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Trauerfeier in Hamburg : „Uwe Seeler, du warst der beste Mann!“

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Im Volksparkstadion fand eine bewegende Trauerfeier statt. Hamburg erweist Ehrenbürger Seeler die letzte Ehre. Die Fans verabschieden ihr Idol für immer.

          2 Min.

          Als die Fans ihr Idol am Mittwochnachmittag für immer verabschiedeten, hatten sie eine bekannte und simple Stadion-Hymne nur leicht verändert: „Uwe Seeler, du warst der beste Mann!“ Von der Anzeigetafel des Volksparkstadions grüßte das Bild eines freundlich lächelnden älteren Herrn, wie man ihn die vergangenen Jahre gekannt hatte. Viele machten sich nach der öffentlichen Zeremonie auf den Weg zur nahen Bronze-Skulptur seines Fußes, um einen Kranz, eine Kerze oder einen Schal abzulegen – schon seit Seelers Tod am 21. Juli im Alter von 85 Jahren war die Statue zu einer Art Wallfahrtsort geworden.

          Nach der Trauerfeier im engsten Familienkreis am 4. August auf dem Ohlsdorfer Friedhof erwies die Hansestadt ihrem Ehrenbürger am Mittwoch offiziell die letzte Ehre. Alle, die wollten, durften an der bewegenden Feierstunde teilnehmen; es waren tausende – neben zahlreichen geladenen Gästen aus der Welt der Politik, der Kultur und des Fußballs.

          Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der Erste Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wohnten der Zeremonie bei. Viele ehemalige Mitspieler Seelers wie Charly Dörfel, Klaus Neisner und Horst Schnoor und langjährige Weggefährten wie Horst Hrubesch, Felix Magath und Peter Nogly saßen unter den Ehrengästen.

          „Einmal muss es vorbei sein“

          Auch Donata Hopfen, Hansi Flick, Oliver Kahn und Philipp Lahm hatte sich auf den Weg nach Hamburg gemacht. Umrahmt wurde die Verabschiedung von Liedern, die Seeler sich gewünscht hatte: der Pianist Joja Wendt rahmte das Programm, in dem der Seemannschor Hamburg auftrat und Lieder von Hans Albers („La Paloma“) und Heidi Kabel („An de Eck steiht’n Jung mit’m Tüddelband“) erklangen.

          Fans verfolgen die Trauerfeier auf der Tribüne. Bilderstrecke
          Trauerfeier in Hamburg : Abschied von Fußball-Idol Uwe Seeler

          „Einmal muss es vorbei sein“, heißt es bei Albers, und das galt natürlich auch für „Uns Uwe“, der seine geliebte Frau Ilka, seine drei Töchter und die Enkelkinder verlassen musste. An Ilka Seeler wandte sich auch Jonas Boldt, der Sportvorstand des Hamburger SV, in seiner Rede: „Du warst der beste Treffer seines Lebens, hat Uwe immer gesagt.“ Boldt bedankte sich dafür, dass Ilka Seeler ihm die Türe zum Hause Seeler geöffnet habe. Er schloss seine Rede mit einer umfassenden Würdigung: „Wenn wir nur eine Sache vom HSV behalten sollten, bist du es, Uwe.“

          Zuvor hatte Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gesprochen. Dabei fand Neuendorf angemessene Worte, wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Während Vorredner Tschentscher daran erinnerte, dass Seeler keinen Titel mit der Nationalmannschaft benötigt habe, um zu einem Idol zu werden, sagte Neuendorf: „Uwe Seeler war reich an Zuneigung und Zufriedenheit. Das ist nicht mit Geld aufzuwiegen.“

          „Vereint durch Fußball“

          Seeler habe durch sein faires Verhalten nach dem Wembley-Finale 1966 das Bild der Deutschen in England und auf der Welt verändert. Vorbilder wie Seeler habe Deutschland bitter nötig, sagte Neuendorf, und versprach, die Europameisterschaft 2024 auch für Seeler auszurichten – unter einem Motto, das ihm aus dem Herzen gesprochen hätte: „Vereint durch Fußball.“ Neuendorf verabschiedete sich vom Ehrenspielführer des DFB mit den Worten: „Es gibt Lücken, die lassen sich nicht schließen. Vielen Dank, uns Uwe.“

          Auf ausdrücklichen Wunsch der Familie Seeler richtete der Schauspieler und Musiker Olli Dittrich die letzten Worte des Nachmittags an die Trauergemeinde. Seeler war sein großes Idol, später auch sein Freund, und die letzte, bewegende Dokumentation über den schon gebrechlichen Seeler von Reinhold Beckmann aus dem Vorjahr stand auch im Zeichen des Treffens der beiden.

          In seiner ganz eigenen Art erzählte Dittrich von einem Traum im Jahr 1962, als aus dem kleinen Olli nachts der große Uwe wurde, samt Torerfolg in einem Bundesligaspiel, was wohl auch daran lag, dass Dittrich mit den original „Uwe“-Fußballstiefeln der Marke Adidas an den Füßen zu schlafen pflegte.

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