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Endspiel-Tickets : Ein ganz teures Vergnügen

Begehrte Papierschnipsel: Es gibt noch immer Karten für Wembley Bild: dpa

Es gibt noch Endspielkarten! Aber sie sind teuer. 1000 Euro sind nichts, wenn jemand noch das Finale der Champions League im Stadion miterleben will.

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          Die gute Nachricht: Man kann sich wohl auch noch an diesem Freitag Eintrittskarten fürs Endspiel der Champions League zwischen Dortmund und Bayern sichern. Die schlechte: Das Vergnügen am Samstag wird für Kurzentschlossene eine kostspielige Angelegenheit. Bei Viagogo, der führenden, aber umstrittenen Ticketbörse, kostete die günstigste Karte am Freitagnachmittag beispielsweise 1350 Euro (Stand 17 Uhr) , natürlich in der schlechtesten Kategorie 4, fern des Spielfelds, weit oben unter der modernen Dachkonstruktion des 86 000 Zuschauer fassenden neuen Wembley-Stadions. Das Problem der Anreise und der Unterkunft ist dabei freilich noch nicht gelöst.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber am Samstagabend gilt vermutlich für eine ausreichend große Zahl an fußballverrückten Fans aus Dortmund und München allein das Motto „Dabeisein ist alles“. Und das ist gut - nicht nur für das von vielen Fans wegen seiner hohen Preise kritisch bewertete Unternehmen Viagogo. Auch für Schwarzhändler ist das Champions-League-Finale in diesem Jahr eine gute Einnahmequelle. „Bei diesen beiden Teams und dank des Endspielorts Wembley ist die Nachfrage nach Karten schon enorm groß“, sagt ein erfahrener, international operierender Schwarzhändler, der anonym bleiben will. „Allerdings sind extreme Preise noch besser zu erzielen, wenn englische Klubs ein Finale erreichen.“

          Die aus ihrer Heimatliga an deutlich höhere Grundpreise gewöhnten Fans von der Insel gelten in Schwarzhändlerkreisen als weitaus zahlungsfreudiger als deutsche Fußballfreunde. Die Drohungen der Uefa, Besitzern von Tickets, die von nicht autorisierten Händlern erworben wurden, den Einlass in Wembley zu verwehren, beeinträchtigen den Schwarzmarkt angeblich nicht nachhaltig.

          Das Glück bei der Verlosung

          Die Uefa will zumindest stichprobenartig prüfen, ob Besucher mit einem Ticket ins Stadion wollen, das für andere Käufer personalisiert war. Auch wegen der Uefa-Kontrollen rund ums Stadion wird es nach Worten des Schwarzhändlers schwer, noch in Wembley Karten auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. Er persönlich habe seine Geschäfte bereits erledigt - zu Preisen deutlich unter Viagogo-Niveau. Er will zwischen 600 und 800 Euro für die Karten der billigsten Kategorie erhalten haben. Er kann sich vorstellen, dass in den hitzigen Stunden vor dem Anpfiff deutlich höhere Preise in Stadionnähe erzielt werden.

          Großes Glück haben in jedem Fall diejenigen Fans, die ihre Karte zu einem regulären Preis erwerben konnten: Je nach Kategorie waren für die billigsten Tickets rund 70 Euro, für die teuersten Einlasskarten ohne Hospitality-Angebote fast 400 Euro zu entrichten. Jeder Finalteilnehmer hatte rund 25.000 Karten erhalten, die beide Klubs großteils unter ihren Dauerkarteninhabern verlost haben. Borussia Dortmund hatte fünf Prozent der Tickets in eine freie Verlosung gegeben, um auch jenen Fans eine kleine Chance zu eröffnen, die in den vergeblich versucht hatten, eine der seit Jahren vergriffenen Dauerkarten zu erwerben. Beide Vereine haben zudem ihre treuesten Begleiter, die eine Auswärtsdauerkarte besitzen, mit einem Ticket belohnt. Bei den Bayern sind das gut 200 Anhänger, in Dortmund 400 Stehplatz- und rund 100 Sitzplatzfans.

          „Um eine Auswärts-Dauerkarte zu bekommen, muss man über Jahre nachgewiesen haben, dass man außer aus beruflichen oder aus gesundheitlichen Gründen immer auswärts dabei war“, sagt Marc Quambusch, einer der Dortmunder „Schlachtenbummler“. Angesichts solcher Reisemühen erscheint ein Endspielticket wie ein gerechter Lohn. Von den rund 40.000 Karten, die weder Dortmund noch Bayern erhalten hatten, könnten nach Schätzungen englischer Medien bis zu 20.000 an deutsche Fans gelangt sein.

          Dies würde freilich bedeuten, dass neben den von der Uefa Anfang März frei verlosten 9000 Tickets noch viele weitere Karten aus Sponsorenkontingenten auf andere Märkte gelangt wären. Diese Form des Karten-Missbrauchs kennen die großen Verbände auch von Welt- und Europameisterschaften. All diese Kartengeschäfte sind jedoch besser als das Schicksal, das einige allzu atemlos im Internet agierende Fans ereilt hat. Sie hatten sich zwar für bis zu 1700 Euro ein Ticket fürs Champions-League-Finale gesichert - aber leider für das Endspiel der Frauen am Donnerstagabend.

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