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Erste Runde DFB-Pokal : Gute Kontakte zur Pokalfee

  • -Aktualisiert am

Kahn kommt: Vor zwölf Jahren waren die Bayern zu Gast in Schönberg. Diesmal kommt „nur“ der VfL Wolfsburg Bild: Imago Sport

Der FC Schönberg 95 hat in der ersten Runde des DFB-Pokals mal wieder einen Erstligaverein erwischt. Diesmal kommt der VfL Wolfsburg. Der Höhepunkt des Jahres soll sich auch positiv auf den Liga-Alltag auswirken.

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          Irgendwie haben sie fast immer Glück bei der Pokal-Auslosung, und so hat es der FC Schönberg 95 zu einem erstaunlichen Bekanntheitsgrad geschafft. Wer auch immer die Pokalfee war, sie meinte es zwischen 1999 und 2004 gut mit dem Landespokalsieger aus dem kleinen Ort mit seinen 4000 Einwohnern nahe Lübeck. Nacheinander spielten der SV Waldhof Mannheim, der FC Bayern, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Kaiserslautern nahe der ehedem innerdeutschen Grenze, und nun kommt an diesem Samstag der VfL Wolfsburg (20.30 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker). Die Pokaltage waren immer Feiertage für die kleine Gemeinde - unvergessen natürlich das Gastspiel der Bayern vor zwölf Jahren: 16.000 Fans im Jahnstadion, ein Lob vom damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß für die stimmungsvolle Veranstaltung.

          Wolfsburg ist nicht Bayern - zum Glück, findet Ligamanager Wittfot. „Hätten wir Bayern, Dortmund oder Schalke bekommen, hätten wir ins größere Stadion nach Rostock umziehen müssen“, sagt der 37 Jahre alte ehemalige Profi des HSV, der seit langem für den Schönberger Hauptsponsor arbeitet und im Vorstand des Klubs sitzt. Wegen der Sicherheitsvorschriften und der Anforderungen der Fernsehsender muss Schönberg an diesem Samstag gegen Wolfsburg auf die Lübecker Lohmühle ausweichen. Das hat im Ort für Kopfschütteln gesorgt: zwar sind es nur 20 Minuten über die A20 nach Schleswig-Holstein, aber gerade alteingesessene Schönberger hätten den VfL lieber im Jahnstadion empfangen. Allerdings hätten dort Zusatzaufbauten wohl alle Pokaleinnahmen aufgefressen, während man auf der Lohmühle, die ja Zweitliga-Reife besitzt, bei erhofften 4000 Zuschauern wenigstens kein Minusgeschäft macht.

          Junge Kerle in grünen Latzhosen

          So ein Pokalspiel gegen Magaths „Wölfe“ ist beileibe kein Selbstläufer mehr. Zum einen ziehen so richtig nur die Bayern, zum anderen findet das Spiel an einem Wochenende statt, an dem der Mecklenburger nun wirklich die Qual der Wahl hat: Freitagabend Pokalspiel VfB Lübeck gegen Eintracht Braunschweig, Samstag Schönberg gegen Wolfsburg, Sonntag Hansa Rostock gegen den 1. FC Kaiserslautern. Außerdem steigt in Wismar das „Schwedenfest“ mit der DDR-Band „City“ und noch näher an Schönberg, in Rehna, treten die „Puhdys“ auf. „So viel ist bei uns sonst nicht im ganzen Jahr los“, stöhnt der Vereinsvorsitzende Wilfried Rohloff. Immerhin hat er den Vorteil, dass er Werbung in eigener Sache machen kann: Rohloff arbeitet als Sportredakteur eines Ablegers der „Lübecker Nachrichten“ im nahen Grevesmühlen. Eine Hamburger Agentur half, einen witzigen Spot für „Youtube“ zu drehen: Junge Kerle in grünen Latzhosen werkeln an einem Ding herum, nach 45 Sekunden sieht man, dass sie ein Tor vernagelt haben. Es sind die Schönberger Spieler - sie haben nur ein Ziel: „Vier, fünf Gegentore, am besten nicht zu früh. Das wäre schön“, sagt Wittfot.

          In den Liga-Alltag soll der Jahreshöhepunkt schließlich positiv abstrahlen. Der FC Schönberg 95 war nie der beliebteste Klub der Region, denn dank des Hauptsponsors konnte man sich ehemalige Profis und Lübecker Talente leisten. Als Viertliga-Verein mit sattem Etat kratzte man ein paar Mal an der Regionalliga. 2007 fiel der Entschluss, es mit weniger Geld und mit Spielern aus der Region in der Verbandsliga zu versuchen. 120.000 Euro hat Sponsor Uwe Blaumann, Chef eines Büromöbel-Herstellers, immer noch für seinen Herzensklub übrig. Damit gehört der FC Schönberg zu den reichsten Klubs der Liga, und er hat mehr zu bieten als pünktlich überwiesene Honorare: jedes Jahr hält Blaumann Ausbildungsplätze bereit. Wenn dann noch ein gutes Pokal-Los folgt, wird der Verein kurzfristig zur Attraktion: „Wir hatten wieder Anfragen ausländischer Ex-Profi,“, erzählt Liga-Manager Wittfot, „die müssen denken, dass man durch ein Pokalspiel reich wird.“ Fraglich, ob sich die Interessenten auch kommendes Wochenende mit in den Bus gesetzt hätten, wenn der FC Schönberg zum Spiel nach Torgelow an die polnische Grenze reist.

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