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Ende einer BVB-Ära : Wie Jürgen Klopp die Bundesliga verändert hat

Fußball als Vollgasveranstaltung: Jürgen Klopp gab in Dortmund immer alles Bild: dpa

Eine andere Liga: In sieben Jahren als BVB-Trainer hat Jürgen Klopp den Fußball in Deutschland geprägt wie niemand vor ihm. Beginnt nach dem Pokalfinale gegen Wolfsburg dieses Märchen für ihn noch einmal von vorn?

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          Im Nachhinein scheint es ja kaum noch vorstellbar, aber es gab damals gar nicht so wenige kritische Stimmen, die glaubten, dass dieser Jürgen Klopp die Dortmunder Borussia nicht wieder flottbekommen würde. Ein Zweitligatrainer, der mit Mainz 05 gerade den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, sollte der große Hoffnungsträger sein für den BVB?

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Im Sommer 2008 hatte Dortmund zwar - wie an diesem Samstag (20 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im DFB-Pokalticker auf FAZ.NET) bei Klopps letztem Spiel als BVB-Trainer - das Pokalfinale erreicht, aber die Mannschaft spielte einen größtenteils unansehnlichen, ideenlosen Fußball, der sie in der Bundesliga an den Rand des Abstiegs gebracht hatte. Auf die Idee, dass in jenem Sommer eine Ära begann, die vieles in Deutschland auf den Kopf stellte, wäre niemand gekommen. „Es war eine der besten Geschichten, die ich im Fußball kenne“, sagt Klopp, „ich habe jeden Moment genossen.“ Sollte der BVB nun das Pokalfinale gewinnen, wäre es auch noch eine Geschichte mit Happy End.

          Aus dem Nichts etwas ganz Großes

          Die Dortmunder Cinderella-Story vom unter argen finanziellen Nöten leidenden Klub ohne große Spielidee zu einem der zwischenzeitlich aufsehenerregendsten Vereine in ganz Europa ist viel beschrieben - sie fand ihren Höhepunkt 2013 mit dem Erreichen des Finales in der Champions League. Da war Klopp längst zu einer der begehrtesten Männer auf dem Trainermarkt geworden, der scheinbar aus dem Nichts etwas ganz Großes geschaffen hatte.

          Künftige Vollgasveranstaltungen hatte er bei seinem Start in Dortmund versprochen und damit schon einmal den Nerv des Publikums getroffen. Doch nach und nach hatte sich viel mehr entwickelt als nur eine vor Einsatz sprühende Mannschaft. Klopp verfeinerte seine Spielidee, scheute sich auch nicht, Publikumslieblinge wie Mladen Petric oder Alexander Frei auszutauschen, weil sie nicht kompatibel schienen. Sein Spielsystem wurde zum Markenzeichen des BVB, der mit seinem Pressing, mit seinem leidenschaftlichen Ballerorberungswillen jeden Aufbau des Gegners - mitunter schon im Ansatz - zerstörte.

          Ein letzter gemeinsamer Titel: Klopp und Hummels planen den Coup gegen Hecking und Benaglio (v.l.)

          Was Klopp vorschwebte, stand im krassen Gegensatz zu jenem Grundgedanken, den ein paar hundert Kilometer weiter südlich Louis van Gaal dem FC Bayern eingeimpft hatte und dafür hoch gelobt wurde von allen Offiziellen des Vereins: Ballbesitz und -kontrolle als allererste Maxime, ein über viele Stationen angelegtes Passspiel, bis sich die Chance zu einem vielversprechenden Angriff und einem Torerfolg bietet.

          So hatten die Bayern in der Saison 2009/10 in beeindruckender Manier das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen und waren in der Champions League erst im Finale an Inter Mailand gescheitert. Die Münchner feierten sich, dass sie endlich einen Trainer gefunden hatten, der ein unverkennbares System propagierte, das auch noch bestens zum Selbstverständnis des FC Bayern passte. Wie der Gegner das Spiel angehen wollte, spielte dabei nämlich nur eine untergeordnete Rolle. Die Münchner fühlten sich stark genug gegen jeden, der sich ihnen in den Weg stellte, das eigene Spielsystem durchzudrücken.

          Ein Irrtum, wie sich bald herausstellte, genauso wie es ein Irrtum von Klopp war, als er später behauptete, die Münchner hätten, wie man es ansonsten nur von chinesischen Firmen kenne, einfach ein erfolgreiches Spielsystem kopiert, seines nämlich, noch dazu mit viel Geld und eben den noch besseren Spielern. Der Einfluss der Dortmunder Erfolge zu Beginn dieses Jahrzehnts auf die Art und Weise, wie die Bayern heute Fußball spielen, ist aber evident.

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