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Afrika-Cup : Der König der Elefanten

  • -Aktualisiert am

Am ersten Spieltag des Afrika-Cups trennten sich die Elfenbeinküste und Togo 0:0. Bild: dpa

Salomon Kalou soll die neue Generation der Elfenbeinküste zum Titel beim Afrika-Cup führen. Das Team um den Berliner Stürmer ist auch nach dem Abtritt der „Goldenen Generation“ reich an Talent.

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          Salomon Kalou ist nicht eben bekannt als Mann großer Worte. Dieser Tage aber ist der 31-Jährige einer der gefragtesten Gesprächspartner im Team der Elfenbeinküste, die in ihrem ersten Gruppenspiel des 31. Afrika-Cups in Oyem gegen Außeneiter Togo lediglich ein torloses Unentschieden erreichen konnten.

          Der Stürmer von Hertha BSC ist einer der letzten Übriggebliebenen der goldenen Generation der „Elefanten“ um Didier Drogba. Einst als bestes afrikanisches Team aller Zeiten in den Himmel gelobt, wurde die Elfenbeinküste sogar als erster potentieller afrikanischer Weltmeister gehandelt.

          So weit kam es nicht, bekanntermaßen konnten Drogba und Kollegen ihr zweifelsfrei außergewöhnliches Talent stets dann nicht auf den Rasen bringen, wenn’s so richtig ernst wurde. Mit dem Sieg beim Afrika-Cup 2015 in Äquatorialguinea verhinderten sie immerhin den totalen Reinfall und holten sich wenigstens einen Titel. Und dann traten sie zurück: Drogba, die Touré-Brüder Kolo und Yaya, Didier Zokora, Keeper Boubacar Barry, Arthur Boka, Emmanuel Eboué und Aruna Dindane.

          „Du brauchst eine Menge Qualität im Kader“

          Kalou blieb. Und sitzt nun entspannt in einem Sessel des neu erbauten Hotels „Minkebe“ in Oyem, ganz im Norden Gabuns. Er ist so etwas wie der neue „König der Elefanten“. Er soll die neue Generation der Ivorer führen - möglichst zur Titelverteidigung. „Um den Afrika-Cup zu gewinnen, brauchst du eine Menge Qualität im ganzen Kader. Und die haben wir“, sagt Kalou mit schüchternem Lächeln, für das der zurückhaltende Angreifer bekannt ist.

          Neu an ihm ist diese forsche Bestimmtheit, mit der er dann sagt: „Es ist genau wie vor zwei Jahren. Auch damals hatten wir eine schwierige Vorbereitung, waren beim Turnier aber auf den Punkt fokussiert und haben den Titel geholt. Das können wir diesmal auch wieder packen!“

          Das Jahr 2016 lief für die neue Generation allerdings eher rumpelig. Die Qualifikation für den Afrika-Cup wurde zum Balanceakt, im September reichte ein erzittertes 1:1 gegen Underdog Sierra Leone so gerade eben zum Weiterkommen. Besser wurde es erst später. Beim 0:0 im Testspiel in Frankreich Mitte November zeigte sich das Team zumindest schon einmal defensiv sehr stabil.

          Zaha entschied sich im November für „die Elefanten“

          Tatsächlich strotzt das neue Team des französischen Coaches Michel Dussuyer vor Talent. Innenverteidiger Eric Bailly von Manchester United organisiert gemeinsam mit Serge Aurier von Paris Saint-Germain eine starke Verteidigung. Im Mittelfeld hält meist der frühere Stuttgarter Serey Dié das Zepter in der Hand, unterstützt von Lamine Guèye vom FC Sunderland und dem hoch veranlagten Jungstar Franck Kessié.

          Der legte zuletzt in der italienischen Serie A eine Klasse-Hinrunde für Atalanta Bergamo hin. Und ganz vorn haben sie neben Kalou den bulligen Angreifer Wilfried Bony von Stoke City, Max Gradel (Bournemouth), Giovanni Sio (Rennes) sowie eine „Neuverpflichtung“ aus England.

          Im November entschied sich der in der Elfenbeinküste geborene, in jungen Jahren aber bereits nach England übergesiedelte Wilfried Zaha (Crystal Palace), fortan das Trikot der „Elefanten“ überzustreifen. Zaha hatte bis dahin für England gespielt, hatte dort alle Junioren-Nationalteams durchlaufen und 2012 auch schon das erste A-Länderspiel für die „Three Lions“ absolviert.

          Das Turnier wird kein Selbstläufer

          2016 wurde Zaha in London aber von einer großen ivorischen Delegation um Trainer Dussuyer besucht und überredet, sein Nationalteam zu wechseln. Beim jüngsten Testspielsieg der Ivorer gegen Schweden (2:1) am Rande des Trainingslagers in Abu Dhabi kam Zaha zu seinem Debüt für die Elfenbeinküste.

          „Ich bin so stolz, jetzt für mein Land zu spielen“, sagte der Stürmer hernach und lobte: „Die Mannschaft hat viel Talent und Klasse - es macht einfach Spaß mit den Jungs.“ Mit dem „Überläufer“ in der Offensive hoffen die Ivorer auch den verletzungsbedingten Ausfall von Stürmer Gervinho auffangen zu können. „Zaha wird die gegnerische Abwehr mit seiner Geschwindigkeit hoffentlich ebenso unter Druck setzen können, wie Gervinho das kann“, sagt Coach Dussuyer.

          Ein Selbstläufer wird das Turnier in Gabun für die Ivorer indes ganz sicher nicht - dafür ist die Konkurrenz zu stark. Nach dem 0:0 gegen Togo, trifft die Elfenbeinküste an diesem Freitag um 17.00 Uhr (MEZ) auf DR Kongo, die sich am vergangenen Montag mit einem 1:0 gegen Marokko durchsetzen konnten.

          Der westafrikanische Außenseiter

          Bei Marokko steht jener Hervé Renard am Spielfeldrand, unter dem die Ivorer 2015 den Titel gewannen. Entsprechend gut kennt der französische Coach Stärken und Schwächen seines ehemaligen Teams.

          Aber die Elfenbeinküste hat sich mittlerweile zu einem echten „Big Player“ im afrikanischen Fußball gemausert. Das Team bekam von der Regierung einen Etat von sechs Millionen Dollar für den Afrika-Cup zur Verfügung gestellt. Für ein Trainingslager, die Flüge, Hotels und Teilnahmepauschalen für die Spieler. Das waren noch einmal 500.000 Dollar mehr als im siegreichen Jahr 2015.

          Keine andere Mannschaft konnte sich luxuriöser auf das Turnier vorbereiten. Zum Vergleich: Zimbabwe hatte gerade einmal knapp eine Million Dollar zur Verfügung. Und Guinea-Bissau noch weniger. Das Außenseiterteam des kleinen westafrikanischen Landes hatte noch nicht einmal Geld für ein Trainingslager oder ein einziges Testspiel vor dem Turnier.

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