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Europa League in Lissabon : Alle Augen auf die stolze Eintracht

Die Vorbereitungen auf das große Spiel der Eintracht in Lissabon laufen – auf und neben dem Spielfeld. Bild: dpa

Frankfurt ist der letzte verbliebene Bundesliga-Klub, der international die deutsche Fahne hochhält. Die Stimmung vor dem Hinspiel bei Benfica ist gut. Das liegt auch an mehreren guten Nachrichten in Personalfragen.

          Die Dimensionen sind beeindruckend. Wer sich aus dem Stadtzentrum dem Estádio da Luz nähert, erkennt schon von weitem, dass es sich um ein Fußballstadion der überdimensionalen Größenordnung handelt. Auf dem Weg, den die Frankfurter Gästegruppe auf ihrem Weg zum Training zurückzulegen hatte, mangelt es nicht an Hinweisen auf die ruhmreiche Historie des Klubs Benfica Lissabon: Momente und Menschen, die den Traditionsverein bis heute prägten, sind auf Bildern oder in Stein gehauen verewigt.

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          Dass die Szenerie auf Adi Hütter einen Eindruck machte, die ihn Selbstsicherheit gekostet hätte, ließ sich nicht erkennen. Der Trainer der Eintracht erfüllte den ersten Teil der Europa-League-Dienstreise mit einer Coolness, die viel über das erarbeitete Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verriet: „Ich erwarte ein Duell zweier Mannschaften, die den offensiven Fußball lieben“, sagte er am Mittwochabend, „und wir müssen ein Topspiel machen, um eine für uns gute Ausgangsposition zu bekommen. Wir werden unsere Möglichkeiten vorfinden.“

          Für die erste Viertelfinalbegegnung mit dem 36-maligen portugiesischen Meister ging Hütter, im Rahmen des Machbaren, auf Nummer sicher: Der Tabellenvierte der Bundesliga reiste mit großer Entourage an. In der Chartermaschine, mit der das Team am Vormittag angereist war, saßen 21 Profis. Dazu zählte auch ein Spielerquartett, das zuletzt beim Spiel „auf“ Schalke nicht zur Verfügung stand oder aus der Auseinandersetzung mit den „Königsblauen“ verletzt hervorging: Sébastien Haller (Bauchmuskelzerrung), Sebastian Rode (Schmerzen an der Wade), Mijat Gacinović (Fersenprobleme) und Martin Hinteregger (Brustprellung und Mittelhandbruch) gehörten zum Aufgebot, aus dem sich Hütter im Laufe der verbleibenden Stunden des Donnerstags 18 Leute raussuchen kann, die er für das Spiel an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN) berücksichtigt.

          Zehn Partien hat die Eintracht in dieser Saison im Europapokal absolviert, keine ging verloren: Acht Siege und zwei Unentschieden lautet die imponierende Bilanz; zu den besiegten Gegnern gehörten Vorjahresfinalist Olympique Marseille, Lazio Rom sowie die Champions-League-Absteiger Schachtar Donezk und Inter Mailand. In Lissabon soll nun der Grundstein für den nächsten Triumph gelegt werden. Zuletzt kam die Eintracht 1995 so weit, ehe sie das Aus gegen Juventus Turin ereilte. Nun will sie mehr. „Du brauchst keinen Wettbewerb zu spielen, wenn du keine Träume hast“, kommentierte Sportvorstand Fredi Bobic die Konstellation.

          Die Eintracht ist der letzte verbliebene Bundesliga-Klub, der international die deutsche Fahne hochhält. „Natürlich macht es stolz, dass alle Augen auf uns gerichtet sind“, sagte Torhüter Kevin Trapp: „Die Leute sprechen über uns, und wir glauben an uns.“ Für seinen Chefcoach kommt es in Lissabon darauf, wie er hervorhob, „dass wir die Balance finden zwischen Mut und defensiver Stabilität“. Es sei das Ziel, „mindestens einen“ Treffer zu erzielen, „besser zwei“. Er will sehen, dass seine Elf „Nadelstiche nach vorne setzt“, ähnlich wie auswärts in Mailand selbst die Initiative ergreift und den Gegner „früh in dessen Hälfte stört“. Da aber stets mit Tempo-Attacken von Benficas Angriff um das „Jahrhunderttalent João Félix“ zu rechnen sei, dürfe bei allen Pressing-Plänen der Blick auf die eigene Abwehr nicht zu kurz kommen, sagte Hütter.

          Für Ordnung auf dem Rasen sorgt seit dem Winter Martin Hinteregger, der mit Übersicht und Abgeklärtheit am Ball viele Situationen entschärfte, bevor es in Trapps Strafraum brenzlig wurde; sechs der vergangenen acht Auftritte überstanden die Frankfurter nicht zuletzt dank seiner Qualität als ausgefuchster Aufpasser ohne Gegentor. Hütter machte keinen Hehl daraus, dass er seinen österreichischen Landsmann, dem die Gelsenkirchener am Wochenende auf unfaire Art derart zugesetzt hatten, dass er nach einer halben Stunde gezeichnet vom Feld musste, gegen Benfica am liebsten von Beginn an dabei hätte.

          Die Idee, ihn mit einer schützenden Carbon-Schiene so zu wappnen, dass aus ihm ein Kandidat für die Startformation wird, scheint sich als tragfähig zu erweisen. Der 26-Jährige habe über „wenig Schmerzen“ geklagt, schilderte der Trainer. „Wenn Hinteregger signalisiert, dass es geht, wird er zum Einsatz kommen“, legte sich Hütter fest. Bei der abschließenden Übungseinheit lief Hinteregger ohne sichtbare Probleme vorneweg. Die Generalprobe für den Ernstfall im Estádio da Luz hätte schlechter laufen können.

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