musste behandelt werden, konnte aber weitermachen.

          Die Eintracht betrieb viel Aufwand, um zum Abschluss zu kommen, gerade Lammers blieb aber oft im Eins-gegen-eins hängen. Mit der Unterstützung des Publikums im Rücken hielt Antwerpen dagegen, Ally Samatta vergab frei vor Trapp (64.). Hasebe, der bis dahin souveränste Akteur auf dem Feld, musste in der 71. Minute weichen: Der 37-Jährige hatte sich bei einem Zweikampf eine Blessur an der rechten Wade zugezogen. Er wurde behandelt, während auf dem Feld der Siegtreffer fiel.

          Der eingewechselte Jesper Lindström war nach einem Solo im Sechzehnmeterraum von den Beinen geholt worden. Der ebenfalls erst kurz zuvor gekommene Paciencia ließ sich die Chance beim Elfmeter nicht entgehen: 1:0 in der ersten Minute der Nachspielzeit. 

          „Wir sind alle sehr erleichtert. Es war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Trainer Oliver Glasner nach dem Spiel: „Es zeugt von Qualität, dass Paciencia Verantwortung übernommen hat und den Elfmeter so trocken verwertet hat. Das freut mich und nötigt mir Respekt ab.“ Das Frankfurter Happy End war glücklich, aber nicht unverdient.

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