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Eric Cantona : Die Legende bebt

  • -Aktualisiert am

Ungewöhnlicher Charakter: Eric Cantona Bild: dpa

Es ist Wahlkampf in Frankreich - da kann Wutbürger Eric Cantona nicht schweigen. Einen Tag lang glaubt das Land, der frühere Fußballstar wolle Präsident werden. Doch die Idee entpuppt sich als PR-Coup für eine Hilfsorganisation.

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          Was für ein Coup! Was für eine Schlagzeile! „Eric Cantona - Präsidentschaftskandidat." Der Trick des ehemaligen Fußballstars hat also tatsächlich funktioniert. Wer in Frankreich Präsidentschaftskandidat sein will, braucht die Unterschrift und Patenschaft von mindestens 500 der insgesamt 36.000 Bürgermeister. In der vergangenen Woche ließ Cantona, der 46-jährige, ehemalige Stürmer von Manchester United, in einem Interview den Satz fallen, er sei sich sicher, dies zu erreichen - und schon brach der Mediensturm los.

          Am Abend war das „Enfant Terrible" des französischen Fußballs der neunziger Jahre Gast im Fernsehstudio, und politische Kommentatoren begannen bereits, sich die Köpfe zu zerbrechen und zu spekulieren. Doch offensichtlich hatte niemand den Brief Cantonas an Frankreichs Bürgermeister zu Ende gelesen. Denn in keiner Zeile ist dort von einer Präsidentschaftskandidatur die Rede. Der „engagierte Bürger Cantona" hatte vielmehr mit einem perfekten Kommunikations-Trick die Presse hereingelegt und für eine gute Tat missbraucht. Eric Cantona unterstützt die nach dem verstorbenen französischen Armenpriester benannte Stiftung „Fondation Abbé Pierre". Das Ziel der Einrichtung: Wohnungsnot und Obdachlosigkeit sollen zu einem zentralen Thema im Präsidentschaftswahlkampf gemacht werden. Das scheint Cantona mit seinem Mediencoup gelungen zu sein.

          Scharfschütze: In Manchester ist Cantona eine Legende

          Es ist nicht das erste Mal, dass sich Eric Cantona für diese Stiftung engagiert. Der ehemalige Fußballstar mit einer reichlich ungewöhnlichen zweiten Karriere, in der er schon Model für Männermode, Schauspieler in zehn Filmen und in mehreren Theaterstücken war, hat sich in den vergangenen Jahren auch als Fotograf einen Namen gemacht. Als solcher hatte er vor zwei Jahren zum Thema Obdachlosigkeit einen Fotoband herausgebracht. Aber er hat nicht einfach nur fotografiert, er hat tatsächlich wochenlang mit den Ärmsten der Armen zusammengelebt. „Ich tue, was ich will und wozu ich Lust habe, und lebe mit meinen Widersprüchen", ließ der millionenschwere Cantona mit Domizil im noblen 16. Arrondissement von Paris jüngst verlauten.

          Der Rebell

          Schon als Angreifer von Manchester United war Cantona nicht gerade ein Konformist, sondern eher berüchtigt für seinen Jähzorn, seine Eigenwilligkeit und seine - gelinde gesagt - sperrige Persönlichkeit. Trotzdem ist er dort in den neunziger Jahren zu einer lebenden Legende geworden. Das Publikum und der Verein liegen „King Eric" noch heute zu Füßen. Die Fans haben ihn zu Uniteds Fußballer des Jahrhunderts gewählt - vor den beiden anderen Legenden des Klubs, George Best und Bobby Charlton.

          In französischen Talkshows und Fernsehstudios ist der Wutbürger Cantona mittlerweile ein gerngesehener Gast, weil er immer für eine Überraschung gut ist. Gerne schlüpft er bei diesen Gelegenheiten in die Rolle des Rebellen, der soziale Missstände oder das politische Klima im Land an den Pranger stellt und es dabei krachen lässt, wie einst, als er die Bälle ins gegnerische Netz hämmerte. Manchmal weiß der Zuhörer allerdings nicht so recht, ob nun Größenwahnsinn im Spiel ist oder ob Cantona sich einfach nicht sonderlich ernst nimmt.

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