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Elfenbeinküste : Ohne den großen Elefanten

  • -Aktualisiert am

Wie die Stones ohne Jagger: Didier Drogba ist nicht nach Deutschland gereist Bild: AFP

Die Elfenbeinküste ist wohl die stärkste afrikanische Nationalelf. Das Testspiel am Mittwoch gegen Deutschland (20.45 Uhr) kann wegen der traurigen Umstände jedoch kein Gradmesser sein. Didier Drogba ist gar nicht erst angereist.

          Auch die Ivorer haben getrauert. Am vergangenen Samstag forderte Didier Drogba vor dem letzten Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Guinea (3:0) die 20.000 Zuschauer zu einer Schweigeminute auf. Die Tröten, Trommeln und Trompeten verstummten im Stade Houphouet-Boigny zu Abidjan. Der Aufruf kam von der Bank, denn der Kapitän der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste hat nicht gespielt. „Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft begann mit einem großen Sieg, aber auch mit einer großen Tragödie. Ich möchte, dass wir alle jetzt der Opfer gedenken“, lautete Drogbas Appell.

          Am 29. März dieses Jahres war beim Spiel gegen Malawi (5:0) im völlig überfüllten Stadion in Abidjan eine Massenpanik ausgebrochen. 22 Menschen kamen ums Leben, 132 Zuschauer erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Internationale Fußball-Verband verhängte massive Strafen gegen den Verband wegen der eklatant vernachlässigten Sicherheit. Unterdessen hat die Elfenbeinküste die zweite Gruppenphase zur WM-Qualifikation als Gruppenerster unbesiegt mit 19:4 Toren beendet.

          „Les Eléphants“, die „Elefanten“, wie sich die Nationalmannschaft des westafrikanischen Landes nennt, sucht längst die Herausforderung der Weltmächte des Fußballs. Die Begegnung mit dem dreimaligen Weltmeister Deutschland wäre an diesem Mittwoch in Gelsenkirchen (20.45 Uhr / FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) so ein von Drogba gewünschtes Elefanten-Treffen gewesen, würde die deutsche Nationalmannschaft nicht durch die Trauer und den Schock über den Freitod Robert Enkes belastet sein. Der Kapitän auf der anderen Seite und Kollege vom FC Chelsea, Michael Ballack, fehlt zudem verletzt.

          Abschied aus Abidjan: Nach dem 3:0-Sieg gegen Guinea am Samstag

          Spieler der Elfenbeinküste bei europäischen Spitzenklubs

          Vielleicht hat es Didier Drogba wegen der Abwertung des Testspiels durch die traurigen Umstände vorgezogen, ebenfalls auf eine Teilnahme zu verzichten. Wegen einer leichten Rippenblessur hatte er sich im bedeutungslos gewordenen Spiel gegen Guinea zur Schonung in voller Spielkleidung auf die Bank gesetzt, sich aber danach für das Spiel in Deutschland fit gemeldet. Nun ist Drogba plötzlich nicht einmal mit der Mannschaft am Dienstag ins SportCentrum Kamen-Kaiserau angereist.

          Nur noch zu Pflichtspielen wie gegen Guinea kehren Drogba und die anderen Stars der Côte d’Ivoire in ihre Heimat zurück. Seit Jahren haben sich die Nationalspieler der vielleicht stärksten afrikanischen Mannschaft in europäischen Spitzenklubs etabliert. Drogba und Kalou beim FC Chelsea, die Tourés beim FC Barcelona und Manchester City, Zokora und Romaric beim FC Sevilla, Eboué beim FC Arsenal. Ferner Boka beim VfB Stuttgart und Demel beim Hamburger SV.

          Drogba, der 31 Jahre alte Superstar, gibt sich als in der Premier League geformter Siegertyp und sieht die Elfenbeinküste auf einer Stufe mit den großen Fußballnationen der Welt. Sehr zum Missvergnügen des damaligen Nationaltrainers Henri Michel hatte der Torjäger vor der ersten WM-Teilnahme 2006 in Deutschland lauthals verkündet: „Ich will Weltmeister werden.“ In zwei hinreißenden Gruppenspielen gegen Argentinien und die Niederlande verloren die „Elefanten“ jeweils unglücklich 1:2.

          „Ich würde ihn gegen keinen Stürmer der Welt tauschen

          Schade, dass dem Publikum in der Schalker Arena dieser charismatische Weltstar vorenthalten wird, von dem Carlo Ancelotti, sein italienischer Chelsea-Trainer, sagt: „Ich würde ihn gegen keinen Stürmer der Welt tauschen.“ Die Elfenbeinküste ohne Drogba, das ist wie ein Stones-Auftritt ohne Mick Jagger. Drogba, der Prinz von Afrika und Mann von Welt.

          Der Star tritt in London als Model in Armani-Anzügen auf, rastet auf dem Platz aber auch schon mal aus. So wurde er im Champions-League-Finale 2008 gegen Manchester United des Feldes verwiesen, weil er Gegenspieler Vidic ohrfeigte, und erhielt drei Spiele Sperre wegen eines unflätigen Auftritts nach einem Spiel gegen den FC Barcelona. Derselbe Drogba ist UN-Goodwill-Botschafter, betreibt eine eigene wohltätige Stiftung und finanzierte mit seiner Gage aus einem Werbevertrag den Bau eines Krankenhauses in seinem afrikanischen Heimatland.

          Salomon Kalou und Abdoulaye Meité aus dem Kader geworfen

          Nun also die Elfenbeinküste ohne Didier Drogba. Für den 57 Jahre alte Bosnier Vahid Halilhodzic mit dem französischen Pass, der im Mai 2008 Uli Stielike als Nationaltrainer abgelöst und „Les Eléphants“ zur zweiten WM-Teilnahme geführt hat, ist der Ausfall Drogbas nicht das einzige Problem. Nach einer Meldung des Sportinformationsdienstes aus Abidjan droht Drogbas Angriffspartner bei Chelsea, Salomon Kalou, eine interne Sperre.

          Nach Angaben des Verbandes soll Kalou im Abschlusstraining für das Spiel gegen Guinea seinen Mannschaftskameraden Abdoulaye Meité (West Bromwich Albions) getreten haben. Daraufhin hat Halilhodzic beide Spieler aus dem Kader geworfen. Kein Wunder, dass Didier Drogba unter all diesen Umständen keine Lust auf dieses Länderspiel verspürte.

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