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Nur ein Schatten seiner selbst: Mario Götze wurde alsbald ausgewechselt in Salzburg. Bild: Picture-Alliance

Aus in Europa League : Stöger rechnet mit Götze und Dortmund ab

Zehn Spiele, nur ein Sieg – und nun die Blamage gegen Salzburg: Der BVB spielt eine völlig verkorkste Europapokal-Saison. Nach dem Aus knöpft sich der Trainer seine Mannschaft mit deutlichen Worten vor.

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          Die Zukunft schien rosig. Borussia Dortmund malte sich im vergangenen Sommer die Saison in den schönsten schwarz-gelben Farben aus. Mit dem Sieg im DFB-Pokal hatte es zuvor erstmals seit 2012 wieder einen Titel gegeben. Und der Trainerwechsel vom am Ende unerwünschten Thomas Tuchel zum sympathischen Peter Bosz sorgte ebenfalls für Vorfreude. Der FC Bayern jedenfalls sollte in der Bundesliga nicht mehr so leichtes Spiel haben. Und in der Champions League in einer Gruppe mit Real Madrid, Tottenham Hotspur und dem krassen Außenseiter von Apoel Nikosia rechnete sich der BVB auch einiges aus.

          Europa League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Ein gutes halbes Jahr später ist die Stimmung in Dortmund so schlecht wie seit langem nicht mehr. Genau genommen muss man zurückdenken in die Jahre als Jürgen Klopp seine große Zeit in Westfalen von 2008 an noch vor sich hatte. In der Champions League gelang kein einziger Sieg, noch nicht einmal gegen Nikosia. Im DFB-Pokal scheiterte das Team im Achtelfinale an den Bayern, und in der Bundesliga liegt man 21 Punkte hinter dem Branchenführer. Nach dem blamablen Aus in der Europa League im Achtelfinale beim FC Salzburg an Donnerstagabend ist klar, dass die Borussia in dieser Saison ohne Titel bleiben wird.

          Trainer Peter Stöger, der Nachfolger von Bosz, der im Dezember schon wieder gehen musste, rechnete mit seiner Mannschaft nach dem 0:0 in Salzburg ab. Das torlose Remis bedeutete nach dem 1:2 im eigenen Stadion vor einer Woche das Aus. Statt der angekündigten Aufholjagd im Rückspiel gab es eine erstaunlich schlechte Leistung. „Wer denkt, auf der Wiese geht auch Hacke, Spitze, dann kannst du nicht gewinnen. Wer so behäbig spielt, braucht sich nicht wundern, wenn er keine Chancen hat“, sagte der erboste Dortmunder Coach in für ihn ungewohnt harter Form. „Ein Maß an Überwindung wäre nötig gewesen, aber das haben wir einfach nicht drauf.“

          Vor allem zwei Tore wären nötig gewesen, um überhaupt noch die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale, bei dem als einziger Vertreter aus der Bundesliga nun RB Leipzig im Lostopf an diesem Freitag (13.00 Uhr) liegt, zu haben. Doch der erste ernsthafte Torschuss des BVB wurde in der 51. Minute notiert. Maximilian Philipp versuchte sich aus der Distanz. Danach gab es tatsächlich so etwas wie eine Druckphase, doch auch Marcel Schmelzer (57. und 65.) sowie der ebenfalls eingetauschte 18 Jahr alte Stürmer Alexander Isak (70. und 73.) und nochmal Philipp (72. und 73.) brachten ihre Versuche nicht im Tor der Österreicher unter.

          So blieb es bei einem Sieg in zehn Spielen in dieser Europapokal-Saison – beim glücklichen 3:2 über Atalanta Bergamo in der Runde zuvor im Februar. Immerhin versuchte kein Spieler, die Lage schönzureden. „Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen. Am Anfang steht im Fußball immer der Kampf“, sagte André Schürrle. Und Torwart Roman Bürki, der mit zahlreichen Glanzparaden eine Niederlage verhinderte, kritisierte den fehlenden Kampfgeist: „Das war ein Endspiel. Das wussten wir. Deshalb ist es schwierig und sehr enttäuschend zu sehen, wie wir dann aufgetreten sind.“

          Aufsehenerregend waren zwei Maßnahmen vom frustrierten Dortmunder Trainer in der Halbzeit. Stöger nahm seine Offensivstars Marco Reus und Mario Götze vom Platz. Die Auswechslung von Reus, der vor knapp einer Woche seinen Vertrag bis ins Jahr 2023 verlängert hatte, erklärte der österreichische Coach in seiner Heimat mit „Problemen im Adduktorenbereich“. Bei Weltmeister Götze stellte sich die Lage anders da – und Stöger nahm kein Blatt vor den Mund. „Mit Mario waren wir überhaupt nicht einverstanden, von dem, was wir uns erwarten“, sagte er angefressen an die Adresse Götzes.

          Frust auf der Bank: BVB-Trainer Peter Stöger neben Sportdirektor Michael Zorc Bilderstrecke

          Und der Trainer legte noch allgemeiner nach: „Wenn gar nicht das umgesetzt wird, was wir machen wollten, müssen wir versuchen, anderen Jungs eine Möglichkeit zu geben.“ Konkret habe Götze die Aufgabe gehabt, Bälle in die Tiefe zu spielen und Laufwege hinter die Kette (Abwehrreihe der Salzburger, die Redaktion) zu machen. „Das ist ja tatsächlich überhaupt nicht passiert“, fasste Stöger das enttäuschende Ergebnis seiner Idee zusammen.

          Die Dortmunder Krise verschlechtert nun auch die Position von Stöger für die Verhandlungen über die Fortsetzung der nur bis Sommer fixierten Zusammenarbeit. Die Qualifikation für die Champions League bleibt nun das einzige verbliebene Saisonziel, das unbedingt erreicht werden muss. Doch die Leistung von Salzburg macht wenig Mut. Und das Restprogramm ist schwierig. Stöger hofft, dass sein verunsichertes Team zumindest in der Bundesliga Kurs hält. „Man kann jetzt nicht sagen, dass wir total wegkippen werden. Wir hatten schließlich erst kürzlich ein positives Erlebnis“, sagte er mit Blick auf den 3:2-Sieg über Frankfurt vier Tage zuvor. Am Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Eurosport) gibt es wieder ein Heimspiel: gegen Hannover 96.

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