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Flick beruft DFB-Kader : Ermutigung zu etwas Neuem

Hat eine klare Zukunftsvision: Bundestrainer Hansi Flick Bild: dpa

Der neue Bundestrainer Hansi Flick präsentiert seinen ersten DFB-Kader und sendet Signale: Kimmich auf die Sechs, Müller als Führungsfigur, Reus kommt zurück. Neu dabei sind drei U21-Europameister.

          2 Min.

          Um einen Tag hatte sich die Premiere ohnehin schon verschoben. Und auch am Freitag ließ die Nachricht aus der Frankfurter DFB-Zentrale ein wenig auf sich warten. Als dann am frühen Nachmittag der Schleier gelüftet wurde, lag das erste schriftliche Zeugnis der Ära Hansi Flick auf dem Tisch, bereit zur Interpretation und Kommentierung.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          „Bundestrainer Flick beruft drei Neulinge und fünf Rückkehrer“ stand nüchtern über der streng nachrichtlich gehaltenen Pressemitteilung, dazu verbreitete der Deutsche Fußball-Bund ein gut sechsminütiges Video, in dem der neue Bundestrainer einen kursorischen Einblick in seine Überlegungen gab. Der Eindruck daraus: Flick muss wirklich viele Gespräche geführt haben, mit Spielern, Vereinstrainern, seinem Trainerteam, dem U-21-Bundestrainer, „Gespräche, die mir viel bedeutet haben“, wie Flick sagte.

          Das Ergebnis ist ein Kader, der gleichermaßen eine Besinnung auf Bewährtes ist wie die Ermutigung zu etwas Neuem – wobei letzteres noch ein bisschen deutlicher sichtbar wurde, als das allgemein erwartet worden war. Bei den drei Neulingen, die dafür vor allem stehen, handelt es sich um David Raum von der TSG Hoffenheim, Nico Schlotterbeck vom SC Freiburg, beide in der Defensive zu Hause, und den Angreifer Karim Adeyemi vom FC Red Bull Salzburg.

          Alle drei hatten Anfang Juni mit der U-21-Auswahl den Europameistertitel erobert, ebenso wie Florian Wirtz (Bayer Leverkusen) und Ridle Baku (VfL Wolfsburg), die zumindest über eine zarte Vorerfahrung beim A-Team verfügen, wenngleich noch ohne (Wirtz) respektive mit nur einem Länderspiel (Baku).

          Wer davon tatsächlich auch zum Einsatz kommen wird in den drei anstehenden WM-Qualifikationsspielen am Donnerstag in St. Gallen gegen Liechtenstein, am Sonntag in Stuttgart gegen Armenien und dann am folgenden Mittwoch in Reykjavik gegen Island, muss sich noch zeigen. Zur Erinnerung: Flicks Amtszeit beginnt nicht nur mit einem Pflichtspiel, der neue Bundestrainer geht bereits mit einer Hypothek an den Start.

          Nach dem blamablen 1:2 gegen Nordmazedonien im März belegt das deutsche Team nach drei Spieltagen nur Platz drei in der Qualifikationsgruppe J hinter Nordmazedonien und Armenien, und da sich nur der Erste direkt für die WM qualifiziert, könnte jeder weitere Ausrutscher höchst unangenehme Folgen haben. Flick dürfte somit zunächst ein wettkampferprobtes Team ins Rennen schicken.

          Reus kehrt zurück, Sané darf sich beweisen

          Bei den acht Bayern, die seinem Kader angehören, weiß Flick jedenfalls, was er an ihnen hat, das gilt für Thomas Müller sowieso, aber offenbar auch für Leroy Sané, von dem der Trainer allerdings hoffen wird, dass er auch das Beste aus der vertrauensbildenden Maßnahme der Nominierung macht. Bei den Rückkehrern handelt es sich neben Baku und Wirtz, die es nicht in Joachim Löws EM-Kader geschafft hatten, um Marco Reus und Mahmoud Dahoud von Borussia Dortmund sowie Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain.

          Vor allem von Reus, der auf die EM-Teilnahme verzichtet hatte, scheint Flick sich dabei noch einmal einiges zu versprechen, ihn hatte er kürzlich bei seiner Antritts-Pressekonferenz schon als „einen der Besten auf dieser Position“ bezeichnet. Keine Berücksichtigung fanden neben Mats Hummels, den Knieprobleme vorerst aus dem Spiel nehmen, dessen BVB-Kollege Emre Can sowie Mario Götze und Julian Draxler.

          Im Video sprach Flick noch über die Breite des Kaders, immerhin 26 Mann stark, und darüber, dass er Spieler wie Schlotterbeck oder Raum unbedingt im Kreis der Mannschaft habe sehen wollen, Strategisches hingegen blieb außen vor. Aber offenbar plant Flick Joshua Kimmich anders als bei der EM wieder als Sechser im zentralen Mittelfeld ein, und hinten soll nach Löws erfolglosem Versuch mit der Dreierkette wieder eine Vierer-Abwehrreihe die erste Wahl sein.

          „So ist im Moment der Plan“, sagte Flick dazu laut Deutscher Presse-Agentur. Sein offizielles Schlusswort war ein Hinweis auf das, was möglich, mehr noch aber darauf, was dafür auch nötig ist: „Wichtig ist, dass die Mannschaft zeigt, welche Qualität sie hat – weil sie hat enorme Qualität.“

          Der deutsche Kader

          Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Bernd Leno (FC Arsenal), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt).

          Abwehr: Ridle Baku (VfL Wolfsburg), Robin Gosens (Atalanta Bergamo), Thilo Kehrer (Paris St. Germain), Lukas Klostermann (RB Leipzig), David Raum (TSG Hoffenheim), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Nico Schlotterbeck (SC Freiburg), Niklas Süle (Bayern München).

          Mittelfeld/Angriff: Karim Adeyemi (Red Bull Salzburg), Mahmoud Dahoud (Borussia Dortmund), Serge Gnabry (Bayern München), Leon Goretzka (Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (FC Chelsea), Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach), Joshua Kimmich (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Jamal Musiala (Bayern München), Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach), Marco Reus (Borussia Dortmund), Leroy Sane (Bayern München), Timo Werner (FC Chelsea), Florian Wirtz (Bayer Leverkusen).

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