https://www.faz.net/-gtl-15kez

Englischer Fußball : Spielwiese der Zocker

Der Verkauf von Ronaldo nach Madrid hat etwa 80 Millionen Pfund in Manchesters Kassen gespült Bild: AP

Die Finanzlage der englischen Fußballklubs ist angespannt. Schulden haben im Winter große Transfers verhindert und schränken auch die Trainer ein. Die Spitze des Eisbergs oder der Anfang vom Untergang in der Premier League?

          4 Min.

          In England war der Winter auch im Fußball frostig. In der Transferperiode, die am Montag endete, wurden nur noch 30 Millionen Pfund (35 Millionen Euro) für neue Spieler ausgegeben. Vor einem Jahr waren es 170 Millionen. Bei einigen Klubs hatte sich ohnehin jede Transfertätigkeit verboten. So waren dem klammen Kellerkind Portsmouth von der Premier League Einkäufe untersagt worden. Der Klub hat immer noch nicht alle Verpflichtungen aus früheren Transfers beglichen, bis zurück ins Jahr 2007. Dem Vorletzten, Hull City, wurde von Rechnungsprüfern eine Schuldenreduzierung um 16 Millionen Pfund verordnet.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Ist das nur die Spitze des Eisbergs – oder der Anfang vom Untergang der Titanic? David Sullivan, früherer Eigentümer von Birmingham City, glaubt an den baldigen Kollaps eines Vereins der Premier League. Er hat zwanzig Klubs der ersten und zweiten Liga aus Investoren-Sicht analysiert und ein vernichtendes Urteil gefällt: Die Finanzlage des englischen Fußballs sei „erschreckend“. Reihenweise hätten Klubs künftige Einnahmen aus Fernsehrechten und Dauerkarten beliehen, oft Jahre im Voraus. Allerdings machen die Banken so etwas immer seltener mit.

          Selbst die großen Klubs sind sparsam wie nie. Als einziger der „Big Four“ wurde Manchester United auf dem Wintermarkt aktiv. Der Meister kaufte für 10,7 Millionen Pfund den 20-jährigen Innenverteidiger Chris Smalling vom FC Fulham. Laut Geschäftsführer David Gill kann Trainer Alex Ferguson trotz der Schulden von 716 Millionen Pfund den Ertrag aus dem Weltrekord-Transfer von Cristiano Ronaldo zu Real Madrid (80 Millionen Pfund) in neue Spieler stecken.

          Alex Ferguson will das Geld wegen des „inflationierten Marktes” nicht in neue Spieler stecken

          Ferguson aber sagt, er wolle nicht, wegen des „inflationierten“ Spielermarktes – eine Erklärung, die ihm nicht jeder abnimmt. Zu auffällig ist, dass United, einst ein „big spender“, seit der schuldenfinanzierten Übernahme durch den Amerikaner Malcolm Glazer 2005 deutlich weniger für neue Profis ausgibt als die Konkurrenz – im Jahresdurchschnitt nur rund sechs Millionen Pfund netto (nach Abzug der Erlöse aus Verkäufen).

          Der Schuldenabbau hat Priorität

          Der operative Fußballbetrieb von United ist weiter profitabel (2008 mit einem Plus von 72 Millionen Pfund). Doch der Erlös wird vom Schuldzins gefressen – mehr als 70 Millionen Pfund pro Jahr. Der Klub hat nun eine Anleihe von 504 Millionen Pfund begeben, die die Belastung zwar nicht verringert, aber mehr Flexibilität gibt. Sie ersetzt Bankendarlehen, die bisher erstrangig bedient werden mussten. So können künftige Überschüsse (oder die Erträge einer weiteren Anleihe) nun in die Tilgung der besonders teuren Schulden bei Hedge-Fonds gesteckt werden (14,25 Prozent pro Jahr). Als die Details der gewaltigen Verschuldung bekannt wurden, protestierten viele Fans. Sie wurden durch die feindliche Übernahme besonders geschröpft: Die Ticket-Preise stiegen seit 2005 um über 70 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neue Abstandsregel : Der harte Kampf um jedes Windrad

          Der Protest der Deutschen gegen Windräder wächst, und der Ausbau ist beinahe zum Erliegen gekommen. Kann der Mindestabstand von 1000 Metern für mehr Frieden sorgen – oder wird nun alles noch schwieriger?
          Wer wird Parteivorsitzender? Klara Geywitz, Olaf Scholz, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans vergangene Woche in Berlin

          Wahl der Parteivorsitzenden : Finale bei der SPD

          Jetzt geht es um Alles bei der SPD: Ab diesem Dienstag können die gut 420.000 Parteimitglieder über die neue Parteispitze abstimmen. An der ersten Runde hatten nur gut 50 Prozent teilgenommen.
          Münchener Flughafen: viel los, aber nicht immer optimal organisiert – so findet es zumindest der Luftfahrtverband Iata.

          Luftverkehr : Internationale Fluglinien greifen deutschen Staat an

          Deutsche Flughäfen sind für Fluglinien teuer. Der internationale Luftfahrtverband Iata erklärt das mit der schlechten Planung. Die Flughäfen müssten weg kommen von der Struktur von Regionalflughäfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.