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Elfmeterschießen entscheidet : RB Leipzig erstmals Pokalsieger

Pokalsieger 2022: RB Leipzig Bild: dpa

Mit 4:2 im Elfmeterschießen gewinnt RB Leipzig das DFB-Pokal-Finale gegen den SC Freiburg. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Dabei musste Leipzig eine Stunde in Unterzahl auskommen.

          4 Min.

          Nach dem Abpfiff der Verlängerung zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig lief im Berliner Olympiastadion der passende Song: „Show must go on“. Im Fußball, wenn es in einem Spiel um alles geht, heißt das: Elfmeterschießen. Dabei hatten die 120 Minuten zuvor schon alles geliefert, was einen großen Pokalfight ausmacht.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Den 1:1-Ausgleich von Leipzig durch Nkunku (76. Minute) in der zweiten Halbzeit in Unterzahl nach der Freiburger Führung durch Eggestein (19.). Und später folgte noch ein weiterer Platzverweis für den bereits ausgewechselten Kampl in einem leidenschaftlichen Kampf, bei dem Freiburg dem Sieg mehrfach ganz nahe wart. In Unterzahl rettete sich Leipzig schließlich in das Elfmeterschießen – und ging daraus als strahlender Sieger hervor.

          DFB-Pokal

          „Es ist Wahnsinn, wir haben 60 Minuten mit zehn Mann gespielt“, sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff nach dem 4:2-Triumph im Elfmeterschießen im DFB-Pokalfinale in der ARD: „Heute werden wir es richtig krachen lassen, das ist für uns ein historischer Abend.“

          Demirovic traf als vierter Freiburger Schütze nur die Latte, wie kurz zuvor in der Verlängerung. Damit gewann Leipzig das Elfmeterschießen 4:2, weil zuvor der Freiburger Günter seinen Elfmeter über das Tor geschossen hatte, während alle Leipziger trafen: Nkunku, Orban, Olmo und Henrichs.

          Nach zwei Niederlagen in den Endspielen 2019 unter Trainer Rangnick (0:3 gegen Bayern) und 2021 unter Nagelsmann (1:4 gegen BVB) machte sich Leipzig im dritten Versuch mit Trainer Tedesco zum ersten Mal ins einer jungen Vereinsgeschichte zum DFB-Pokalsieger. Und das in einem Finale, in dem sich die Sachsen über alle Widerstände hinwegsetzen.

          Völlig losgelöst: Leipziger Spieler nach der Entscheidung
          Völlig losgelöst: Leipziger Spieler nach der Entscheidung : Bild: AFP

          Und die Widerstände begannen früh. Wie kann man dieses Tor geben? Diese Frage stellten sich alle Fußballanhänger, die es mit RB Leipzig halten, schon in der 19. Minute. Die Leipziger Spieler bestürmten nach dem Führungstreffer von Eggestein zum 1:0 den Schiedsrichter, weil sie ganz genau gesehen hatte, was am Fernseher jeder Fan sehen konnte. Der Freiburger Sallai hatte den Ball nach einer scharfen Hereingabe von der Grundlinie durch Günter verstolpert und ihn mit der Hand direkt für Eggestein vorgelegt, der dann mit einem gezielten Schuss aus rund zwanzig Metern in die hintere Ecke Torwart Gulacsi keine Abwehrchance ließ.

          Der Videoassistent schaute sich die fragwürdige Szene natürlich auch an. Er kam zum Urteil, dass der Ball vom Körper Sallais unabsichtlich an seine Hand geflogen war und das Tor deswegen zählte – trotz des offensichtlichen Handspiels. Damit hatte auch dieses Pokalfinale schon vor dem Elfmeterschießen eine Handelfmeter-Diskussion. Eine von der Sorte, von der es in dieser Saison in der Bundesliga schon viel zu viele gegeben hatte.

          Die Freiburg Führung mit Handball-Vorlage fiel, was die Torchancen anging, aus heiterem Himmel. Es war die erste Chance für das Team von Trainer Streich, nachdem Leipzig fünf Minuten zuvor durch Forsberg und Nkunku für Unruhe und Gefahr vor dem Tor von Flekken gesorgt hatte. Doch Freiburg hatten schon vor ihrer Führung durch starke körperliche Präsenz und Entschlossenheit keinen Zweifel daran gelassen, dass der 1904 gegründete Klub seine erste Chance auf einen Titel gegen den Emporkömmling aus Leipzig nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen würde.

          Mit der Führung im Rücken schien Freiburg weiter gestärkt, doch mit zwei Unachtsamkeiten in der 24. Minuten hätten sie Leipzig beinahe den Ausgleich ermöglicht. Nkunku brachte den Ball zwar an Torwart Flekken vorbei, doch Schlotterbeck war hellwach und klärte kurz vor der Linie. Der künftige Dortmunder jubelt nach seiner Rettungstat als hätte er in seinem letzten Spiel für Freiburg selbst ein Tor geschossen. Aber so fühlte sich das in diesem Moment auch an für die deutlich über 30.000 Freiburger Fans, die auf den Rängen im Berliner Olympiastadion zunächst den Ton angaben.

          Platzverweis für Halstenberg

          In der zweiten Halbzeit erhöht Leipzig von Beginn an den Druck. Freiburg kann sich minutenlang nicht aus der eigenen Hälfte befreien. Doch ein Befreiungsschlag von Griffo aus der eigenen Hälfte auf Höler in der 57. Minute ändert alles. Der Freiburger ist plötzlich in aussichtsreicher Position und setzt sich im Sprint von Halstenberg ab, der Höler an der Schulter packt und zu Fall bringt. Stegemann entscheidet folgerichtig auf Rote Karte wegen Notbremse. Ein unnötiger Fehlgriff Halstenbergs, der die Partie zugunsten des SC Freiburg kippen lässt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Leipzig doppelte so viele Torschüsse wie Freiburg abgegeben (8:4) und wies eine deutlich bessere Passquote auf.

          Tedesco reagiert auf die Unterzahl-Situation. Er nimmt trotz des 0:1-Rückstands in der 61. Minute Forsberg und Silva aus der Partie, den kreativen Mittelfeldspieler und den gefährlichen Stürmer. Sein Versuch, die Partie durch Szoboszlai, Mukiele und dann auch noch Olmo (69. Minute für Kampl) zunächst zu stabilisieren und dann durch die ein oder anderen gezielte Attacke doch noch zum Ausgleich zu kommen, funktioniert zunächst. Zumindest soweit, dass Freiburg in Überzahl nicht in der Lage ist, die Partie gegen das kompakte Leipziger Mittelfeldmann zu kontrollieren.

          Weit drüber: Fehlschuss des Freiburger Kapitäns Günter
          Weit drüber: Fehlschuss des Freiburger Kapitäns Günter : Bild: dpa

          In der 76. Minute passiert, was aus Freiburger Sicht nie hätte passieren dürfen. Nach einem zunächst abgeblockten Freiburger Freistoß ist Nkunku nach einer Kopfballverlängerung von Orban gegen unaufmerksame Freiburger zur Stelle und drückt den Ball aus wenigen Metern zum 1:1 über die Linie. Nun explodiert die Leipziger Kurve vor Freude – und die psychologischen Vorteile liegen nun trotz Unterzahl auf Leipziger Seite. Der Ausgleich weckt neue Kräfte bei RB, Freiburg muss sich sammeln. Auch die Stimmung im Olympiastadion dreht sich. Leipzig drängt, stark unterstützt von den eigenen Fans, auf den Sieg noch in der regulären Spielzeit. Ein RB-Energieschub, mit dem das Team von Trainer Streich kaum mehr gerechnet hat – und auf den es zunächst auch keine Antwort findet.

          In der 85. Minute setzt sich Henrichs nach einem Doppelpass mit Szoboszlai auf der linken Seite durch. Nkunku verlängert das Zuspiel auf Olmo, der mit seinem Schuss das Tor und die Leipziger Führung nur knapp verfehlt. Es bleibt die beste Torchance bis zum Abpfiff eines in der zweiten Halbzeit packenden und mitreißenden Pokalendspiels, in dem auch der leidenschaftlich coachenden Tedesco die gelbe Karte sieht.

          Völlig niedergeschlagen: Freiburger Kette beim Elfmeterschießen
          Völlig niedergeschlagen: Freiburger Kette beim Elfmeterschießen : Bild: EPA

          In der zweiten Minute der Verlängerung meldet sich Freiburg zurück. Ein Kopfball von Demirovic nach einer Ecke landet zur Verblüffung von Gulacsi, der nur halbherzig eingreift, am Leipziger Pfosten. Freiburg übernahm weiter die Initiative. Leipzig versucht Kräfte zu sparen. In der 104. Minuten schien der Freiburger Sieg nahe: Einen Schuss des eingewechselten Haberers lenkt Gulacsi gerade noch an den Pfosten, der Abpraller landet bei Demirovic, der den Ball allerdings freistehend aus rund fünf Metern über die Latte jagt. In der 115. Minute trifft Haberer mit einem herrlichen Fernschuss den Ball aus zwanzig Metern spektakulär die Latte.

          Zwei Minuten später fordert Leipzig empört einen Elfmeter, den aber weder der Schiedsrichter noch der Videoassistent im Zusammenspiel als solchen anerkennen. Kampl protestiert auf der Bank so heftig, dass er die gelb-rote Karte sieht. Mit jeder Sekunde, die Leipzig nun über die Zeit bringt, wird wahrscheinlicher, was viele Zuschauer im Olympiastadion ahnen und manche fürchten: ein nervenaufreibendes Elfmeterschießen. Eines, das wenig später Leipzig zu Überglücklichen und Freiburg zu Untröstlichen macht.

          Medizinischer Notfall vor Siegerehrung

          Nach dem DFB-Pokalsieg von RB Leipzig gegen den SC Freiburg ist es im Innenraum des Berliner Olympiastadions zu einem medizinischen Notfall gekommen. Eine Person wurde von Sanitätern versorgt und mit dem Krankenwagen abtransportiert. Ihr Zustand sei stabil, teilte der Stadionsprecher mit. Nach dem Vorfall begann die Siegerehrung.

          Zunächst hatte der Stadionsprecher gesagt, aus Respekt wolle man mit der offiziellen Siegerehrung und Pokalübergabe abwarten, bis die Situation geklärt ist. Mehrere Personen sorgten während der Behandlung mit Decken für einen Sichtschutz. Fans und Spieler stellten die Feierlichkeiten zwischenzeitlich ein. (dpa)

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