https://www.faz.net/-gtl-15jb6

Europa League: Bremen und Hamburg : Zwei Heimatreisen in die Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Wie eine späte Belohnung: Werder-Profi Niemeyer Bild: dpa

Nostalgie in der Europa League: Peter Niemeyer kehrt am Donnerstag mit Werder Bremen nach Enschede zurück. Und Ruud van Nistelrooy schaut mit dem Hamburger SV in Eindhoven vorbei. Doch nur einer hat einen Stammplatz sicher.

          3 Min.

          Von sich selbst zu sprechen ist immer noch eine ungewohnte Übung für Peter Niemeyer. Da stand er also mit dicker Daunenjacke in der zugigen Interviewzone und sollte von seinem zweiten Bundesligatreffer berichten. Peter Niemeyer schaute versonnen ins Nirgendwo, lächelte und sagte erst mal nur: „Goalgetter.“ Er schickte noch ein kleines Lachen hinterher, damit auch jeder verstand, wie es gemeint war. Als Torschütze mag sich der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler genauso fremd vorkommen wie im Fokus der Medien. Selten nur verirrt er sich in den gegnerischen Strafraum, selten ist seine Meinung gefragt, obwohl Niemeyer in diesem Winter schon drei Jahre für die Bremer spielt. Spuren hat er keine hinterlassen. Immer waren andere besser in der Mannschaft von Thomas Schaaf.

          Doch, um zwei Fußballer-Phrasen zu benutzen: Niemeyer hat sich angeboten und im Training gezeigt, dass er eine Alternative sein könnte. In diesen Wochen wird er für seine Geduld belohnt: Er steht als Symbol für die neue Ordnung im Bremer Spiel, seit er sich als Mann neben Torsten Frings um die Statik bei Werder verdient gemacht hat. Und er ist in dieser Europa-League-Woche der zweite Mann im Blickpunkt, der zu seinen Wurzeln zurückkehrt: Fast acht Jahre spielte Peter Niemeyer für den FC Twente in Enschede, dem Bremer Gegner im Sechzehntelfinale der kleineren europäischen Spielrunde an diesem Donnerstag (19 Uhr / alle Spiele im FAZ.NET-Europa-League-Liveticker).

          Wie eine späte Belohnung

          Niemeyer sagt: „Twente hat mich ausgebildet, zum Profi gemacht. Obwohl ich in den Niederlanden im Ausland war, habe ich Twente als meine Heimat angesehen.“ Viereinhalb Jahre verdiente Niemeyer sein Geld in der ersten Mannschaft. Er war in Enschede einer der beliebtesten Spieler; bevor Werder ihn im Januar 2007 für 250.000 Euro kaufte, war er dort noch zum „Spieler des Jahres“ gewählt worden. „Die Fans mochten mich“, sagt Niemeyer, „ich bin mit meiner Art zu spielen dort sehr gut zurechtgekommen.“ Es muss Peter Niemeyer wie eine späte Belohnung vorkommen, dass er am Donnerstag als Stammspieler in die alte Heimat kommt.

          Der Mittelfeldmann kehrt als Stammspieler nach Enschede zurück

          Davon war er bisher weit entfernt. Sogar im Januar noch, als Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg ihn ausleihen wollten. Niemeyer wäre gern gegangen. Sportchef Klaus Allofs ließ ihn nicht. Niemeyer fühlt sich in Bremen wohl, aber er wollte endlich spielen. Bei Werder waren es nur Kurzeinsätze. Einer davon blieb in Erinnerung: Als Niemeyer Anfang Oktober im Europa-League-Gruppenspiel gegen Athletic Bilbao eingewechselt wurde und den Platz nach 3:33 Minuten wieder verließ: zwei Fouls, Gelb-Rote Karte. „Es ist richtig, dass er aggressiv spielt. Das war aber dumme Aggressivität“, sagte Allofs damals.

          „Er zeigt, dass die Grätsche zum Spiel gehört“

          Mit ganz kleinen Schritten hat sich Niemeyer den Platz in der Startelf nun erarbeitet. Zweikämpfe gewinnen, den Ball sauber zum Nebenmann bringen, ansonsten keine Experimente: Das Wort solide könnte für sein Spiel erfunden worden sein. Ein Tor wie gegen Hannover oder ein Seitenwechsel über zwanzig Meter im selben Spiel kommt Niemeyer-Betrachtern schon wie eine unerhörte Extravaganz vor. Aber manchmal ist es eben genau so ein Typ, der im Bremer Künstler-Ensemble für den Gleichklang sorgt. „Ich versuche, meinen Teil beizutragen, dass es wieder läuft“, sagt er. Allofs lobt: „Er zeigt den anderen, dass die Grätsche zum Spiel gehört.“ Peter Niemeyer darf sich als der neue Frank Baumann fühlen: Bei dem fragte man sich auch manchmal, was er in einer der besten Mannschaften der Bundesliga verloren hatte. Baumann hielt sich über zehn Jahre bei Werder.

          Am Donnerstag treffen Niemeyer und Kollegen auf den Tabellenzweiten der Eredivisie. Twente hat als Verfolger des PSV Eindhoven erst ein Spiel verloren, scheiterte in der Champions-League-Qualifikation unglücklich an Sporting Lissabon. Als leichten Gegner schätzt Niemeyer den FC Twente nicht ein: „Die Holländer werden sicher von einem Spiel David gegen Goliath reden. Ich finde es absolut unbegründet, davon zu sprechen.“

          Van Nistelrooy: Startelf-Debüt wohl erst am Samstag

          Ein paar Kilometer weiter nördlich sieht sich der Hamburger SV in seinem Europa-League-Spiel (21.05 Uhr) gegen den niederländischen Tabellenführer mit dem ehemaligen Schalker Trainer Fred Rutten schon als Favorit. Dafür hat natürlich vor allem ein Spiel mit zwei Toren des Mannes genügt, für den die Schlagzeilen am Montag kaum groß und fett genug sein konnten. Nicht nur der unscheinbare Peter Niemeyer ist nämlich zu einer Reise in die Vergangenheit aufgebrochen, auch Ruud van Nistelrooy trifft auf alte Bekannte: Von 1998 bis 2001 verdiente er sein Geld in Eindhoven.

          Mehr als sechs Millionen Euro überwies der PSV 1998 nach Heerenveen, um den besten Stürmer Hollands zu bekommen. Nach drei Spielzeiten war die Wertsteigerung riesig - fast dreißig Millionen Euro bezahlte Manchester United für ihn. „Es wird etwas sehr Spezielles“, sagt van Nistelrooy, „mein erstes Heimspiel für den HSV gegen meinen alten Verein. Das ist sehr schön.“ Wie schön es wird, hängt auch von Trainer Bruno Labbadia ab. Wahrscheinlich wird der noch nicht vollends austrainierte van Nistelrooy auf der Bank sitzen. Das Startelf-Debüt ist für den Samstag gegen Frankfurt geplant.

          Weitere Themen

          Meistertrainer wird Ko-Trainer

          Thomas Schaaf hilft Werder II : Meistertrainer wird Ko-Trainer

          Thomas Schaaf hat Werder Bremen zur Meisterschaft geführt und mehr als ein Jahrzehnt auch in der Champions League betreut. Nun hilft der 58-Jährige in der Not bei der U23 von Werder Bremen in der Regionalliga aus.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.