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6:1 gegen Nordirland : Deutsches Schaulaufen zum Gruppensieg

  • -Aktualisiert am

Mann des Abends: Serge Gnabry Bild: EPA

Zum Abschluss bereitet die EM-Qualifikation doch noch unbeschwerte Freude: Gegen Nordirland gibt es einen 6:1-Sieg. Gnabry trifft dreimal, Goretzka zweimal. Zur Belohnung gibt es im Sommer drei EM-Heimspiele.

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          Pflicht erfüllt, Kür erwünscht: Nach der erwarteten Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2020 durch den 4:0-Sieg über Weißrussland in Mönchengladbach sollte drei Tage später die oft langweilige Gruppenphase zum Abschluss verziert werden. Gegen Nordirland strebte die deutsche Nationalmannschaft am Dienstagabend in Frankfurt das I-Tüpfelchen, einen vollen Erfolg, Platz eins in der Gruppe C an.

          Ein nicht gerade verwegen anmutender Plan, der gegen den Gruppendritten trotz des 0:0 der Nordiren am Samstag gegen die ebenfalls für die EM qualifizierten Niederländer in die Tat umgesetzt werden sollte. Doch die gemischten Alltagserfahrungen mit dieser verjüngten, neu aufgestellten deutschen Mannschaft haben schon zu oft Schwierigkeiten heraufbeschworen, wo auf den ersten Blick keine Gefahr drohte.

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          So auch in der Frankfurter Arena, als die Nordiren das Führungstor durch einen kernigen Zwanzigmeterschuss von Smith erzielten (7. Minute) – und nicht die spielbestimmenden, aber defensiv zunächst nicht allzu aufmerksamen Deutschen. Die berappelten sich schnell, glichen durch Gnabry (19.) aus und wollten im zumindest unterhaltsamen Duell mehr. Und das bekamen sie dann wunschgemäß.

          Goretzka brachte die erste Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes kurz vor der Pause 2:1 in Führung (43.), Gnabry sorgte kurz nach dem Wechsel für klare Verhältnisse (47.). Nach dem 3:1 konnte das Schaulaufen beginnen – mit Gnabry in der Hauptrolle, der auch das 4:1 locker erzielte (60.). Zum 5:1 war dann wieder sein Münchner Mannschaftskamerad Goretzka an der Reihe (73.). Brandt sorgte in der Nachspielzeit für den 6:1-Endstand.

          Die Deutschen hatten den Abend genutzt, sich nach einem Patzer zu Beginn für die EM 2020 zu empfehlen. Nicht die schlechteste Art, sich von diesem Fußballjahr mit sieben Siegen, zwei Unentschieden und nur einer Niederlage (2:4 gegen die Niederlande) zu verabschieden. Was bei der EM im kommenden Jahr bevorsteht, wird sich am 30. November in Umrissen abzeichnen, wenn in Bukarest die Gruppenauslosung oder das, was man danach als verbindlich ansehen kann, vorgenommen wird. Die im Lostopf eins unter die besten Mannschaften eingereihten Deutschen dürfen sich jetzt schon über drei Heimspiele in München freuen, weil sich die Ungarn, die mit Budapest den zweiten EM-Spielort in der „deutschen“ Gruppe F ihr eigen nennen, am Dienstag nicht direkt für die Endrunde qualifizierten. Sie verloren in Wales, die sich auf dem direktem Weg für die EM-Endrunde aus 24 Teams qualifizierten, 0:2 und müssen nun den Umweg über die Playoffs gehen, die sich am Abschneiden in der ersten Nations-League-Saison orientieren. Wenn die dann im März des kommenden Jahres gespielt sein werden, könnte am 1. April – kein Scherz – eine weitere Auslosung fällig sein. Alles sehr kompliziert rund um das früher so einfache Spiel.

          Die Deutschen machten sich das Leben in Frankfurt wie in manch anderem Qualifikationsspiel davor erst einmal selbst schwer und starteten mit dem Handikap eines frühen Rückstands durch Smiths Treffer nach Kroos’ missglückter Kopfballabwehr im eigenen Strafraum. Was so nicht vorgesehen war, raubte den Auswahlgrößen des Deutschen Fußball-Bundes zumindest nicht den Nerv, so dass die 42855 Zuschauer im nicht ausverkauften Stadion ein unterhaltsames Spielchen sahen, in dem Gnabry der Ausgleich mit einem technisch hochwertigen Schuss aus der Drehung hoch ins rechte Toreck gelang.

          Die Nordiren, anfangs furchtlos und frech, knickten danach noch nicht ein und beschworen vor dem diesmal von Ter Stegen gehüteten Tor noch die ein oder andere brenzlige Situation herauf. Das Tor zum 2:1 aber blieb Leon Goretzka vorbehalten, der auf dem Hosenboden sitzend dem Ball kurz vor der Pause den letzten Drall gab, gegen den Innenpfosten zu rollen und von dort ins nordirische Tor.

          Die Gegenwehr der Mannschaft von Trainer Michael O’Neill war 120 Sekunden nach dem Wiederanpfiff so gut wie erloschen, als der mit viel Spielwitz und stetem Tordrang auftrumpfende Gnabry seinen zweiten Treffer erzielte - diesmal per Flachschuss ins linke Eck. Die große Show des unaufhaltsamen Münchner Bayern-Stars setzte sich danach umstandslos fort. Als gäbe es für ihn keine Gegenspieler mehr, schob er den Ball an Torhüter Peacock-Farrell vorbei zum 4:1 für die nun unbeschwert ihre Freude am Spiel auslebenden Deutschen ins Netz.

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          Nun konnte sich auch Bundestrainer Joachim Löw einen Moment der Generosität erlauben, als er den schon mehrmals kurz vor seinem Nationalmannschaftsdebüt von Verletzungen geplagten Berliner Innenverteidiger Niklas Stark anstelle Klostermanns einwechselte (65.), obwohl der Herthaner einen Nasenbeinbruch noch nicht ganz auskuriert hat. Kaum auf dem Platz, durfte er auch schon Goretzkas zweites Tor an diesem nun doch sehr einseitigen Fußballabend bejubeln. Tiefgreifende Rückschlüsse auf den Ernst eines großen Turniers aber ließ er nicht zu. Das aber hatte diesmal auch kaum jemand erwartet.

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