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Englische Premier League : Arsenal kann kommen - Glazer bitte nicht!

Millionen für Manchester: Investor Malcolm Glazer Bild: EPA

Vor dem Spitzenspiel kämpft Manchester United gegen die Übernahme durch den amerikanischen Multimillionär Malcolm Glazer. Für Sonntag ist die nächste Abwehraktion geplant: ein "Anti-Glazer-Marsch" vor dem Spiel gegen Arsenal und dann im Stadion 60000 Schilder mit der Aufschrift "Stop Glazer".

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          Stürmische Zeiten für die Verteidigung von Manchester United. Es wartet eine gewaltige Doppelaufgabe: die beiden gefährlichsten Angreifer der Fußballwelt. Diesen Sonntag kommt Meister Arsenal nach Old Trafford: mit Thierry Henry, 38 Tore in den letzten 46 Ligaspielen, Nummer eins unter Europas Torjägern. Und vor der Tür steht Malcolm Glazer, 725 Millionen Dollar, Nummer 278 unter Amerikas Reichsten. Gegenüber Henry steht es noch 0:0. Gegenüber Glazer lautet der Zwischenstand 2:3.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          3:2 für den Angreifer

          Als das Gerücht sich verdichtete, Glazer wolle den reichsten Fußballklub der Welt übernehmen, war der Schock groß in Old Trafford: 1:0 für den Angreifer. Das 1:1 mußte er hinnehmen, als die irischen Großaktionäre McManus und Magnier es ablehnten, ihm ihre Anteile von 28,9 Prozent zu verkaufen. Also griff Glazer an der Börse zu, kaufte binnen einer Woche fast ein Zehntel der freien Aktien und erhöhte seinen Anteil auf inzwischen 28,1 Prozent, nur noch 1,9 Prozent unter der Schwelle, an der die Börsenregeln ein offizielles Übernahmeangebot vorschreiben - 2:1. Inzwischen verstärkten Fan-Verbände die United-Abwehr: Mit Hilfe des Finanzmaklers und United-Anhängers Keith Harris wollen sie mit 200 Millionen Pfund von der japanischen Bank Nomura Klub-Anteile kaufen und eine Veto-Macht gegen die Übernahme schaffen - 2:2. Doch Glazer, der seine Millionen unter anderem mit dem Kauf der von George Bush senior gegründeten, fast bankrotten Ölfirma Zapata machte, ließ hören, das schrecke ihn nicht weiter: Nomura verlangt als Sicherheit fürs Darlehen die Abtretung künftiger Klub-Einnahmen aus Tickets und TV-Rechten, eine Zusage, die eine 75prozentige Mehrheit der Anteilseigner erfordert - die also Glazer mit seinen 28,1 Prozent verhindern kann. 3:2 für den Angreifer.

          „Konkurrenzlos auf dem Transfermarkt“

          Vor fünf Jahren wollte der australische Medienmilliardär Murdoch United kaufen. Die Klubführung war dafür, die Fan-Basis entsetzt, erst die Regierung verhinderte die Übernahme. Auch diesmal verstehen die Fans, die oft auch Aktionär sind, "ihren" Klub als etwas Unverkäufliches. So bemüht sich Glazer, Widerstände abzubauen. Die "Manchester Evening News" zitieren einen Vertrauten Glazers mit der Ankündigung, der Amerikaner wolle den Klub "konkurrenzlos auf dem Welt-Transfermarkt" machen, indem die "nötigen Mittel für die besten Spieler der Welt immer verfügbar" seien - so wie Glazer das American-Football-Team der Tampa Bay Buccaneers "in acht Jahren vom Nullpunkt zum Super-Bowl-Gewinn" gebracht habe.

          „Vergeßt Glazer!“

          Der Vergleich hinkt natürlich. Erstens ist United nicht am Nullpunkt, sondern das lukrativste Fußballunternehmen der Welt. Zweitens muß Trainer Alex Ferguson bisher auch nicht betteln, um üppige Transfersummen ausgeben zu können: Seit dem historischen "Treble" aus Meisterschaft, Pokal und Champions League 1999 durfte er für fast 300 Millionen Euro einkaufen, zuletzt die beiden aufregendsten Fußball-Teenager, Cristiano Ronaldo und Wayne Rooney. Und drittens dürfte Glazer, anders als der russische Milliardär Abramowitsch bei Chelsea, kein Vermögen in den Klub einbringen. Im Gegenteil: Um die anderen Anteilseigner auszuzahlen und seine Offerte von weit über einer Milliarde Euro zu finanzieren, wird er, so die Erwartung, das Vermögen des bislang schuldenfreien Klubs beleihen müssen.
          Nicht finanziell, nur spielerisch ist Manchester zurückgefallen. Vor allem Arsenal, seit 49 Spielen in der Premier League ungeschlagen, scheint weit entrückt. Deshalb gilt das in 186 Länder übertragene Gigantenduell der populärsten Liga der Welt diesen Sonntag als wegweisend für United: eine Niederlage, damit 14 Punkte Rückstand, das ließe die Lebensgeister schwinden - vielleicht auch die Abwehrkräfte gegenüber dem Angreifer aus Amerika. "Vergeßt den gierigen Malcolm Glazer", empfiehlt der "Daily Telegraph": "Die wirkliche Übernahmegefahr kommt von den Athleten und Artisten von Arsenal."

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