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EM-Kommentar : Platini muss Flagge zeigen

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Gemeinsames Band? Platini (r.) und der ukrainische Ministerpräsident Janukowitsch bei der Eröffnung eines Flughafenterminals in Lemberg am 12. April Bild: AFP

Zum Thema Ukraine waren viele Diskussionsbeiträge der vergangenen Tage sinnvoll, ob von Bayern-Präsident Hoeneß oder im DFB. Doch der europäische Verband Uefa gibt ein weit schlechteres Bild ab.

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          Nein, die Fußball-Europameisterschaft 2012 findet nicht in Deutschland statt, auf keinen Fall. Falls das Turnier wegen einer - nicht zu erwartenden - dramatischen Eskalation der politischen Situation in der Ukraine abgesagt werden müsste, dann würde es zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

          Die Aussage des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, es existiere ein „Alternativplan Deutschland“, ist ein unrühmlicher Beitrag in einer ernsthaften Diskussion gewesen. Die hatte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), ausgelöst, als er dem Europäischen Fußballverband (Uefa), namentlich dessen Präsidenten Michel Platini, vorhielt, die Missstände in der Ukraine nicht zu thematisieren.

          Es begann eine Debatte, die schon seit 2007 hätte geführt werden können. Damals vergab die Uefa das Turnier an Polen und die Ukraine. Schon damals war die Ukraine kein Musterstaat nach westlichen Wertvorstellungen. Selbst als im vergangenen August der Profiboxer Witali Klitschko in einem Interview mit der F.A.Z. die Welt aufzurütteln versuchte, indem er die Zustände in seinem Heimatland anprangerte und auch das Schicksal Julija Timoschenkos beklagte, rührte sich nichts.

          Fünf Wochen vor Beginn des Turniers ist das Sportereignis nah genug gerückt, um es als Katalysator zu nutzen. Das ist richtig, solange die EM nicht zur PR in eigener Sache missbraucht wird, sondern um Druck auf die ukrainische Regierung auszuüben, damit sie mehr Respekt vor den Menschenrechten entwickelt.

          Viele Diskussionsbeiträge in den vergangenen Tagen waren wertvoll. Zum Beispiel, dass die Politiker die EM boykottieren sollten, aber nicht die Sportler. Oder der Aufruf von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, dass Spieler durchaus ermuntert werden sollten, politische Kommentare abzugeben, wenn es sie denn drängt.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) macht nicht den Eindruck, dies verhindern zu wollen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht seinen Verband zwar nicht in der Vorreiterrolle, die Missstände in der Ukraine zu kritisieren, hat aber die politische Verantwortung des Fußballs erkannt und steht in Kontakt zur Bundesregierung, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Er vermeidet zumindest den Anschein, der Ukraine zu vertrauen.

          Die Uefa gibt ein weitaus schlechteres Bild ab. Als einzige Maßnahme trug Platini einer ukrainischen Fußballdelegation, die sich gerade in der Uefa-Zentrale aufhielt, auf, den richtigen Stellen in ihrer Heimat von den Bedenken zu berichten, die es im westlichen Europa gebe. Dass es auch die Bedenken der Uefa sind, hat er nicht hinzugefügt. Denn die hält sich grundsätzlich aus allen politischen Angelegenheiten heraus, wie sie auf ihrer Homepage verkündet. Dabei sollte sie endlich Flagge zeigen.

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