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Eintracht nach 2:4 bei Benfica : „Nächste Woche wird die Arena brennen“

Kevin Trapp und Eintracht Frankfurt hoffen noch auf den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Bild: Reuters

Eine frühe Rote Karte und ein furioses Supertalent beim Gegner – die Frankfurter haben arge Probleme beim Hinspiel in Lissabon. Dass die Laune bei der Eintracht dennoch gut ist, hat gleich mehrere Gründe.

          Der letzte Weg an diesem Abend führte João Félix Sequeira zu einem Balljungen hinter dem Tor. Von diesem ließ sich das Supertalent von Benfica Lissabon einen der vielen Europa-League-Bälle reichen, um ihn mitzunehmen. Auch mit gerade einmal 19 Jahren kennt sich der Portugiese mit der seltsamen Rückennummer 79 schon mit den Gepflogenheiten der großen Fußballwelt aus: Wer drei Tore erzielt, erhält den Ball. Eintracht Frankfurt indes nimmt ein 2:4 im Viertelfinal-Hinspiel mit auf die Heimreise – es war die erste Niederlage dieser Europa-Saison und die erste in diesem Jahr. Und doch machte sie Mut, dass diese Runde noch nicht die Endstation der bisher so wunderbaren Europareise sein muss.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Wir brauchen ein perfektes Spiel“, sagte Trainer Adi Hütter am späten Donnerstagabend im Estádio Da Luz mit Blick auf die zweite, entscheidende Partie am Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN). „Aber ich bin überzeugt davon, dass wir Benfica ausschalten. Ich erwarte nun nächste Woche einen heißen Tanz in Frankfurt.“ Diese Überzeugung speiste sich aus den Ereignissen der knapp 96 Minuten Fußball in Lissabon. Denn die Frankfurter hatten allerhand Rückschläge einstecken müssen in einem teils wilden Spiel, das wenige Atempausen bereithielt für zwei Mannschaften, die fast immer den Weg nach vorne suchten.

          Schon in der 20. Minute geriet die Eintracht in Unterzahl. Evan N’dicka hinderte Gedson Fernandes, der frei vor Torwart Kevin Trapp auftauchte, im Strafraum mit einer plumpen Aktion am Torschuss ohne die Möglichkeit zu haben, den Ball noch zu erreichen. Der englische Schiedsrichter Anthony Taylor, der die Frankfurter schon im Zwischenrunden-Hinspiel bei Schachtar Donezk gepfiffen hatte und seinerzeit einen Ukrainer früh vom Platz stellte, zückte die Rote Karte. Félix verwandelte danach den Elfmeter (21.). „Die Rote Karte hat es uns natürlich erschwert, ein gutes Ergebnis zu erzielen“, sagte Hütter.

          Dass die Eintracht mit dem Endergebnis leben konnte, lag an einer der vielen Energieleistungen, die ihre Spieler an diesem Abend vollbrachten. Sebastian Rode betätigte sich im Ein-Mann-Pressing und spitzelte den Portugiesen in deren Hälfte tatsächlich den Ball weg. Ante Rebic bediente Luka Jovic, und der Serbe, den Benfica einst nur in zwei Partien einsetzte und der 2017 nach Frankfurt kam, knallte den Ball zum 1:1 hoch ins Tor (40.). „Die Mannschaft hat das toll gemacht, ich bin mit der Leistung zufrieden. Vor allem mental war das überragend“, sagte Hütter.

          Zumal die frühe Rote Karte und der Rückstand nicht die einzigen Rückschläge waren. Kurz nach dem Ausgleich kassierten die Frankfurter das 1:2. Félix traf mit einem Schuss, der Trapp im Tor offenbar überraschte (43.). Danach wurde ein Tor von Filip Kostic nicht anerkannt, weil Danny Da Costa nach Ansicht der Unparteiischen den Torwart irritierte und dabei im Abseits gestanden haben soll. Selbst nach Ansicht der TV-Bilder ließ sich die Szene nicht zweifelsfrei bewerten. Einen Videobeweis, der mit einer kalibrierten Linie womöglich geholfen hätte, gibt es in der Europa League noch nicht.

          Nach der Pause mussten die Eintracht-Fans dann Schlimmstes befürchten. Rúben Dias köpfte nach einer Ecke zum 3:1 ein (50.), Félix erhöhte mit einem Schuss durch die Beine von Makoto Hasebe und Trapp auf 4:1 (54.). „Da haben wir uns nicht gut angestellt“, sagte Hütter zu den zehn Minuten nach Wiederanpfiff. Zu diesem Zeitpunkt wäre manche Elf in Unterzahl auseinandergebrochen. Nicht die Eintracht. Der eingewechselte Portugiese Gonçalo Paciência köpfte mit einer Bogenlampe nach Ecke von Jonathan De Guzman das 2:4 (72.). „Mein Tor war wichtig. Wir sind stärker, das haben wir gezeigt“, sagte der Stürmer, der bei Benficas großem Rivalen FC Porto ausgebildet wurde.

          Evan Ndicka sieht in Lissabon Rot, was die Eintracht gegen Benfica auf die schiefe Bahn brachte. Bilderstrecke

          „70 Minuten in Unterzahl auf diesem Niveau ist nicht einfach. Ich muss den Jungs ein Kompliment machen. Sie sind immer wieder zurückgekommen und haben sich aufgerafft“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic bei RTL: „Ich bin sehr zuversichtlich für das Rückspiel.“ Ähnlich sah es auch Sportdirektor Bruno Hübner: „Wir können aus der Leistung und dem Ergebnis Hoffnung schöpfen. Wir haben eine Riesenmoral gezeigt.“ Und Rode sagte in der Emotion direkt nach der Partie: „Nächste Woche wird die Commerzbank-Arena brennen.“ Jeder weiß, wie es der Dauerläufer meinte, doch ähnliche Worte hatte schon für Aufregung gesorgt. Präsident Peter Fischer hatte sie vor dem Rückspiel gegen Donezk gewählt. Das rief die Sicherheitsbehörden auf den Plan, eine Polizeiaktion sorgte für Ärger.

          Im Rückspiel gegen Benfica braucht die Eintracht keine Nebenkriegsschauplätze, sondern mindestens zwei Treffer, um das 2:4 auszugleichen. Dass das machbar ist, zeigen die bisherigen Heimspiele der Europa-League-Partien: 4:1 (Lazio Rom), 2:0 (Limassol), 4:0 (Marseille) und 4:1 (Donezk). Alleine im Achtelfinale gegen Inter Mailand gab es ein 0:0. „Wir müssen ein Tor schießen und dann werden wir sehen, wie Benfica reagiert“, gab Gelson Fernandes den Plan vor „Jeder kann sich auf Donnerstag freuen, denn wir können es noch schaffen und es wird jede Menge los sein“, sagte Trapp, und Rode sah im 2:4 gar eine „gute Ausgangsposition“. Eine Statistik macht Mut. Die letzten sechs K.o.-Duelle zwischen deutschen und portugiesischen Teams entschied immer der Bundesliga-Klub für sich.

          Um noch den Einzug ins Halbfinale gegen den FC Chelsea oder Slavia Prag – die Engländer siegten im Hinspiel 1:0 – zu schaffen, müssen die Frankfurter vor allem Félix besser in den Griff bekommen. Er gilt in Portugal als der nächste Cristiano Ronaldo, auch wenn seine Spielweise etwas weniger kraftvoll als die des berühmten Landsmanns ist. „Gegen ihn müssen wir uns im Rückspiel etwas einfallen lassen“, sagt Trainer Hütter. „Portugal kann stolz sein, wieder solch ein Jahrhunderttalent zu haben.“ Stolz will auch die Eintracht nach dem Rückspiel sein. Dazu sollten sie Félix nicht zu oft den Ball geben – im Spiel und schon gar nicht danach.

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