https://www.faz.net/-gtl-a5yd5

Erinnerungen an Diego Maradona : Flüchtige Magie

Ein Held aus analogen Tagen: Diego Maradona Bild: AFP

Die großen Augenblicke wurden einst in kindlicher Gewissenhaftigkeit archiviert. Scheinbar einsam, aber doch synchron, weltweit. Nun ist die letzte analoge, globale Sportikone abgetreten. Was bleibt, ist Technik.

          1 Min.

          Maradona ist tot. Maradona lebt. Diego – der digital archivierte Weltstar. All die Pässe, die Dribblings, Tore, Tritte, Tränen: Youtube. Der moderne Trauerreflex, die Dauerschleife, versprochen schon 1986 auf der Werbebande im Estadio Azteca: JVC VH Video. Toni hält den Ball nicht, nein, aber die Zukunft stand neben dem Tor. Sie würde nie wieder gehen.

          Und so war Maradona auch: die letzte analoge, globale Sportikone. Als die Nachricht von seinem Tod am Mittwoch binnen Sekunden die Welt bewegt, greift, zum Beispiel, ein Fotograf in Teheran in die Schublade. Öffnet das Superhelden-Album aus Kindheitstagen, mit den Zeitungsartikeln, den Fotos: Aufstieg und Fall des Diego Armando Maradona, beschrieben auf Farsi, in breiten Überschriften und eng gesetzten Kolumnen, Bildern in Schwarzweiß, ausgeschnitten, eingeklebt und abgeheftet vor Jahrzehnten.

          Die Magie der großen, flüchtigen Augenblicke, einst archiviert am Morgen danach, in kindlicher Gewissenhaftigkeit, vermeintlich einsam, tatsächlich in beruhigender Synchronität: Die Archive der Kinder hielten diese Welt zusammen von einem Ende zum anderen, in Teheran, in Tokio, Buenos Aires und Berlin, West und Ost. Fußball, der größte gemeinsame Nenner. Längst räumt der Platz auf den Servern die Schubladen leer, nicht nur das Album aus Teheran steht nun auf Instagram. Digitalisierte Erinnerung, alles abrufbar, in jeder Sekunde. Aber das ist Technik, keine Magie.

          Weitere Themen

          Nachwuchs für die Königsklasse

          Tischtennis in Bad Homburg : Nachwuchs für die Königsklasse

          Helmut Hampl will Bad Homburg mit einem Leistungszentrum für Tischtennis-Talente ganz nach oben bringen. Dafür muss die Trainer-Koryphäe erst die erforderlichen Strukturen und das passende Umfeld schaffen.

          Topmeldungen

          ZF-Chef im Interview : „Nichts mehr für Verbrenner“

          Die Entwicklung für konventionelle Fahrzeuge hat der Zulieferer ZF Friedrichshafen eingestellt. Warum der Weg zur Mobilitätswende noch steinig wird, erklärt Vorstandschef Wolf-Henning Scheider im Interview mit der F.A.Z.
          Machen sich das Leben auch nicht gerade einfach: Connell (Paul Mescal) und Marianne (Daisy Edgar-Jones) als „Normal People“

          Beziehungskolumne : Warum wir gemein sind, wenn wir lieben

          Woran liegt es, dass man seine Partner oft boshafter behandelt als andere Menschen, die einem viel weniger bedeuten? Eine soziologische Spurensuche in der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.