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Englische Premier League : Tyrannosaurus Alex

Ich sage nichts: Sir Alex Ferguson Bild: dpa/dpaweb

Sir Alex Ferguson, Trainer von Manchester United, ist der grimmige Tausendsassa von Old Trafford. Regelmäßig zeigt er die Zähne. Nun brach er mit einer britischen Institution: der BBC.

          3 Min.

          Hallo Sir Alex, wie wär's mit einem Interview? Kein Problem, junger Freund, was wollen Sie wissen? So beginnen Fußballmärchen. Alex Ferguson hat in der Champions League gegen Olympique Lyon eine erstaunliche Marke erreicht: das tausendste Spiel als Trainer desselben Profiklubs. Da könnte man Altersmilde vermuten. Doch im Gegenteil: Ein freundliches Geplänkel wie im fiktiven Eingangsdialog mit dem Trainer von Manchester United bleibt auch nach tausend Spielen ein Märchen aus tausendundeiner Nacht.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Seit es beim englischen Erfolgsklub nicht mehr so rund läuft, sieht mancher im Alten von Old Trafford einen Dinosaurier, der den Zug der Evolution verpaßt hat. Aber nicht irgendein Dino: Ferguson, das ist der Tyrannosaurus des Fußballs. Und der zeigt wieder Zähne. Erst erklärte er seine Ablehnung der Klubübernahmepläne des amerikanischen Millardärs Malcolm Glazer. Nun brach er mit einer britischen Institution: der BBC.

          Schon seit Saisonbeginn verweigert er dem TV-Sender jede Kooperation - wegen einer BBC-Dokumentation im Mai, in der United-Transfergeschäfte beleuchtet wurden, an denen Fergusons Sohn Jason üppig verdiente. Der Film traf Ferguson in einer heiklen Situation. Er hatte es sich im Streit um Deckprämien des Galoppers Rock of Gibraltar mit den irischen Milliardären Magnier und McManus verdorben, und die ließen als Klubmiteigner die Transfers des Schotten untersuchen. Nach der Ausstrahlung erklärte United die Kooperation mit der Firma von Ferguson junior für beendet - eine Niederlage, die Ferguson senior nicht vergißt.

          Verachtung für die Medien

          Obwohl Erstliga-Fußball in England diese Saison ins öffentlich-rechtliche Programm zurückgekehrt ist, zeigt Ferguson der BBC die kalte Schulter. Wie der "Guardian" meldet, hat er seine BBC-Boykottstrafe nun sogar auf "lebenslänglich" erhöht - wobei er mit seinem rigorosen Talent, nachtragend zu sein, an Helmut Kohl erinnert, der einst dem "Spiegel" auf ewig jegliche Kooperation kündigte. Wie der Altkanzler, so trägt auch der Alttrainer eine Verachtung für die Medien zur Schau, wie sich das sonst keiner traut. Er kommt als einziger nicht zu den Pressekonferenzen nach den englischen Ligaspielen.

          Selbst der Privatsender Sky Sports, der bis zur letzten Saison Milliarden für die Senderechte der Premier League bezahlte, kam nicht immer auf seine Kosten. Nachdem ihn ein Reporter mit dem Versuch eines Interviews zum Weggang von David Beckham überrascht hatte, sprach Ferguson kein Wort mehr mit dem Sender - begnadigte ihn aber nach drei Wochen. Wenn er wirklich etwas sagen will, tut er das im klubeigenen Fernsehen MUTV, von dem er keine Widerworte zu erwarten hat.

          Dabei muß man gar nicht so hartnäckig sein wie einst BBC-Reporter Jeremy Paxman, der einem ausweichenden Politiker vierzehn Mal dieselbe Frage stellte. Bei Ferguson reicht manchmal eine einzige Frage, um jene typische Reaktion zu erleben, die seine Spieler als "Haartrockner" bezeichnen (weil man den Boss dabei nicht nur besonders gut hören, sondern sich auch noch den Fön sparen kann). 1995 war United-Kapitän Roy Keane zum dritten Mal binnen 14 Spielen vom Platz geflogen. BBC-Reporter John Motson fragte Ferguson, ob er gegen die Disziplinlosigkeit nicht etwas unternehmen müsse. Daraufhin stoppte Ferguson das Interview mit einer Tirade, in der das Schimpfwort "fucking" sechsmal auftauchte, und drohte Motson mit Hausverbot, sollte er es senden.

          Die BBC tat es erst sieben Jahre später in der Dokumentation "The Ferguson Factor". Darin wird auch ein Urteil von 1978 zitiert, mit dem ein schottisches Arbeitsgericht das Recht des FC St. Mirren bestätigte, einen Trainer wegen "seiner arroganten, anmaßenden Art" zu entlassen. Das Gericht fand beim Gefeuerten "weder durch Erfahrung noch Talent irgendwelche Trainerfähigkeiten". Allerdings hielt sich der gerichtlich für unfähig Erklärte danach nicht immer an das Urteil.

          Als bisher Letzter brach er die Dominanz der "Old Firm", der beiden Glasgower Klubs, wurde mit dem FC Aberdeen schottischer Meister, Europacupgewinner der Pokalsieger und mit 15 Titeln in 18 Jahren in Manchester (acht Meistertitel, fünf Pokalsiege, Champions League 1999, Cupsieger-Europacup 1991) erfolgreichster Klubtrainer der Welt. Heute feiert Englands Fußball seinen grimmigen Tausendsassa. Die Queen macht keine Anstalten abzutreten; schon gar nicht der, denn sie vom Fußballvolk zum Adel erhob. Happy Jubilee, Sir Alex. Und noch viele schöne Interviews.

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