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Eintracht gegen Tallinn : Der Anfang ist gemacht

Eintracht Frankfurt gewinnt gegen Tallinn: Mit einem Doppelpack macht sich Geburtstagskind Goncalo Paciencia selbst ein Geschenk. Bild: EPA

Eintracht Frankfurt verbreitet beim 2:1 gegen Tallinn keinen Glanz – aber zwei Treffer von Paciencia ebnen den Weg in die nächste Runde der Europa-League-Qualifikation. Dort wartet ein Gegner aus Liechtenstein.

          Ihre Auftritte auf der internationalen Bühne haben sie in der vergangenen Saison nach allen Regeln der Kunst zelebriert. Selbst beim Aus im Halbfinale der Europa-League präsentierten sich Team und Fans der Eintracht ungeachtet der Enttäuschung, die sich am 9. Mai an der Stamford Bridge Bahn brach, von einer leidenschaftlichen Seite, die ihnen weithin Anerkennung einbrachte und zugleich intern den Ansporn weckte, bei nächster Gelegenheit neu anzugreifen.

          Ein Vierteljahr später stehen die Frankfurter am Anfang der nächsten Abenteuerreise. Durch den 2:1-Sieg im Rückspiel gegen den FC Flora Tallinn am Donnerstag erreichte die Mannschaft die dritte Qualifikationsrunde. Als kommenden Gegner, der bezwungen werden muss, um in der alles entscheidenden Play-off-Partie das Ticket für die Gruppenphase zu lösen, tritt den Hessen nun der FC Vaduz gegenüber. Die Auswahl aus Liechtenstein setzte sich in ihrer Begegnung mit dem FC Fehervar aus Ungarn 2:0 nach Verlängerung durch, nachdem sie die erste Partie 0:1 verloren hatte. Bereits am kommenden Donnerstag geht es für die Eintracht nun weiter, dann muss sie zuerst auswärts ran. „Es war nicht einfach“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fred Bobic. „Aber die Fans haben es zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Die Stimmung ist begeisternd.“ Über den nächsten Gegner, das gab Bobic zu, wisse er „gar nichts.“ Das wird sich ändern.

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          Dass im Duell mit dem Außenseiter aus Estland von Beginn an im ausverkauften Stadion eine Atmosphäre herrschte, die an Europa-League-Feststage erinnerte, hatte viel mit der Gestaltung des Rahmenprogramms durch die Eintracht-Marketingabteilung zu tun. Kurz vor dem Anstoß gab der Verein bekannt, dass der Wechsel von Martin Hinteregger aus Augsburg zustande gekommen ist. Der 26-Jährige Innenverteidiger, der im Frühling als Leihspieler in die Rolle des Frankfurter Publikumslieblings geschlüpft war, unterschrieb nach bestandenem Medizin-Check einen Fünfjahresvertrag. Die Nachricht wurde von den Zuschauern mit Jubel bedacht, der noch an Phonstärke hinzu gewann, als Hinteregger am Spielfeldrand erschien und zum Mikrofon griff: „Schön, wieder hier zu sein. Ich bin endlich wieder zuhause. Es fühlt sich gut an“, sagte der Kärntner, der ergriffen wirkte von der Sympathiekundgebung für seine Person.

          Bobic bezeichnete die Verpflichtung des sechsten Profis in diesem Sommer als „Riesengewinn“ für die Eintracht: „Die Vertragslaufzeit ist ein klares Signal: Wir wollen unseren Kader nachhaltig gestalten.“ Hinteregger wird am Wochenende in Windischgarsten in die Vorbereitung im Kreis seiner alten und neuen Kollegen einsteigen. Der Eintracht-Tross flog dazu schon zwei Stunden nach Abpfiff von Mannheim aus zurück nach Österreich.

          Frankfurts Goncalo Paciencia nach dem 1:0 gegen Tallinn

          Das Geschehen auf dem Rasen war nur bedingt dazu angetan, die Stimmung auf den Rängen weiter zu steigern. Für den Kurzaufenthalt in der Heimat hatte Hütter zwanzig Mann nominiert, der Rest (darunter Rückkehrer Sebastian Rode und der verletzte Djibril Sow) musste in den Bergen an seiner Fitness arbeiten. In der Startformation standen mit Dominik Kohr im Mittelfeld und Stürmer Dejan Joveljic zwei Neuzugänge; Ante Rebic fehlte dagegen, seine Rückenbeschwerden hatten sich nicht rechtzeitig gebessert. Für ihn begann Goncalo Paciencia, der am Donnerstag seinen 25. Geburtstag feierte – und sich selbst, wie sich zeigen sollte, zwei schöne Geschenke machte.

          Bis zur 25. Minute stand schon ein halbes Dutzend Chancen für die Eintracht zu Buche, wobei Daichi Kamada, Kohr, Joveljic und Paciencia knapp verzogen oder ein Flora-Spieler in letzter Sekunde noch rechtzeitig eingreifen konnte. Beim Führungstreffer, den Paciencia mit den Kopf erzielte, profitierte er von einer der wenigen Flanken in den Strafraum, bei der das Timing passte; den Assistpunkt verdiente sich Danny da Costa (37. Minute). Die Freude währte nur kurz, denn Rechtsverteidiger Almamy Touré, der bis dahin schon nicht den sichersten Eindruck hinterließ, stand bei einem schnellen Vorstoß falsch zu Ball und Gegner, was Vlasiy Sinyavskiy auszunutzen verstand. Er schlenzte von der Strafraumgrenze den Ball über Keeper Felix Wiedwald hinweg zum Ausgleich ins Netz (40.).

          Auch nach dem Seitenwechsel sah es nicht durchweg überzeugend aus, was die Frankfurter boten, doch es genügte. Touré, den sein Fauxpas offenbar irritiert hatte, leistete nur noch einen dosierten Beitrag zum Gelingen der Vorstellung. Während Joveljic einen Schritt zu spät kam (50.), behielt Paciencia die Nerven, als es darauf ankam: Henri Jävelaid hatte eine Hereingabe von Da Costa mit der Hand abgewehrt und der Unparteiische Jörgen Burchardt (Dänemark) entschied sofort auf Strafstoß, den der Portugiese sicher verwandelte (53.). Damit war der Widerstand des Underdogs gebrochen: Den Vorsprung brachte die Eintracht ohne Aufregung über die Zeit – und dafür gab es an diesem Abend einen letzten lautstarken Applaus.

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