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EM-Qualifikation: Italien : Die Furcht vor dem neuen Nedved

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Voller Einsatz: Der serbische Offensivspieler Milos Krasic (links) spielt mit hoher Intensität Bild: REUTERS

Der serbische Juventus-Star Krasic gilt als Italiens Hauptgegner in der EM-Qualifikation. In Turin läuft er zu Höchstform auf und erinnert die Fans an ihren früheren Helden Pavel Nedved aus Tschechien. Im Nationaltrikot schwächelt Krasic jedoch.

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          Auch Italien hat nun seinen Paul. Der berühmte Tintenfisch aus Oberhausen, der bei der WM in Südafrika seherische Fähigkeiten bewies, ist in Italien ein fülliges Karpfenweibchen namens Gina, das in einem Teich der Sportschule Coverciano bei Florenz schwimmt. Hier bereitet sich die Fußball-Nationalmannschaft auf ihre Länderspiele vor und Gina hat bereits alle italienischen Ergebnisse der EM-Qualifikationsspiele erraten. Die Dame kennt sich sogar mit Stürmern aus. Dass Marco Borriello am vergangenen Freitag im Spiel gegen Nordirland (0:0) kein Tor erzielen würde, wusste Gina lange vorher.

          Der Karpfen steht deshalb derzeit so sehr im Fokus, weil viele Italiener vor der Partie gegen Serbien am Dienstagabend in Genua eine Frage besonders drängt: Ist der seit Saisonbeginn für Juventus Turin spielende Serbe Milos Krasic ein Doppelgänger von Pavel Nedved? Gina konnte bei diesem Rätsel bisher nicht weiterhelfen, bis Montag war der toskanische Tümpel zu trübe, um ihren Seherspruch für menschliche Augen entzifferbar zu machen. Die ersten Auftritte des 25 Jahre alten Mittelfeldspielers in der Serie A haben jedenfalls verblüffende Ähnlichkeiten ergeben.

          Der für 15 Millionen Euro von ZSKA Moskau nach Italien gewechselte Krasic bearbeitet die rechte Seite des Spielfelds im Stile eines Flügelspielers alter Schule und mit ähnlicher Intensität, wie es der Tscheche Nedved zwischen den Jahren 2001 und 2009 für Juventus Turin auf der linken Spielhälfte tat. Die Hochgeschwindigkeits-Dribblings des Serben, seine präzisen Flanken und Torschüsse sind ebenso Nedved-verdächtig wie seine krummbeinigen Sprints und die halblange blonde Mähne.

          Erfolgreich: Milos Krasic im Juventus-Trikot

          Krasic - ein neuer Held für Juventus

          Natürlich ist es vor allem Krasics Aussehen, das den Vergleich mit Europas Fußballer des Jahres von 2003 so naheliegend macht. Und bei den Anhängern von Juventus Turin steckt in der Analogie wohl auch eine gehörige Portion Sehnsucht nach alten Zeiten. Sie hoffen, dass ihre Mannschaft nach erfolglosen und skandalumwitterten Jahren endlich wieder Titel gewinnt. Dafür braucht man neue Helden.

          Die Abwehrspieler der italienischen Nationalelf sind weniger mit derartigen Vergleichen beschäftigt als damit, den in der Serie A in bestechender Form auftretenden Krasic im Länderspiel zu stoppen. Gegen US Cagliari empfahl sich der Serbe unlängst mit einem Hattrick. Bei Juventus-Trainer Luigi Delneri hat nur er einen Stammplatz und ist „unersetzlich“. Abwehrspieler Giorgio Chiellini sagte, er hoffe auf einen Schnupfen des Serben. Wenn nötig, will der Innenverteidiger aber nationale Interessen über die Vereinspolitik stellen: „Delneri hat uns gesagt, wir sollen vorsichtig sein, wenn wir gegen ihn spielen, weil er für Juve so wichtig ist. Aber wenn‘s sein muss, dann tut‘s schon ein kleiner Schlag.“ Diese Devise gilt ebenso für Leonardo Bonucci, der sowohl bei den „Azzurri“ als auch in Turin neben Chiellini in der Abwehr spielt. Außerdem wird es der famose Krasic am Dienstagabend mit seinen Turiner Mannschaftskollegen Simone Pepe und Claudio Marchisio zu tun bekommt.

          Im Nationalteam gelingt ihm wenig

          Dass man in Italien derzeit mehr über den serbischen Gegenspieler mit Wurzeln im Kosovo als über die eigene Renaissance redet, ist unter anderem den üblichen Ränkespielen vor wichtigen Partien geschuldet. Immerhin geht es für die „Squadra Azzurra“ gegen Serbien darum, ob der vom neuen Nationaltrainer Cesare Prandelli nach dem blamablen WM-Vorrunden-Aus wiederentdeckte Enthusiasmus und die Tabellenführung in Gruppe C gegen vermeintlich stärkere Gegner Bestand haben. Auch Prandelli verteilte Vorschusslorbeeren und behauptete, Krasic könne bei Juventus eine „Epoche“ prägen.

          In der serbischen Nationalelf, die bei der WM wie Italien in der Vorrunde scheiterte, gelingt dem 25-Jährigen bisher wenig Formidables. Beim blamablen 1:3 gegen Estland am Freitag in Belgrad konnte auch Krasic nicht überzeugen. „Bald wird alles viel schwieriger für ihn“, prophezeit Verteidiger Chiellini. „Der Überraschungseffekt fällt weg und die gegnerischen Trainer finden Mittel, um ihn zu bremsen.“ Bei Juventus Turin kennt man diesen Mechanismus nur allzu gut. In der vergangenen Saison waren nach wenigen Spieltagen alle von einem Mittelfeldspieler namens Diego begeistert. Der spielt inzwischen schon wieder beim VfL Wolfsburg.

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