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England-Kenner Tomas Oral : „Klopp darf sich auf keinen Fall verstellen“

  • -Aktualisiert am

Rot ist seine neue Liebe: Jürgen Klopp ist jetzt beim FC Liverpool. Bild: Reuters

Jürgen Klopp gibt seinen Einstand auf der Trainerbank des FC Liverpool. Vorab sprach England-Kenner Tomas Oral im FAZ.NET-Interview über Anzugträger, englische Emotionen und all das, was Klopp neben freien Sonntagen auf der Insel sonst noch an Neuem erwartet.

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          Der Hype um Jürgen Klopps Engagement beim FC Liverpool hatte schon vor dem ersten Training ein wohl nie zuvor gesehenes Ausmaß angenommen. Nun gibt Klopp am Samstag (13.45 Uhr) im Spiel gegen Tottenham Hotspur seinen Pflichtspiel-Einstand. Vorab sprach England-Kenner Tomas Oral im FAZ.NET-Interview über englische Emotionen, Fehler, die Klopp vermeiden sollte, Anzugpflicht und all das, was ihn auf der Insel sonst noch an Neuem erwartet.

          Herr Oral, 2014 waren Sie Assistenztrainer von Felix Magath in der Premier League beim späteren Absteiger FC Fulham. Nun gewann Jürgen Klopp als neuer Trainer in Liverpool die Herzen der Fans im Sturm. Könnte er Engländer sein?

          Seine Zusammenarbeit mit Liverpool passt wie die Faust aufs Auge. Aber Jürgen Klopp ist als Trainer ein ganz anderer Typ. Seine britischen Kollegen sind schon etwas anders.

          Worin unterscheiden sie sich?

          Der eine oder andere Trainer ist älter und kommt aus einer anderen Generation. Fast alle tragen einen Anzug bei den Spielen. Sie sind sehr ruhig. Das Trainerdasein entspricht ja mehr einem Managerposten.

          FSV Frankfurt-Trainer Tomas Oral kennt sich im englischen Fußballgeschäft bestens aus.

          Kann Klopp der beliebteste Trainer in England werden?

          Er ist es ja schon. Kein Trainer ist begeisterter empfangen worden. Er ist ein Gesicht. Das Kommen von Klopp, glaube ich, übertrifft das von Pep Guardiola 2013 bei Bayern München.

           Ist es typisch für die Engländer, wie sie auf Klopp reagiert haben?

          Es ist schon eine außergewöhnliche Situation, dass im Prinzip die gesamte Anhängerschaft hinter seiner Verpflichtung steht. Und die Topklubs sind ja nicht dafür bekannt, dass sie ihre Trainer so schnell opfern.

          Wie wird Klopp zurechtkommen?

          Sehr gut. Mit seinen Erfolgen in Dortmund konnte er auf höchster Ebene unheimlich viel Erfahrung sammeln. Dadurch wird ihm die Integration leichter fallen. Außerdem spricht er recht gut Englisch. Er kann die Leute mitnehmen. Klopp hat einen brutalen Hype ausgelöst. Die Situation ist optimal für ihn. Es ist noch früh in der Saison. Der Verein hat viel investiert, hinkt aber ein bisschen den Erwartungen hinterher.

          Was wird neu für Klopp sein?

          Es gibt viele englische Wochen. Wenn am Samstag ein Spiel war und Jürgen dann am Sonntag trainieren lässt, wird das für die Mannschaft ungewohnt sein. In der Regel ist sonntags frei. Und für viele Spieler wird zweimal Training am Tag neu sein. Es gibt schon eine eigene Kultur. Darauf wird er eingehen müssen.

          Was kennt Jürgen Klopp außerdem nicht?

          Vor dem Spiel gehen der Cheftrainer oder sein Assistent in die Kabine des Schiedsrichters. Dort gibt es einen Austausch mit dem Gegner. Die Kapitäne sind auch anwesend.

          Welche Fehler darf Jürgen Klopp nicht machen?

          Er muss auf nichts aufpassen. Wenn er sich so gibt, wie er ist, passt alles. Er darf sich auf gar keinen Fall verstellen.

          The „Normal One“ ist laut Tomas Oral schon jetzt Englands beliebtester Coach.

          Wie geht die Liga mit der Klopp-Mania um?

          In England herrscht eine tolle Fankultur. Sein Kommen wird absolut positiv aufgenommen. Es ist die Liga mit der höchsten Emotionalität und Identifikation der Fans zu ihren Mannschaften. Die Gegner wissen, dass sich Liverpool nun mit neuen Ideen präsentieren wird. Sie werden gewarnt und noch konzentrierter sein.

          Wie äußert sich diese Emotionalität?

          Ich habe in vielen Stadien erleben dürfen, dass die Fans von der ersten bis zur letzten Minute ihre Spieler feiern - egal, wie das Ergebnis ist. Selbst im Abstiegskampf haben sie ihre Helden hochleben lassen. Die positive Stimmung in den Stadien ist Wahnsinn.

          Wie ist das Standing deutscher Trainer?

          Es ist recht gut. Aber viele deutsche Trainer haben noch nicht in England gearbeitet. Wenn Jürgen Klopp eine Duftmarke hinterlässt, wird sich für deutsche Trainer eine Tür öffnen.

          Sie sagen voller Anerkennung, dass Klopp „speziell“ sei. Aber bei seiner Präsentation meinte Klopp, dass er „the normal one“ sei. Hat er geflunkert?

          Er hat den Nagel direkt auf den Kopf getroffen. Mit diesem Satz brachte er die Leute auf seine Seite.

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