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Eklat in EM-Qualifikation : Abbruch bei Skandalspiel Serbien gegen Albanien

  • Aktualisiert am

Stefan Mitrovic reißt die Fahne vom Modellflieger Bild: AFP

Handgreiflichkeiten zwischen Fans und Spielern, Spielabbruch, ein Bundesligakicker mittendrin und der Verantwortliche offenbar ein Bruder des albanischen Ministerpräsidenten: Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien wird Nachwirkungen haben.

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          Der Bruder des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama ist im Zusammenhang mit dem Abbruch des Qualifikationsspiels zur Fußball-EM 2016 zwischen Serbien und Albanien festgenommen worden. Olsi Rama habe von seiner VIP-Loge aus ein Modellflugzeug mit einer Flagge „Großalbaniens“ auf das Spielfeld fliegen lassen, teilte das Innenministerium in Belgrad nach Angaben des serbischen Senders RTS mit.

          Wegen der Flagge kam es zu Tätlichkeiten zwischen den Spielern sowie zwischen Zuschauern und Spielern. Der englische Schiedsrichter unterbrach das Spiel kurz vor der Halbzeit beim Spielstand von 0:0. Die Partie wurde danach nicht wieder angepfiffen.

          Politisch brisante Verwicklung

          Bei Olsi Rama soll die Fernsteuerung für einen Modellflieger gefunden worden sei. Rama, der einen amerikanischen Pass besitze, sei aber wieder freigelassen worden und habe gemeinsam mit der albanischen Fußball-Nationalmannschaft noch in der Nacht das Land per Flugzeug verlassen, berichten serbische Medien. Das Modellflugzeug sei außerhalb des Stadions gestartet und von Olsi Rama aufs Feld gelenkt worden. Die Verwicklung des Bruders ist politisch brisant: Edi Rama will am 22. Oktober als erster albanischer Regierungschef seit fast 70 Jahren Belgrad besuchen.

          Nachdem in der 42. Minute über dem Stadion das Fluggerät mit der albanischen Fahne aufgetaucht war, riss der beim Bundesligaverein SC Freiburg spielende Stefan Mitrovic die Fahne an sich, woraufhin albanische Spieler auf ihn losgingen. Einige aufgebrachte serbische Zuschauer stürmten aufs Spielfeld und attackierten albanische Spieler, die sich in die Umkleideräume retten wollten.

          Nach einer Stunde Unterbrechung kehrten die serbischen Fußballer noch einmal kurz auf den Rasen zurück, um sich von ihren Fans zu verabschieden. Nach serbischen Berichten sollen sich die albanischen Spieler geweigert haben, das Match fortzusetzen. Sie hätten als Bedingung verlangt, dass alle Zuschauer das Stadion verlassen.

          Skandal in Belgrad: Vermummte liefen auf das Spielfeld Bilderstrecke

          Auf Empfehlung der Europäischen Fußball-Union Uefa waren keine albanischen Anhänger zu dem Länderspiel gereist, hatte Albaniens Fußballverband am Montag mitgeteilt. Im Gegenzug würden auch keine serbischen Fans zum Rückspiel im nächsten Jahr nach Tirana reisen. Darauf hätten sich die nationalen Verbände geeinigt. Allerdings waren einige wenige albanische Fans privat nach Belgrad gereist.

          Die Ausschreitungen überschatten den geplanten Besuchs von Ministerpräsident Rama in Serbien. Als erster albanischer Regierungschef will er am 22. Oktober nach Belgrad reisen. Bei den Gesprächen mit dem serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic soll auch das Kosovo eine Rolle spielen.

          Streitfall Kosovo

          Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bevölkerte Kosovo hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird von Belgrad jedoch nicht anerkannt. Im April 2013 schlossen Belgrad und Pristina unter Vermittlung der Europäischen Union ein Abkommen zur Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen. Serbien, das Kosovo und Albanien wollen der EU beitreten.

          In der albanischen Minderheit im südlichen Serbien gibt es Forderungen nach mehr Autonomie. Einige serbische Politiker befürchten, dass Tirana nach einem sogenannten Großalbanien unter Einschluss des Kosovo sowie albanischer Gemeinden in Montenegro, Mazedonien und Südserbien strebt.

          Uefa wartet auf Spielbericht

          Die Europäische Fußball-Union (Uefa) wartet nach dem Abbruch auf die Sonderberichte des Schiedsrichters und der offiziellen Spielbeobachter. Erst dann könne über das weitere Vorgehen informiert und der Termin für die Anhörung vor der Disziplinarkommission bekanntgegeben werden, sagte ein Uefa-Sprecher am Mittwochmorgen auf Anfrage.

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