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Drama in EM-Qualifikation : Die völlig verrückte Aufholjagd der Dänen

Aus 0:3 mach 3:3 – Dänemark bejubelt den späten Coup in der Schweiz. Bild: Reuters

Die Schweizer sehen im Heimspiel in der EM-Qualifikation gegen Dänemark wie der sichere Sieger aus. Dann folgt eine spektakuläre Schlussphase. Ein unglaubliches Ende gibt es auch in einem anderen Spiel.

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          Knapp 27 Jahre ist es inzwischen her, dass die dänische Fußball-Nationalmannschaft ihren Spitznamen bekam. Vor der EM 1992 hatte das Team die Qualifikation für das Turnier in Schweden, das noch nur mit acht Mannschaften ausgespielt wurde, verpasst. Doch nachdem in Jugoslawien der Krieg ausbrach und deren Elf deswegen disqualifiziert wurde, rückten die Dänen nach – obwohl sich die Spieler schon im Urlaub befanden. Die EM wurde letztlich ein heute unvorstellbares Fußball-Märchen. Die entspannte Mannschaft spielte sich durch das Turnier und besiegte den damaligen Weltmeister Deutschland sensationell im Finale mit 2:0. Auf den Tribünen sangen die begeisterten rot-weißen Fans „We are red, we are white, we are Danish Dynamite“.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Erfolge danach sprachen allerdings nicht unbedingt für eine explosive Mannschaft. Bei Weltmeisterschaften reichte es 1998 maximal bis zum Viertelfinale. 1994, 2006 und 2014 waren die Dänen erst gar nicht dabei. Ähnlich sah die Bilanz bei kontinentalen Turnieren aus. 2008 und 2016 verpasste die Auswahl die Qualifikation. Bei der EM 2020 soll sich das ändern. Und wenn die Dänen so weitermachen wie am Dienstagabend, dann könnte das tatsächlich klappen. Zumindest, wenn man die furiosen zehn Minuten am Ende des Spiels in der Schweiz als Maßstab nimmt.

          Über den Großteil der Spielzeit waren die Dänen zunächst alles andere als gut im Baseler St.-Jakob-Park. Das nutzten die Eidgenossen aus. Dank der Tore von Remo Freuler (19. Minute), dem früheren Gladbacher Granit Xhaka (66.) und dem Schalker Stürmer Breel Embolo sahen die Schweizer schon wie der souveräne Sieger aus. Doch dann drehten die Dänen plötzlich mächtig auf – und machten ihrem Spitznamen alle Ehre.

          Erst drückte Mathias Jörgensen einen Ball nach einem Freistoß von Regisseur Christian Eriksen zum 1:3 über die Linie (84.). So weit, so unspektakulär, doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Der eingewechselte Christian Gytkjaer, der einst für 1860 München in der zweiten Bundesliga aktiv war, schob zum Anschlusstreffer für Dänemark ein, nach Vorlage des Leipzigers Yussuf Poulsen (88.). Und in der Nachspielzeit kam das Team vom norwegischen Trainer Age Hareide nach einer spektakulären Szene tatsächlich noch zum Ausgleich. Die Schweizer bekamen beim Getümmel im Strafraum den Ball nicht weg, Torwart Yann Sommer aus Mönchengladbach segelte ins Leere, und Henrik Dalsgaard köpfte zum 3:3 ein (90.+3).

          Der Blick auf die Tabelle verdeutlicht, wie wichtig der Punkt für die Dänen ist, auch wenn sie erst ihr erstes Spiel in dieser Kampagne absolvierten. Irland und die Schweiz – die ersten beiden qualifizieren sich für die EM-Endrunde – wären mit sechs Punkten weggezogen, Dänemark, Georgien und Gibraltar wären mit null Zählen schon zurückgefallen. Und als Nächstes wartet schon das Duell mit Irland in Kopenhagen, der Druck auf die Dänen, siegen zu müssen, wäre groß gewesen.

          Die Schweizer indes waren konsterniert, obwohl die Lage weiter gut ist in der Ausscheidungsrunde. Als Knackpunkt sahen viele die Auswechslung von Kapitän Xhaka nach 79 Minuten. Trainer Vladimir Petkovic verteidigte die Maßnahme: „Xhaka konnte nicht mehr auf dem Platz bleiben. Er hat mich schon zehn Minuten davor gebeten, ausgewechselt zu werden. Granit hatte Adduktoren-Probleme, er konnte nicht mehr.“ Der junge Dortmunder Verteidiger Manuel Akanji sagte: „Zwei Gegentore fielen nach Standards, das ist auch eine mentale Sache.“ Auch der Gladbacher Denis Zakaria war niedergeschlagen: „Es ist sehr brutal und wir müssen daraus lernen.“

          Die Dänen frohlockten derweil über ihre sehenswerte Schlusspointe. Damit waren sie zum Ende des ersten Doppel-Spieltags in der EM-Qualifikation nicht alleine. Die Nachbarn Norwegen und Schweden boten im direkten Duell ebenfalls ein Spektakel mit einem Höhepunkt am Ende. Die Norweger führten schon 2:0 durch Björn Johnsen (41.) und Joshua King (59.), ehe Schweden die Partie in der Schlussphase sogar drehte: Viktor Claesson mit einem Elfmeter-Nachschuss (70.), ein Eigentor des Hoffenheimer Norwegers Havard Nordtveit (86.) und ein Treffer vom Mainzer Robin Quaison (90.+1) sorgten für das 2:3. Doch es war noch nicht Ende. Das letzte Wort hatten die Norweger: Ola Kamara gelang in der 96. Minute das 3:3.

          Nationalcoach bittet Forsberg um Entschuldigung

          Nach Emil Forsbergs vorzeitiger Abreise von der schwedischen Fußball-Nationalelf hat sich Nationalcoach Janne Andersson für die aufgekommenen Irritationen entschuldigt. „Ich war wohl nicht deutlich genug in meinen Aussagen, und da haben wir uns offensichtlich missverstanden. Wenn Emil will, können wir darüber reden“, sagte Andersson schon vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen (3:3), bei dem Forsberg am Dienstagabend gefehlt hatte.

          Der Mittelfeldspieler von RB Leipzig war am Samstag beim 2:1 gegen Rumänien in der 70. Minute ausgewechselt worden, was dem mit zwei Torvorlagen gut aufgelegten Forsberg sichtlich missfallen hatte. Danach reiste der 27-Jährige am Sonntag ab, seine Begründung waren Leistenprobleme. In seiner Heimat kamen danach Spekulationen auf, dass Forsberg wegen seiner Auswechslung sauer gewesen und deshalb zurück nach Leipzig gereist war. Daraufhin hatte es in den sozialen Medien auch Hetzkommentare gegen Forsberg gegeben.

          Andersson sagte, dass die Auswechslung angesichts von Forsbergs Verletzungshistorie (zuletzt langer Ausfall wegen Leistenproblemen) von Anfang an geplant war. Forsberg wusste davon aber wohl nichts. „Es ist sehr traurig, die Jungs zu verlassen. Es hat mir Spaß gemacht, wieder bei der Nationalmannschaft zu sein“, wurde Forsberg in einer schwedischen Verbandsmitteilung zitiert. Weitere Äußerungen dazu gab es von ihm seitdem nicht.

          Forsbergs Berater Hasan Cetinkaya bestätigte, dass Forsberg wegen seiner Auswechslung frustriert war. Er warf Andersson eine mangelnde Kommunikation vor. Laut Cetinkaya hätte Forsberg angesichts „seines körperlichen Zustands“ ohnehin besser in Leipzig bleiben sollen. „Er hat sich für das Nationalteam geopfert, obwohl er so lange verletzt war. Normalerweise hätte er die Nominierung nicht annehmen dürfen. Aber er liebt es, in der Nationalelf zu spielen“, sagte Cetinkaya der schwedischen Zeitung „Expressen“. (dpa)

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