https://www.faz.net/-gtl-zix6

EM-Qualifikation : Sechs-Punkte-Spieltag für Deutschland

105. Länderspiel: Miroslav Klose (links) im Zweikampf mit dem Kasachen Maxim Azovskiy. Bild: dapd

Deutschland gewinnt doppelt: Neben dem 3:0-Sieg in Kasachstan darf sich die Nationalelf über Schützenhilfe von Berti Vogts und dessen Aserbaidschanern freuen. Für Deutschland treffen demnach Klose, Gomez, Podolski - und Sadichow.

          3 Min.

          In der Spätschicht von Astana begnügte sich die deutsche Mannschaft mit einem Sparprogramm. Vom aufregenden Fußball, den Joachim Löws Männer in so vielen Länderspielen des Jahres gezeigt haben, war am Dienstagabend wenig zu sehen in der kasachischen Hauptstadt. Aber bei der letzten Pflichtaufgabe 2010 konnte es nur um eines gehen: die Bilanz auf der ersten Etappe der Europameisterschafts-Qualifikation makellos zu halten. Und das gelang dank des 3:0-Sieges durch die Tore von Miroslav Klose (48. Minute), Mario Gomez (76.) und Lukas Podolski (85.). Mit vier Siegen aus vier Spielen ist schon ein ansehnlicher Teil des Weges zur Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine geschafft - vor allem auch dank der Schützenhilfe von Berti Vogts. Der vermeintlich stärkste Konkurrent, die Türkei, ließ bei der 0:1-Niederlage in Aserbaidschan entscheidend Federn.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Das in diesem Jahr noch ausstehende Testspiel am 17. November in Göteborg gegen Schweden (20.30 Uhr / FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) kann Bundestrainer Löw beruhigt nutzen, um einige jugendliche Kräfte an die erste deutsche Fußballauswahl heranzuführen. Ernst wird es erst wieder im nächsten Jahr, wenn es im Rückspiel gegen Kasachstan am 26. März in Kaiserslautern und am 3. Juni in Österreich wieder um Qualifikationspunkte geht.

          Bangen um den Sieg musste die deutsche Mannschaft in der Astana-Arena nicht, dazu war Kasachstan, der 126. der Weltrangliste doch nicht stark genug. Wer aber nach dem 3:0 gegen die Türkei auf frischen spielerischen Glanz gehofft hatte, wurde enttäuscht. Es war über weite Strecken ein mäßiges Spiel, in dem der deutschen Mannschaft die Frische und das Tempo fehlten, um sich der Pflichtaufgabe früher und klarer zu entledigen. Es hatte etwas von behaglicher Wohnzimmeratmosphäre, was die Deutschen am Dienstag in der Ferne von Astana vorfanden. Das Dach der Arena war geschlossen, so dass es weit wärmer war als draußen, wo die Temperatur um den Gefrierpunkt lag. Zudem wurde auf einem gepflegten Kunstrasen gespielt, fast so etwas wie ein Teppich also. Und auch in punkto Lautstärke gab es, anders als in vergleichbaren Stadien, nichts zu fürchten.

          Rechtzeitig fit geworden: Mesut Özil (links), der an einer Knöchelprellung laborierte.
          Rechtzeitig fit geworden: Mesut Özil (links), der an einer Knöchelprellung laborierte. : Bild: dapd

          Nur wenige Zuschauer in Astana

          Das kasachische Publikum war der Werbung des deutschen Nationaltrainers Bernd Storck nur bedingt gefolgt, von den 32.000 Plätzen war nicht einmal die Hälfte gefüllt. Es gab schon ungemütlichere Rahmenbedingungen bei Auswärtsspielen. Für ein gutes Gefühl auf deutscher Seite sorgte außerdem, dass Joachim Löw sein Team gegenüber dem 3:0 am Freitag gegen die Türkei nicht ändern musste. Das bedeutete, dass auch Mesut Özil dabei sein konnte; seine Knöchelprellung vom Freitag war rechtzeitig abgeklungen. Was folgte, waren jedoch 90 Minuten, die Löw nicht zufriedenstellen konnten.

          An Ballbesitz mangelte es der deutschen Mannschaft nicht, was sie jedoch daraus machte, war allenfalls punktuell von Ideenreichtum oder gar Inspiration geprägt. Es war kein Vergleich, zum bissigen, leidenschaftlichen Auftritt gegen die Türken, alles sah ein gutes Stück langsamer aus. Fast könnte man sagen: müde. Ob es doch an den Reisestrapazen und der Zeitumstellung lag? Das Spiel war um 23 Uhr Ortszeit angepfiffen worden, damit es zu einer fürs deutsche Fernsehen attraktiven Zeit übertragen werden konnte.

          Deutscher Spielrhythmus Fehlanzeige

          Die deutsche Mannschaft wollte dem begegnen, indem sie die Uhren einfach wie gewohnt laufen ließ. Ihren Spielrhythmus aber fand sie in der ersten Halbzeit dennoch nicht so recht. Natürlich gingen die Kasachen aggressiv zu Werke und arbeiteten in der Defensive vorbildlich, um den Deutschen so wenig Raum wie möglich zu lassen. Aber das konnte nicht allein die Erklärung dafür sein, wie umständlich gerade das deutsche Mittelfeld den Ball häufig bewegte. Ohne die nötige Grundgeschwindigkeit hatten Özil, Müller oder Kroos es schwer, die Lücken in der kasachischen Verteidigung zu finden. Ein paar gute Chancen ergaben sich dennoch. Özil, (19. und 28.), Kroos (22.) oder Khedira (42. und 43.) hätten gut und gerne die eine oder andere davon nutzen dürfen, doch auch im Abschluss fehlte es an diesem Abend ein wenig an Konzentration.

          Echte Sorgen musste sich Löw deshalb noch nicht machen. Geduldsspiele dieser Art sind schließlich keine Seltenheit gegen Mannschaften der zweiten Kategorie. Und die Gefahr, die von den kasachischen Angreifern ausging, hielt sich in den ersten 45 Minuten doch sehr in Grenzen - trotz mancher Nachlässigkeit, die sich die Deutschen in der Defensivarbeit leisteten. Der Anspruch aber, das war klar, musste ein anderer sein.

          Podolski bereitet vor - und trifft selbst

          Hoffnung auf Besserung machte der Beginn der zweiten Hälfte, als gleich der erste Angriff zum erhofften Erfolg führte. Podolski leistete mit Ruhe und Übersicht die Vorbereitung, Klose hatte keine Mühe mehr, zu seinem 58. Tor im 105. Länderspiel zu vollenden. Kurz darauf musste der Münchner wegen einer Verletzung allerdings ausgewechselt werden. Wer glaubte, dass es nun wie von selbst laufen würde, sah sich getäuscht. Die Kasachen suchten mehr und mehr ihr Glück in der Offensive und hatten durch den Oberhausener Zweitligaprofi Schmidtgal sogar zwei gute Möglichkeiten.

          Dass sich die DFB-Auswahl am Ende noch relativ klar durchzusetzen würde, war Mitte der zweiten Hälfte nicht unbedingt zu erwarten. Doch der eingewechselte Gomez sowie Podolski sorgten am Ende doch noch für so etwas wie ein standesgemäßes Ergebnis.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.
          Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)

          Kanzler in der Krise : Starker schwacher Kurz

          Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage sind nicht gut für das Image des österreichischen Kanzlers. Das heißt nicht, dass die Affäre auf Dauer für ihn eine Schwächung bedeuten muss. Im Gegenteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.