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EM-Qualifikation mit Portugal : Ein ganz bitterer Abend für Ronaldo

Der Leidensmann: Cristiano Ronaldo verletzt sich bei Portugals 1:1 gegen Serbien. Bild: Reuters

Nach einer längeren Pause kehrt der Star in Portugals Elf zurück. Doch sportlich läuft es in der EM-Qualifikation alles andere als rund für den Europameister. Und im Duell mit Serbien leidet auch Ronaldo persönlich vor aller Augen.

          So hatte sich der Superstar des Fußballs das alles nicht vorgestellt. Nach der Weltmeisterschaft im Sommer 2018 hatte Cristiano Ronaldo sich eine Pause gegönnt in der portugiesischen Nationalmannschaft. Mit 34 Jahren ist der mehrfache Weltfußballer schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Seine Kollegen kamen auch ohne ihn zurecht und zogen in der Nations League ins Halbfinale ein, das im Juni ausgespielt wird. Mancher Kritiker fragte schon leise, ob die Auswahl von Fernando Santos ihren herausragenden Akteur überhaupt noch brauche. Doch nach seinem Wechsel von Real Madrid zu Juventus Turin nach der Weltmeisterschaft brillierte Ronaldo auch in Italien. Und so waren die Portugiesen durchaus glücklich, als sich der Star zum Start der EM-Qualifikation zurückmeldete.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Doch dann gab es gegen den Außenseiter Ukraine zum Auftakt nur ein torloses Remis. Am Montagabend folgte, wieder im eigenen Stadion in Lissabon, ein 1:1 gegen Serbien. Zwei Spiele, zwei Punkte – das ist nicht der Anspruch des Europameisters von 2016. Und schon gar nicht der von Ronaldo, der es in der Champions League zuletzt ganz alleine mit Atlético Madrid aufnahm und mit drei Toren im Achtelfinal-Rückspiel doch noch für das nicht mehr erwartete Weiterkommen von Juventus sorgte.

          Gegen Serbien erlebte er zudem persönlich einen ganz bitteren Abend. Zunächst holte sich der eitle Portugiese eine blutige Nase. Die wurde ihm von den Ärzten gestopft, doch ansehnlich sah der lädierte Ronaldo damit nicht aus. Unvergessen als er einst schon einmal im Gesicht blutete und sich vom Mediziner von Real Madrid ein Handy reichen ließ, um noch auf dem Platz den persönlichen Schaden zu begutachten. Doch es kam im Duell mit den Serben, die vergangene Woche Deutschland ebenfalls ein 1:1 abgerungen hatten, noch schlimmer für Ronaldo. Nach einigen vergebenen Chancen seiner Mannschaft gab er schon wieder theatralisch den Leidensmann – bis es ihn wirklich erwischte.

          Nach einem Sprint verzog Ronaldo plötzlich das Gesicht und humpelte. Der Oberschenkel schmerzte, offenbar aufgrund einer Muskelverletzung. Der Star zeigte sofort an: Auswechseln! Da geht nichts mehr! Und er ließ sich an der Seitenlinie ins Aus fallen, versuchte die Kapitänsbinde abzunehmen, was ihm nicht richtig gelang, und wartete auf Hilfe. Nach gut einer halben Stunde war das Spiel für Ronaldo beendet. Nun bangt vor allem Juventus. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

          Die Meisterschaft in der Serie A ist zwar so gut wie sicher, aber für das große Ziel, den Gewinn der Champions League, brauchen sie den Superstar. Im Viertelfinale geht es am 10. und 16. April gegen Ajax Amsterdam, das Ronaldos früheren Klub Real Madrid zuletzt ausschaltet. Es könnte medizinisch ein Wettlauf mit der Zeit werden. „Allarme Ronaldo!“ titelte die Turiner Fachzeitung „Tuttosport“ am Dienstag in großen Lettern auf Seite eins. Ronaldo versuchte sich deshalb gleich nach dem Abpfiff in Optimismus. „Man muss erstmal 24 oder 48 Stunden warten. Ich bin nicht beunruhigt“, betonte der 34 Jahre alte Stürmer in der Mixed Zone des Estádio da Luz. Und fügte an: „Ich kenne meinen Körper. Das sind Dinge, die im Fußball nun einmal passieren. In einer oder zwei Wochen werde ich wieder in Form sein“, versicherte er.

          Europameister Portugal muss derweil weiter auf seinen ersten Sieg in der Qualifikation zur EM-Endrunde 2020 warten. Die Serben gingen in Lissabon durch einen verwandelten Foulelfmeter von Ajax Amsterdams Dusan Tadic in der siebten Minute in Führung. Rui Patricio hatte mit einer Attacke gegen den Frankfurter Bundesligaprofi Mijat Gacinovic, der verletzungsbedingt in der 21. Minute ausgewechselt werden musste, den Strafstoß verursacht. Danilo (41.) rettete Portugal mit dem Dortmunder Profi Raphael Guerreiro in der Startelf immerhin noch einen Punkt.

          Gegen Serbien hatte Portugal allerdings auch Pech. Eine gute Viertelstunde vor dem Ende nahm Schiedsrichter Szymon Marciniak aus Polen nämlich einen eigentlich schon gegebenen Handelfmeter wieder zurück. Eine sehr umstrittene Entscheidung, die auch Ronaldo auf die Palme brachte. „Der Schiedsrichter hat nach dem Spiel mir gegenüber seinen Fehler zugegeben. Aber wie kann er um Gottes willen den Linienrichter entscheiden lassen? Der stand in 40 Meter Entfernung und hat nichts gesehen.“ Der Stürmer outete sich als Befürworter des Videobeweises. „Wenn es in allen Wettbewerben Videoschiedsrichter gibt, wieso nicht auch bei der EM-Qualifikation?“, fragte er.

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