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Empfang im Römer : Eine Nacht mit den Weltmeisterinnen

Birgit Prinz, Simone Laudehr (r.), ein Pokal und viele Fans Bild: AP

Der Empfang der Weltmeisterinnen auf dem Römerberg in Frankfurt lockte mehr als 15.000 Fans an. FAZ.NET hat im Rathaus mitgefeiert - und abseits der Fernsehkameras miterlebt, wie schön, aber auch wie anstrengend eine Weltmeisterschaftsfeier sein kann.

          Durch Sönke Wortmanns Film über unsere Fußballmänner glauben wir zu wissen, wie ein Ereignis wie eine WM aus der Innenperspektive des Teams ausschaut. Wir sahen, wie es ist, wenn die Massen jubeln, wir sahen, wie der Trainer seine Spieler aufputscht, wir sahen, wie es bei der Dopingprobe haken kann. Und wir sahen, dass es längst nicht alle Spieler für nötig erachteten, sich nach Ende des Turniers noch einmal auf der Berliner Fanmeile, geschweige denn auf dem traditionellen Römerberg, von den Anhängern zu verabschieden.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Stattdessen wollten Kahn, Ballack und Co. lieber direkt in den Urlaub durchstarten - was sie dann doch unterließen. Bei den Fußballfrauen verhält sich dies anders. Zugegeben, der Vergleich hinkt ein wenig. Schließlich durften sich die Männer ein paar Wochen ausruhen. Die Weltmeisterinnen hingegen müssen schon am Wochenende wieder in der Bundesliga ran. Urlaub ausgeschlossen. Kein Wunder, dass sie bei dem Kontrastprogramm einen Empfang vor 15.000 Fans auf dem Frankfurter Römerberg gerne mitnahmen. FAZ.NET hat mitgefeiert.

          19:11 Uhr. Mehr als eine Stunde ist schon seit der Landung auf dem Rhein-Main-Flughafen vergangen. Familie, Freunde, Journalisten, Politiker warten ungeduldig im Römer auf die Ankunft. Drei Mädchen glauben genau zu wissen, dass der Tross in wenigen Augenblicken die große Treppe zum Kaisersaal hinaufkommen wird. Die Videokamera läuft. Plötzlich brandet Applaus aus. Doch auf der Treppe ist weit und breit niemand zu sehen. Wäre ja auch zu schön gewesen. Weltmeisterinnen nehmen eben nicht einfach den Haupteingang.

          19.15 Uhr. Durch die Hintertür sind sie gekommen, Birgit Prinz hält den Pokal ganz fest. Ob sie ihn seit der kurzen Nacht in China, als sie ihn fürsorglich in ihrem Bett aufbewahrte, aus der Hand gegeben hat, verrät sie nicht. Die Heldin des Endspiels, Torhüterin Nadine Angerer, kommt als eine der Letzten. Der Laufstil ist nicht gerade als rund zu bezeichnen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Augenschlitze verdienen ihren Namen kaum. Die Standardfrage, ob die Feier ausgiebig war und der Alkohol in Strömen floss, erübrigt sich nun wohl.

          Birgit Prinz, Simone Laudehr (r.), ein Pokal und viele Fans Bilderstrecke

          19.26 Uhr. Zehn Minuten brauchen die Spielerinnen, um sich durch die schier unendliche Menschenmasse zu drängen. Dann ist endlich der große Moment gekommen: Die Weltmeisterinnen dürfen auf den Balkon. Drinnen, im Kaisersaal, ist Moderator Oliver Forster viel zu laut zu hören, Bundestrainerin Silvia Neid dagegen gar nicht. Was soll´s. Hauptsache, die Fans sehen ihre Heldinnen. Derweil werden reichlich Bier und Sekt aufgefahren. Weltmeisterinnen sind eben auch extrem hungrig und durstig.

          19.40 Uhr. Draußen wird das unvermeidliche „We are the champions“ von Queen gespielt. Drinnen schunkelt Nia Künzer, 2003 beim letzten WM-Titel noch das strahlende Golden Girl mit Golden Goal, heute für die ARD im Expertinnen-Einsatz. Vorerst scheint die Party dann draußen vorbei zu sein, die Spielerinnen kommen zurück in den Kaisersaal, um sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. So viel Protokoll muss bei aller Begeisterung sein. Die Gelegenheit scheint günstig, jeder will ein paar nette Worte der Weltmeisterinnen erhaschen.

          19.47 Uhr. Während Melanie Behringer hofft, erst am Freitag wieder trainieren zu müssen, versucht sich Birgit Prinz zum improvisierten ZDF-Studio durchzumogeln. Für zwanzig Meter braucht sie zehn Minuten. Nadine Angerer scheint indes die frische Luft auf dem Balkon gut getan zu haben, auch wenn ein wenig Sekt nicht ganz seinen Bestimmungsort findet und auf dem Boden landet. Ganz professionell wolle sie am Dienstagmorgen, wenn sie aufwache, an die Liga denken. Dann überlegt sie. Vielleicht werde es doch eher Nachmittag.

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