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Englischer Fußball : Die „Blues“ unterliegen den „Reds“

Völlig wirkungslos: Nicolas Anelka Bild: REUTERS

Im Top-Spiel gegen den FC Liverpool hat der FC Chelsea die erste Heimniederlage seit viereinhalb Jahren kassiert und die Tabellenspitze der englischen Fußball-Premier-League an den direkten Gegner verloren.

          2 Min.

          Es war eine einmalige Serie von 86 Heimspielen. Sie hatte am 21. Februar 2004 begonnen nach einer 1:2-Niederlage gegen Arsenal; sie ist am 26. Oktober 2008 mit einem 0:1 gegen den FC Liverpool zu Ende gegangen. Mehr als vier Jahre und acht Monate lang, mit 62 Siegen und 24 Unentschieden, hatte der FC Chelsea in der Premier League nicht mehr an der Stamford Bridge verloren.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Am Sonntag aber reichte Liverpool ein abgefälschter Schuss von Xabi Alonso und eine kompakte, konzentrierte Abwehrleistung, um das heimstärkste Team Europas in dessen Revier zu besiegen. Damit übernahm Liverpool, seit 16 Spielen ungeschlagen, die alleinige Führung der Tabelle, drei Punkte vor Chelsea und bereits acht vor Titelverteidiger Manchester United. (Siehe: Ergebnisse und Tabelle: Englischer Fußball).

          Die offensive Phantasie fehlte

          Es war eine hoch intensive Partie, in der Liverpool dem Heimteam zwar 63 Prozent Ballbesitz überließ, doch Chelsea konnte damit nicht viel anfangen. Ohne Torjäger Didier Drogba, ohne die ebenfalls verletzten torgefährlichen Mittelfeldspieler Michael Ballack, Joe Cole und Michael Essien fehlte dem Team des neuen Trainers Luis Felipe Scolari jegliche offensive Phantasie.

          Erste Heimniederlage seit Februar 2004: Ashley Cole fassungslos
          Erste Heimniederlage seit Februar 2004: Ashley Cole fassungslos : Bild: AFP

          Bereits nach neun Minuten bekam Liverpool das Spiel in den Griff und gab es nicht mehr her. Xabi Alonsos eher harmloser Linksschuss aus 18 Metern wurde von Verteidiger Bosingwa unhaltbar für Petr Cech zum 0:1 abgefälscht. Der Spanier kam auch einem zweiten Tor dieser Partie am nächsten, sein Freistoß in der 62. Minute landete am Pfosten. Chelsea bemühte sich um Druck, blieb aber ohne zwingende Torgelegenheiten. Die beste hatte noch der Verteidiger Ashley Cole in der 73. Minute, doch der Ball rutschte ihm beim Versuch einer Direktabnahme über den linken Fuß.

          Kalou und Anelka blieben völlig wirkungslos

          Unter dem Brasilianer Scolari hatte Chelsea in den Spielen zuvor guten, offensiven Fußball gezeigt, er war für den „Guardian“ sogar „der Mann, der Chelsea populär gemacht hat“. Das dicht besetzte Mittelfeld ist mit Deco noch stärker geworden, doch herrscht Stürmermangel, nachdem Scolaris Wunschspieler Robinho in den letzten Stunden des Sommer-Transfermarktes von Manchester City weggeschnappt wurde. Die einzigen echten Stürmer, die er gegen Liverpool hatte, waren Kalou und Anelka, beide völlig wirkungslos. Als offensive Einwechslungen blieben Scolari nur die beiden 19-jährigen Franco di Santo und Scott Sinclair, die Liverpools Abwehr nie in Verlegenheit bringen konnten.

          Es herrscht ein seltsames Ungleichgewicht im wohl teuersten Profikader der Welt, und es ist sogar unklar, ob Chelsea es im Januar, in der nächsten Transferperiode, die Probleme im Angriff beheben kann. Manager Peter Kenyon, der ein Kostensenkungsprogramm starten musste, hat angekündigt, dass im Januar „auf keinen Fall“ eingekauft werden könne. Denn den Klubbesitzer Roman Abramowitsch hat die Weltfinanzkrise, zumindest rechnerisch, noch viel mehr gekostet, als er bisher in sein Hobby Chelsea gesteckt hat. Um über sechs Milliarden Euro ist allein der Börsenwert von Abramowitschs Anteil am russischen Stahlkonzern Evraz in den letzten sechs Monaten geschrumpft.

          In der Krise der Neureichen steigt der Wert des Klassikers

          Liverpool, der Klassiker des englischen Fußballs, steht dagegen in der Krise der Neureichen plötzlich als der neue große Titelfavorit da. Seit dem letzten Titelgewinn 1990 warten die Fans des wahrscheinlich populärsten Fußballklubs der Insel auf eine neue Meisterschaft, und nie standen die Zeichen so günstig wie im 19. Anlauf auf den 19. Titel.

          „Wir haben neue Spieler, eine gute Mentalität und eine Menge Selbstvertrauen“, sagte Trainer Rafael Benitez, für den es der erste Auswärtssieg bei einem der anderen „Big Four“ der Premier League war, seit er 2004 nach Liverpool kam. Und dabei musste sein Team wegen Verletzung ohne den wohl weltbesten Stürmer Fernando Torres auskommen. „Wir werden jedes Jahr besser“, sagt Benitez. Und die Fans der „Reds“ fragen: Sind sie nun gut genug?

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