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EM-Qualifikation : Der Weltmeister hat das Toreschießen verlernt

Marco Reus traf zum 1:0 für Deutschland in Georgien Bild: dpa

Deutschland schoss in fünf Spielen der EM-Qualifikation erst neun Tore. Auch in Georgien hakt es in der Offensive des Weltmeisters. Aber nicht nur die Torarmut stört Bundestrainer Löw beim 2:0-Sieg.

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          Der ungewöhnliche Jubel, der den Deutschen schon während der Partie zuteilwurde, hatte dem Bundestrainer überhaupt nicht gefallen. Immer wieder waren georgische Fans auf den Platz gestürmt, um mit verzückten Gesichtern ihre eigenen, aber eben auch deutsche Spieler wie Andre Schürrle in die Arme zu schließen. „Normalerweise gehört sich das nicht“, sagte Joachim Löw über die ständige Stürmung der Fußballbühne in Tiflis.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber es war nicht nur die von zahlreichen Ordnern kaum zu bremsende Begeisterung einiger Anhänger während des georgischen Spiel des Jahres, die am Sonntag den leichten Unmut des Bundestrainers hervor rief. Nach dem 2:0-Sieg in Georgien und der Hälfte der Qualifikationsrunde zur Endrunde der Europameisterschaft 2016 war er auch nicht sonderlich gut auf die Ausbeute seiner Offensivkräfte zu sprechen. „Wir haben zu wenig Tore geschossen“, stellte Löw in Georgien säuerlich fest – und dieses Defizit umfasste nicht nur diese neunzig torarmen Minuten, sondern alle Pflichtspiele seit dem Titelgewinn.

          Mehr als neun Tore in fünf Qualifikationsbegegnungen hat Löws Team seit der WM nicht zustande gebracht. Eine erstaunlich dürftige Ausbeute für einen Weltmeister, der in Brasilien alleine im Halbfinale gegen den Gastgeber mit sieben Treffer auf einen Streich Fußballgeschichte schrieb.

          Thomas Müller (rechts) traf schon fünf Mal in der EM-Qualifikation
          Thomas Müller (rechts) traf schon fünf Mal in der EM-Qualifikation : Bild: AP

          Nun stehen nach 450 Minuten gegen Schottland, Polen, Irland sowie die Hinterbänkler Gibraltar und Georgien gerade mal zwei Törchen mehr in der Bilanz. Da haben in der deutschen Qualifikationsgruppe D nicht nur Tabellenführer Polen, sondern auch Schotten und Iren mehr zu bieten.

          Die Unzufriedenheit über die notorische Abschlussschwäche auf dem Weg zur Endrunde nach Frankreich, ärgerte aber nicht nur den Bundestrainer. „Die zweite Halbzeit ohne Tor wurmt schon ein bisschen“, gab Thomas Müller offen zu. Der Bayern-Stürmer erzielte in Tiflis kurz vor der Pause das 2:0, nachdem Marco Reus wenige Minuten zuvor die hochverdiente Führung gelungen war. Müller schoss in Georgien sein fünftes Tor in diesem Wettbewerb – und damit mehr als die Hälfte aller deutschen Tore.

          Auf die anderen Offensivkräfte ist in der EM-Qualifikation weit weniger Verlass. Reus traf gegen Georgien noch zweimal die Latte und vergab ansonsten noch eine gute Gelegenheit aus kurzer Distanz, während Mario Götze wie schon beim 2:2 im Test gegen Australien auch vier Tage später in Tiflis ohne Treffer blieb. „Wir hatten in der ersten Halbzeit gute Kombinationen, immer mit der Zielrichtung Tor“, sagte Löw, der mit dem in der ersten Halbzeit dynamischen deutschen Auftritt zufrieden war.

          „Aber was mir gefehlt hat, war das dritte oder vierte Tor“, sagte er über die weit schwächere Leistung nach der Pause.  Da habe seine Mannschaft den Vorsprung eher „verwaltet“ als ihre spielerische Stärke so konsequent wie zu Beginn ausgespielt, räumte Löw ein. Der Weltmeister hätte also, wenn er wirklich gewollt hätte, leicht höher gewinnen können – wieder einmal, muss man sagen.

          Die Mängel im deutschen Offensivspiel, das seit dem Abschied von Miroslav Klose keinen klassischen Stoßstürmer mehr vorzuweisen hat, wollten die Weltmeister in Tiflis auch nicht weiter beschönigen. Müller sprach trotz des Siegs von „gemischten Gefühlen“.

          Man habe zwar immer wieder mit geschickten Flachpässen in die Spitze agiert, aber trotz der guten Spielanlage habe sich die Mannschaft vor allem nach dem Wechsel zu viele Ballverluste geleistet, auch er selbst. Toni Kroos stellte nüchtern fest, „dass wir uns ganz vorne drin ein bisschen schwer getan haben“. Immer wieder sei man zu hektisch gegen die Fünferkette angelaufen und habe das Spiel damit auch zu eng gemacht. „So sind uns viele Chancen flöten gegangen.“

          Man kann es aber auch anders sagen: das Flach- und Kurzpassspiel der technisch exzellenten, wendigen und kombinationslustigen Kräfte wie Kroos, Özil, Götze oder Reus, die jeden Gegner auseinander nehmen können, fehlt es an der letzten Entschlossenheit vor dem Tor, aber seit dem Sommer eben nicht nur gegen Georgien. Aber auch mit den zielstrebigeren Stürmertypen Schürrle und Podolski sehen die Ergebnisse nicht besser aus.

          An der Folge dieser Schwäche werden die Deutschen, so wie es aussieht, wohl noch bis zum Ende der EM-Qualifikationsrunde im Herbst zu kämpfen haben. „Wenn man vorher auf die Tabelle gesehen hat, war der Ernst der Lage nicht zu übersehen“, sagte Löw nach dem 2:0 daher auch nur halbwegs erleichtert. Denn tabellarisch hat sich für den Weltmeister vorerst nichts geändert, aber immerhin fühlt sich die Lage nun besser an. Im nächsten und gleichzeitig letzten Pflichtspiel der Saison im Juni darf der Weltmeister daher wenigstens gegen den Fußballzwerg Gibraltar das Toreschießen ganz unbelastet noch ein bisschen weiter üben.

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