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Entsetzen in Südkorea : „Das war wie Krieg“

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Südkoreas Spieler Yong Lee (links) konzentrierte sich in Nordkorea auf sportliche Aussagen. Sein Verbands-Vizechef hielt das nach der Partie ganz anders. Bild: AFP

Es hätte ein historischer Moment sein können. Das Bruderduell zwischen Nord- und Südkorea sorgt jedoch nicht für eine Annäherung der verfeindeten Nationen. Stattdessen gibt es nach dem Fußballspiel schwere Vorwürfe.

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          Das historische koreanische Fußball-Duell in der WM-Qualifikation hat nicht zur Annäherung der beiden verfeindeten Bruderstaaten geführt – ganz im Gegenteil. Die Südkoreaner erhoben nach dem 0:0 in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang schwere Vorwürfe gegen die Gastgeber.

          „Das Spiel war wie Krieg. Ich habe nie zuvor eine solche Aggression erlebt“, sagte der südkoreanische Verbands-Vizepräsident Young-Il Choi, der selbst eine martialische Rhetorik wählte: „Beim nächsten Aufeinandertreffen werden wir sie bestrafen. Wir werden sie bestrafen. Wir haben mehr Talent als sie.“ Der frühere Bundesliga-Profi Heung-Min Son zeigte sich ebenfalls fassungslos und geschockt. „Es gab viele aggressive Momente. Die Nordkoreaner waren extrem angestachelt“, sagte der Stürmer von Tottenham Hotspur: „Ich würde das Ganze am liebsten vergessen.“

          Das Spiel im 50.000 Zuschauer fassenden Kim-Il-Sung-Stadion fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ausländische Medien waren für das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams in Nordkorea nicht zugelassen, südkoreanische Fans durften nicht anreisen. Die Partie wurde nicht im Fernsehen übertragen.

          Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte die Umstände nach dem Spiel gerügt. „Ich hatte ein volles Stadion erwartet, war aber enttäuscht, leere Ränge ohne Fans zu sehen“, sagte der Weltverbands-Boss: „Für uns sind Freiheit der Presse und Freiheit der Rede von höchster Bedeutung. Auf der anderen Seite ist es wohl naiv zu glauben, dass man die Welt von einer Minute auf die andere verändern kann.“

          Die Bruderstaaten befinden sich seit dem Koreakrieg (1950-1953) völkerrechtlich im Kriegszustand und ringen nach wie vor um eine politische Annäherung. Zuletzt belasteten nordkoreanische Waffentests abermals das Verhältnis auf der koreanischen Halbinsel.

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