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England : Die arabische Fußballoffensive

Willkommen in der vierten Liga: Sven-Göran Eriksson ist neuer Sportdirektor bei Notts County Bild: dpa

Im englischen Fußball werden die neuen Besitzverhältnisse vor allem durch das Geld vom Golf bestimmt. Zuletzt kauften die Scheichs den ältesten Klub der Welt. Und dort hat auch Sven-Göran Eriksson einen neuen Job gefunden.

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          Im Rückblick lag der Reporter des englischen Boulevardblattes „News of the World“ gar nicht mal so falsch. Als Scheich verkleidet traf sich dieser vor dreieinhalb Jahren in Dubai mit Sven-Göran Eriksson und entlockte ihm einige vertrauliche Äußerungen, die eine bitterböse Affäre auslösten. Im Glauben, einen potenten Geschäftsmann vom Golf vor sich zu haben, prahlte der damalige Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft mit seinen Kontakten und vertraute dem falschen Araber seinen Wechsel zu einem kleineren Klub in der Premier League an. Würde sein Gegenüber diesen Verein kaufen, versprach Eriksson, könnte er Beckham als Kapitän für die neue Mannschaft gewinnen und für den großen sportlichen Aufschwung sorgen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die peinliche, mit versteckter Kamera aufgezeichnete Klamotte von damals, in deren Zuge der Schwede seinen England-Job einige Monate später aufgab, erscheint heute wie eine recht realitätsnahe Prophezeiung: Vergangene Woche vermeldete der englische Viertligaklub Notts County die Verpflichtung von Eriksson als Sportdirektor - zuvor hatte ein Konsortium mit Sitz in den Emiraten den traditionsreichen, aber erfolglosen Fußballklub aus Nottingham übernommen. Und nicht nur das: Während sich fast die Hälfte der Vereine in der Premier League in ausländischer Hand befindet, werden die neuen Besitzverhältnisse derzeit vor allem durch das Geld vom Golf bestimmt. Nach dem Kauf von Manchester City durch eine Investmentgesellschaft der Herrscherfamilie Abu Dhabis hat seit kurzem auch der FC Portsmouth einen Eigner aus den Emiraten.

          „Sie setzen sich dann auf die Tribüne und winken ihrem Klan zu“

          Wohl hat die Wirtschaftskrise die arabische Fußballoffensive erst richtig ins Rollen gebracht. Die Superreichen aus dem Nahen Osten sind jedenfalls derzeit investitionsfreudiger als all die anderen, die in den vergangenen Jahren den Ton angaben. Das ist ja auch in der Automobilbranche zu beobachten mit neuen Beteiligungen an Daimler und wohl auch Porsche.

          Sport ist en vogue - und im Scheinwerferlicht des Fußballs und seiner Stars lässt sich das eigene Ego gut ausleben. Die englische Premier League verspricht dabei eine hohe Aufmerksamkeit rund um den Globus. Nebenbei wackelt der eine oder andere Klubbesitzer in diesen schwierigen Zeiten und muss verkaufen, was die Einstiegsmöglichkeiten erheblich verbessert. Ein Vermarkter sagt es überspitzt: „Die Scheichs sind gerade ganz heiß darauf, sich in den Fußball einzukaufen. Sie setzen sich dann auf die Tribüne und winken jedes Wochenende ihrem Klan in der Wüste ganz stolz über das Fernsehen zu.“ Die Rendite wird eher am Popularitätszuwachs des Besitzers und dem Unterhaltungsfaktor als an Pfundgewinnen bemessen. Gerade kursieren Gerüchte, der FC Everton könnte als Nächstes in arabische Hände fallen, in den Monaten zuvor war der hochverschuldete FC Liverpool mit diversen Herrscherhäusern am Golf in Verbindung gebracht worden.

          Reine Spekulation? Diego Maradona kommt nach Portsmouth

          Nichts scheint derzeit unmöglich zu sein. Vor allem wenn der Name Sulaiman Al Fahim auftaucht, könnte die nächste Übernahme bevorstehen. Der 32 Jahre alte Geschäftsmann aus den Emiraten war an den letzten großen Deals in der Premier League maßgeblich beteiligt und ist für sein großspuriges Auftreten bekannt. Für Abu Dhabi wickelte er den Kauf von Manchester City ab, wurde dort aber inzwischen herausgedrängt, nachdem er Woche für Woche in den Medien ankündigte, den Verein mit allen Mitteln zum besten und teuersten der Welt machen zu wollen. So kaufte sich der Glamour-Scheich nun mit dem FC Portsmouth einfach einen eigenen Klub und spekulierte dieser Tage gewohnt hemdsärmelig mit der Verpflichtung von Diego Maradona.

          Am Standort Nottingham soll der 61 Jahre alte Eriksson das Gesicht für eine glorreiche Zukunft sein. Mit dem großen Spektakel müssen sich die neuen, bestimmt ebenso ambitionierten Besitzer vom Golf aus der Öl- und Immobilienbranche aber noch gedulden. Noch kreuchen sie in den Niederungen des englischen Fußballs. Trotzdem ist ihnen ein Superlativ schon sicher: Notts County ist der älteste Fußballklub der Welt. Darauf lässt sich aufbauen.

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