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Enzo Bearzot ist tot : Größe ohne große Worte

  • Aktualisiert am

Enzo Bearzot ist tot Bild: dapd

„Auf Wiedersehen, alter Mann“, ruft Italien seinem legendären Weltmeister-Trainer nach, „wir werden Deine Weisheit vermissen.“ Am Dienstag ist Enzo Bearzot, den die Fans „Il Vecchio“ nannten, im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

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          In Deutschland nannten sie ihn den „Schweiger aus dem Friaul“; in Italien hieß er in den vergangenen Jahren „Il Vecchio“, „der Alte“. Etikettierungen, die als Respektsbezeugungen für einen der großen Trainer des Weltfußballs verstanden werden durften. Enzo Bearzot repräsentierte Italiens Fußball in einer Zeit, da der Calcio noch nach den Gesetzmäßigkeiten des Catenaccio funktionierte und damit sehr defensiv grundiert war. Doch ein reiner Verteidigungsstratege war der aus dem Ort Aiello im Nordosten Italiens stammende ehemalige Commisario Tecnico der Squadra Azzurra nie.

          Sonst hätte der Trainer, der auf eigene Wortmeldungen zum Thema Fußball oft und gern verzichtete, 1982 mit Italien nicht die Weltmeisterschaft in Spanien gewonnen. 2:1 gegen Argentinien, 3:2 gegen Brasilien, im Endspiel 3:1 gegen Deutschland - die Ergebnisse sprachen für ein gut ausbalanciertes Team, das im Angreifer Paolo Rossi (sechs Tore) auch den besten Schützen dieses nicht eben torreichen Turniers hatte.

          „Wir werden Deine Weisheit vermissen“

          Bearzot lotste Italien zum Titelgewinn in Madrid, nachdem seine Mannschaft das Kunststück fertiggebracht hatte, nicht ein einziges Spiel der Vorrunde gewonnen zu haben. Drei Remis hätten fast schon das Aus für die Spätzünder bedeutet, die nach der ersten Punktrunde um gerade ein Törchen besser dastanden als die punktgleich ausgeschiedenen Kameruner. Doch auf dem Grat zwischen Blamage und Triumph bewegte sich Bearzot meisterhaft. „Er wusste, wie man eine erfolgreiche Gruppe zusammenstellt“, sagte der Römer Bruno Conti, damals Bearzots bester Spieler.

          Rossi, den der väterliche Bearzot stark redete wie kein anderer Trainer nach ihm, wies am Dienstag darauf hin, dass „Enzo Bearzot einer der größten Italiener des zwanzigsten Jahrhundert gewesen“ sei. Er sagte dies an einem Tag der Trauer, als Bearzot den langen Kampf gegen eine schwere Krankheit verloren hatte und im Alter von 83 Jahren gestorben war.

          Elf Jahre (1975 bis 1986) war die Squadra Azzurra seine Mannschaft, die er bei der WM 1978 wie bei der EM 1980 auf Rang vier geführt hatte. „Auf Wiedersehen, alter Mann“, rief die Serie A dem legendären Coach nach, „wir werden Deine Weisheit vermissen.“ Bearzot, der als Spieler nur einmal das Nationaldress trug, ging an dem Tag, da sein Vorbild Vittorio Pozzo vor 42 Jahren gestorben war - der Trainer, der Italiens Fußballruhm mit dem Gewinn der Weltmeisterschaften 1934 und 1938 begründet hatte.

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