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Verbände drohen Nachahmern : „Empfindliche Strafen sind zu erwarten“

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Furcht vor Nachahmern: Merih Demiral (links) könnte zum Vorbild für in Deutschland spielende Amateuerfußballer werden. Bild: AFP

Der deutsche Amateurfußball befürchtet Nachahmer des provozierenden Militär-Grußes, mit dem türkische Nationalspieler in der EM-Qualifikation für Aufsehen sorgten. Die Verbände warnen eindringlich.

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          Paul Pogbas Dab Dance, der Fortnite-Tanz von Antoine Griezmann, die Koch-Geste von Serge Gnabry – die aufsehenerregendsten Torjubel finden immer wieder den Weg vom Profi- in den Amateurfußball. Leider wird das auch vom provokanten Militär-Gruß befürchtet, mit dem türkische Nationalspieler in der EM-Qualifikation für viel Wirbel gesorgt hatten. Die Gefahr von Nachahmern ist angesichts von Zehntausenden türkischstämmigen Fußballern in Deutschland groß, die Verbände drohen mit Strafen.

          Schon am vergangenen Wochenende hatte es in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vereinzelte Fälle von salutierenden Spielern gegeben. Drei Amateurvereine aus dem Kreis Recklinghausen müssen sich deswegen vor dem Sportgericht verantworten. „In einem Fall war es die ganze Mannschaft, ein anderes Mal fünf bis sechs Spieler“, berichtete der Kreis-Vorsitzende Hans-Otto Matthey auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID). Er erwartet, dass von den Ermittlungen eine Signalwirkung ausgehe: „Ich stelle die Prognose, dass niemand die Frechheit besitzt, so etwas am Wochenende zu wiederholen.“

          „Wird nicht toleriert“

          Sollte es doch so weit kommen, wird es landesweit Sanktionen geben. „Beleidigungen und Provokationen haben auf und neben dem Spielfeld keinen Platz und werden nicht toleriert“, sagte Günter Distelrath, Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV), dem SID. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) wies in einer Mitteilung „ausdrücklich“ darauf hin, dass „jeder einzelne Fall zur Anzeige vor dem Sportgericht gebracht wird“. Gemäß Paragraf 47 a der Rechts- und Verfahrensordnung müssten die Salut-Jubler „mit empfindlichen Strafen rechnen“.

          Die Rechts- und Verhaltensordnungen der Landes- und Regionalverbände schreiben klar vor, dass politische Provokationen auf dem Platz untersagt sind und sanktioniert werden können. Das Salutieren der türkischen Nationalspieler in den EM-Qualifikationsspielen gegen Albanien (1:0) und in Frankreich (1:1) wird als Bezug auf die umstrittene Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien gewertet. Die Türken argumentierten jedoch, es habe sich lediglich um eine „schöne Geste“ für die Soldaten und ihre Familien gehandelt, wie es Sportminister Mehmet Muharrem Kasapoglu ausdrückte.

          Mit dem Fall beschäftigt sich nun auf der Uefa-Ebene ein extra eingesetzter „Ethik- und Disziplinar-Inspektor“. Für die meisten Landes- und Regionalverbände in Deutschland ist der Fall dagegen bereits klar. In der aktuellen politischen Situation könne „dieses Salutieren nur als Unterstützung für das türkische Militär und die Offensive in Syrien verstanden werden“, sagte Frank Thumm, Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Fußball-Verbandes, bei SWR Sport. Er nannte die Geste eine „öffentliche Sympathiebekundungen für kriegerische Handlungen“, und die habe auf Fußballplätzen nichts zu suchen.

          So sehen es die meisten anderen Verbände in Deutschland auch, sie werden in dieser Woche verstärkt den Kontakt zu ihren Vereinen suchen, um sie für das heikle Thema zu sensibilisieren. Damit Aktionen wie der Militär-Gruß sanktioniert werden können, muss eine Anzeige gestellt oder der Vorfall im Spielbericht des Schiedsrichters aufgenommen werden. Danach werden Stellungnahmen eingeholt.

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