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Cottbus gegen den FC Bayern : Wenn man nicht mehr träumen darf

Bundesliga-Tippspiel 2019/2020
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Wenige Wochen vor dem Erfolg gegen die Bayern war Bundeskanzlerin Angela Merkel Ehrenmitglied bei Energie geworden. Damals hatte der Cottbuser Kader einen Marktwert von rund 30 Millionen Euro, der vom FC Bayern lag bei 255 Millionen Euro. Das war schon gut das Achtfache. Aktuell sind die Spielerwerte von Cottbus nach dem Abstieg in die vierte Liga auf 1,85 Millionen Euro geschrumpft. Der Münchner Kader hat sich auf rund 760 Millionen Euro hochgeschraubt, mit Leroy Sané läge er vermutlich nochmals gut 100 Millionen höher. Aber auch ohne den verletzten Stürmer von Manchester City liegt das über dem Vierhundertfachen der Cottbuser Verhältnisse. Wer da noch auf eine Pokalsensation seiner Mannschaft hofft, dem ist laut Wollitz nicht mehr zu helfen. Vor knapp zwei Wochen hat seine Mannschaft 2:5 gegen Hertha BSC verloren, allerdings gegen deren zweite Mannschaft in der Regionalliga Nordost. Nach drei Spieltagen steht Energie dort auf Rang fünf, man hat es im Nordosten mit Mannschaften wie Altglienicke, Lichtenberg oder Auerbach zu tun.

Das „Spiel des Jahrzehnts“ – auch für die Vereinskasse

Nach dem bitteren Abstieg in diesem Jahr aus der Dritten Liga – ein einziges Tor fehlte zur Rettung – hat Energie Cottbus eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen müssen. 21 Spieler haben den Verein verlassen, nur fünf sind geblieben. Die neuen Kräfte kamen entweder aus der Regionalliga oder aus noch tieferen Klassen. Nun könnte plötzlich aber wieder Geld da sein, um in den Wiederaufstieg zu investieren – wegen des Wechsels von Maximilian Philipp für 20 Millionen Euro von Dortmund nach Moskau steht dem Klub für Philipp, der als Siebzehnjähriger nach Cottbus kam und eineinhalb Jahre blieb, eine Ausbildungsvergütung von gut 150.000 Euro zu. Summen, die an längst vergangene Zeiten erinnern.

Die Begeisterung rund um das Duell gegen die Bayern ist trotz des sportlichen Verfalls und wirtschaftlichen Niedergangs in der Lausitz enorm – oder gerade deswegen. Das Stadion war in Rekordzeit ausverkauft und ein so großes Medienaufkommen hat der Klub seit Bundesligazeiten kaum mehr erlebt. Das Spiel wird gleichzeitig live in der ARD und bei Sky übertragen. Der Klub vermarktet es als „Spiel des Jahrzehnts“. Auch dank des großen Pokal-Loses konnte Energie seinen Dauerkartenverkauf auf dem Niveau des Vorjahres in der dritten Liga halten, gut 2500 Dauerkarten wurden verkauft, außergewöhnlich viel für die Regionalliga. Das liegt aber auch daran, dass Dauerkarteninhaber ein Vorkaufsrecht für das Pokalspiel gegen den Rekordmeister erwarben – und das wollten sich viele auf keinen Fall entgehen lassen. Energie Cottbus hätte rund 50.000 Tickets verkaufen können, aber nur gut 20.000 Zuschauer passen ins Stadion. Es werden gut 300.000 Euro nach Abzug aller Kosten übrig bleiben, aber die Einnahmen muss sich der Gastgeber im Pokal mit dem Gegner teilen. Zusätzlich bringt die Fernsehvermarktung nochmals 150.000 Euro in die Kassen, aber das sind Einnahmen, die an alle Klubs ausgeschüttet werden, unabhängig von der Anziehungskraft ihrer jeweiligen Gegner.

Trotzdem ist es für Energie Cottbus bei einem Etat, der bei gut zwei Millionen Euro liegen soll, das lukrativste Spiel seit Jahren. Es ist so etwas wie ein finanzielles Glückslos. Etwas Besseres kann Energie Cottbus nach all den Jahren auf dem Weg nach unten jedenfalls kaum passieren – abgesehen von einem Sieg über den FC Bayern.

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