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Dortmund-Torwart Bürki : Einmal der Held, einmal der Idiot

  • -Aktualisiert am

Roman Bürki zeigt starke Spiele, aber manchmal auch schwere Patzer. Bild: Picture-Alliance

Seit zweieinhalb Jahren ist Roman Bürki bei Borussia Dortmund. Doch immer wieder gibt es Zweifler, die nicht vom Schweizer überzeugt sind. Dabei macht ihm vor allem ein Problem zu schaffen.

          Roman Bürki ist einiges gewohnt. In den gut zweieinhalb Jahren, die er für Borussia Dortmund spielt, sah der Torhüter sich mitunter massiven Vorwürfen ausgesetzt. Allerdings vermochte er auch immer wieder zu überzeugen und seine Kritiker zu besänftigen wie zuletzt beim Bundesliga-Auftritt in Mönchengladbach. Bürki hat gelernt, den Schwankungen im Tagesgeschäft Fußball mit einem gewissen Gleichmut zu begegnen. Dabei wirkt er wie jemand, der mit sich im Reinen ist, weil er tut, was er kann. „Ich trainiere tagtäglich und versuche mich zu verbessern, es gelingt nicht immer alles“, sagt Bürki. „Eine Woche bist du der Held, eine Woche bist du der Idiot.“

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          Im Europa-League-Rückspiel bei Atalanta Bergamo brauchen die Dortmunder den Torhüter in seiner Heldenrolle. Umso mehr, weil das 3:2 aus dem Hinspiel besondere Gefahren birgt. Aufgrund der beiden Auswärtstore würde den Italienern an diesem Donnerstag (21.05 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei Sky und Sport1) schon ein 1:0 oder ein 2:1 reichen, um das Achtelfinale zu erreichen. Heldentaten wie jüngst gegen Gladbach würden die Chancen des Bundesliga-Zweiten also deutlich steigern. Bürkis großer Trumpf ist sein Spielverständnis; die Fähigkeit, mit dem Ball umzugehen wie ein Feldspieler und mit seinem Blick für den (freien) Raum den Ausgangspunkt der Spieleröffnung zu bilden.

          Das war der Hauptgrund, warum das Dortmunder Management ihn 2015 vom SC Freiburg abgeworben hat. Aber auch seine zupackende Art beim Abfangen von Flanken trägt dazu bei, dass der BVB in der aktuellen Bundesliga-Spielzeit schon neunmal ohne Gegentor geblieben ist. Zuletzt in Gladbach hat Bürki jedoch gezeigt, dass er mehr kann, als mancher ihm zutraut; dass er auch bestehen kann, wenn er stark unter Beschuss steht. Der 27 Jahre alte Schweizer gefiel durch gutes Stellungsspiel und stellte mit elf Paraden einen Saisonrekord in der Liga auf.

          Gerade an solchen Tagen sieht Michael Zorc sich bestätigt. Der Sportdirektor des BVB weiß Bürki zu schätzen. „Roman passt sportlich und menschlich hervorragend zu Borussia Dortmund. Wir mögen seinen Spielstil und sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotential.“ So begründete Zorc den Abschluss des neuen Vertrags, der Bürki nun bis Ende Juni 2021 bindet. Wenige Tage zuvor hatte der Torhüter beim Champions-League-Spiel in Nikosia mit einem Fehler wieder die Zweifler auf den Plan gerufen. Bürki mangelt es aber nicht an Klasse, schon gar nicht an Talent, vielleicht fehlt ihm ein wenig die Aura des (scheinbar) Unbezwingbaren. In den Augen seiner Kritiker haftet ihm der Makel an, so gut wie nie vermeintlich unhaltbare Bälle abzuwehren oder gar mit seiner Hände Arbeit Spiele zu gewinnen. Auch solche Vorurteile tragen dazu bei, dass BVB-Trainer Peter Stöger jüngst anmerkte, Bürki sei „in den vergangenen Wochen negativer beurteilt worden, als ich ihn sehe“.

          Bürki bringt nahezu alles mit, was einen mitspielenden Torhüter auszeichnet. Gelingt es ihm, die Fehlerquote bei der für seine Position typischen Handarbeit zu minimieren, dürften sich die Erwartungen des Managements erfüllen. Das Problem dieses Torhüters liegt woanders. Wenn Bürki patzt, dann richtig; und zwar so, dass es jedem sofort ins Auge fällt; dass ein Raunen durchs Stadion geht; dass atmosphärisch eine Unsicherheit entsteht, die den Torwart, aber auch seine Vorderleute erfasst. Wie etwa im Januar gegen Freiburg. In dieser Partie musste Dortmund sich auch deshalb mit einem Remis begnügen, weil Bürki, um anspielbereit zu sein, so weit vor seinem Tor stand, dass der Sportclub einen Treffer aus 40 Metern Entfernung erzielte. Um in Bürkis Bild zu bleiben: Der Idiot in ihm weiß sich auffälliger in Szene zu setzen als der Held in ihm.

          Aber das muss nicht so bleiben. Wie der Held den Idioten bändigt und schließlich vertreibt, zeigt das Beispiel eines arrivierten Berufskollegen vom FC Barcelona. Marc-André ter Stegen hatte sich im Verein wie in der deutschen Nationalmannschaft einige Patzer geleistet, die zum Teil groteske Züge trugen, blieb aber mental robust. Inzwischen ist ter Stegen die unumstrittene Nummer eins bei „Barça“ und gilt als Favorit für den Fall, dass in der Nationalelf weiter ein Vertreter für Manuel Neuer benötigt wird. Die mentale Kraft, Fehler zu verkraften und Vorurteile zu widerlegen, scheint auch Bürki zu besitzen. Kritik lässt er nur noch an sich heran, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass sein Gegenüber es gut mit ihm meint. „Ich bin so ein Typ geworden, dass mir egal ist, was Leute über mich sagen, außer es sind die, die mir wichtig sind.“

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