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Erstes Training unter Guardiola : Dirigent in kurzen Hosen

Da geht´s lang: Pep Guardiola leitet zum ersten Mal seine Bayern auf dem Platz an Bild: REUTERS

Pep Guardiola beginnt das erste Training mit seinen Bayern ganz profan. Das Publikumsinteresse hält sich in Grenzen - zum ersten Mal nach acht Jahren ist die Münchner Arena nicht ausverkauft.

          2 Min.

          Um 17.02 Uhr am Mittwoch hat Pep Guardiola mit dem beginnen können, wozu ein Trainer da ist: trainieren. Unter freundlichem Beifall betrat er in kurzer Trainingshose den Rasen der Münchner Arena - das textile Zeichen, dass der neue Maestro des FC Bayern die Ausführung der Tagesarbeit auf dem Platz nicht an seine mitgebrachten spanischen Gehilfen oder an das Bayern-Urgestein Hermann Gerland delegieren, sondern selber aktiv eingreifen wird in das Einstudieren von Spielmustern und Bewegungsabläufen. Er demonstrierte das in seinem ersten, neunzigminütigen Trainingseinheit bei Positionsübungen als Ballverteiler und Dirigent vor dem Strafraum. Und forderte gestenreich bei den ersten komplizierteren taktischen Tempo-Übungen mehr Wachheit und Konzentration von seinen mitunter noch im Urlaubs-Modus agierenden Profis.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Vieles war neu für den Katalanen, der beim FC Barcelona mit seiner Mannschaft stets ohne Publikum geübt hatte, beim FC Bayern aber die in der Bundesliga übliche Volksnähe bei öffentlichen Trainingseinheiten mitmachen muss. So viel Trubel wie erwartet ist es am Mittwoch dann aber doch nicht geworden. Deutlich weniger als 10.000 Zuschauer kamen in die Münchner Arena, um den neuen Star-Trainer erstmals live zu erleben. Sie hatten dafür ausnahmsweise Eintritt bezahlt, je fünf Euro für Flutopfer. Somit wurde die Mehrzahl der 25.000 angebotenen Tickets nicht verkauft - ein ungewohntes Bild in der Arena, die seit ihrer Eröffnung vor acht Jahren in jedem Bayern-Heimspiel ausverkauft ist.

          Extra kurz gemähter Rasen

          Der Rasen war auf Wunsch des neuen Trainers extra kurz gemäht worden und soll künftig vor jeder Einheit gewässert werden, ein Hinweis auf das schnelle, offensive Pass-Spiel, das dem weltweit erfolgreichsten Trainer der letzten fünf Jahre vorschwebt. „Ich liebe es anzugreifen“, hatte er am Montag angekündigt.

          Am Mittwoch stand Guardiola um Viertel vor Fünf erstmals in der Kabine vor seiner neuen Mannschaft, die er in einer kurzen Ansprache auf Deutsch begrüßte. Für den Trainer begann damit die Zeit, in der er seine Spieler erst „noch kennenlernen muss“, wie er zuvor erklärt hatte. Obwohl Dante, Luiz Gustavo und Xavi Martínez noch beim Confederations Cup in Brasilien im Einsatz sind und andere, wie Arjen Robben oder David Alaba, wegen Länderspielen nach dem Gewinn des „Triple“ noch verlängerten Urlaub machen dürfen, meldeten sich bereits sechzehn Profis zum Trainingsauftakt einsatzbereit.

          Während die Spieler Übungen machen, diskutiert der neue Coach mit seinem Trainerteam Bilderstrecke
          Während die Spieler Übungen machen, diskutiert der neue Coach mit seinem Trainerteam :

          Darunter waren bis auf die verletzten Holger Badstuber und Mario Götze, die in der Kabine und später auf der Tribüne saßen, alle deutschen Nationalspieler, auch der abwanderungswillige Mario Gómez, dessen Berater einen bereits vermeldeten Transfer des Torjägers zum AC Florenz vorerst dementierte. Bastian Schweinsteiger beschränkte sich nach einer Fußoperation noch auf ein leichtes, individuelles Aufbautraining und verfolgte das erste Team-Training von der Bank aus.

          Aufgefüllt mit Juniorenspielern

          Auch der Franzose Franck Ribéry war nach Vertagung seines Prozesses in Paris, wo er der Prostitution mit einer Minderjährigen angeklagt ist, rechtzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt - und schoss unter dem Beifall der Fans den ersten Treffer der Guardiola-Ära, als er den Ball nach einer Pass-Übung ins leere Tor hämmerte.

          Aufgefüllt hatte Guardiola das Team mit einigen Juniorenspielern, die er künftig auf ihre Tauglichkeit für den Profikader begutachten wird. „Wir möchten viele integrieren in das Profitraining“, hatte er angekündigt. „Mir wurde viel Gutes berichtet über den Nachwuchs.“ Aber Talente brauchen Zeit, ebenso wie ein neuer Trainer sie braucht, auch wenn Guardiola schon an seinem ersten Arbeitstag in München am Montag die Ahnung formulierte, dass Zeit für ihn von Beginn an ein knappes Gut sein wird: „Hier ist in den letzten zehn Jahren acht Mal der Trainer gewechselt worden. Hier musst du immer gewinnen“, sagte er. Zum ersten Mal am Samstag, im Spiel gegen den Fanklub Wildenau in der Oberpfalz. Alle 11.000 Tickets sind schon verkauft.

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