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Eintracht-Fußballfrauen : Beinschmerz und Herzschmerz

  • -Aktualisiert am

Untröstlich: Eintracht-Spielerin Sophia Kleinherne nach dem Abpfiff Bild: EPA

Die Eintracht-Frauen zeigen klassischen Außenseiterfußball und liefern dem VfL Wolfsburg einen harten Pokal-Fight, nutzen aber ihre Chancen nicht. Dennoch fällt das Fazit positiv aus.

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          Auf den Beinschmerz, viele Spielerinnen waren Krämpfen nah, folgte der Herzschmerz. Laura Freigang schossen mit Abpfiff sofort die Tränen in die Augen – es hätte als aufstrebende Nationalstürmerin ihr großer Tag werden sollen, viele Erwartungen lagen auf ihren Schultern, doch gelang ihr in 120 Minuten auf dem Rasen nur äußerst wenig. Vielen Spielerinnen stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

          Tanja Pawollek konnte nur auf dem Rücken der Ersatztorhüterin zur Medaillenvergabe transportiert werden. Die Kapitänin der Frankfurter Eintracht hatte kurz vor der Halbzeit des DFB-Pokal-Endspiels eine schmerzhafte Knieverletzung erlitten. Doch noch schmerzhafter entpuppte sich für die tapferen Hessinnen die Erkenntnis, dass sie am Sonntag eine große Chance hatten, Vereinsgeschichte zu schreiben und diese große Chance vergaben. Die SGE war nah dran, näher als nach ihrer wankelmütigen Bundesligasaison und angesichts der Qualität des Gegners zu erwarten war. Der VfL Wolfsburg erzielte in der Kölner Arena erst in der 118. Minute durch Ewa Pajor das Tor, das die Tür zum siebten Pokal-Triumph in Serie in der Kölner Arena öffnete. Den mit voller Hingabe und manchmal auch mit Härte kämpfenden Frankfurterinnen stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

          Und kurz darauf war sie vorbei, die Hoffnung auf den zehnten Pokaltriumph, den ersten unter dem Namen Eintracht nach der Ära des FFC. Die Zeremonie mit Übergabe der silbernen Trophäe im Glitterregen verfolgten die Frankfurterinnen wie eine Trauergemeinschaft. „Ich bin superstolz auf die Teamleistung. Wir haben gezeigt, wie wir zusammengewachsen sind, wie wir alles reingeworfen haben und verteidigt haben bis zum Geht-nicht-mehr“, sagte Merle Frohms. Die Torhüterin stand zwar öfter im Blickpunkt, musste sich auch das ein oder andere Mal nach Bällen strecken, doch Großchancen ließen die Hessinnen gegen die Favoritinnen bis zur 118. Minute kaum zu.

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          Umso bitterer geriet der späte Tiefschlag, der wie ein sportlicher Blattschuss wirkte. Dass sich die individuell bessere Qualität der Grün-Weißen durchsetzen würde, war erwartet worden – aber auf welche Weise diese letztlich den Ausschlag gab, rechtfertigte jeden Frankfurter Frust. „Ein Pokalfinale“, sagte Merle Frohms noch trotzig, „ist für diese Mannschaft immer wieder drin.“ Die Nationaltorhüterin hatte in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit Glück, als sie eine Hereingabe gegen den Pfosten lenkte.

          Die größte Bühne, die der nationale Frauenfußball zu bieten hat, war Neuland für das Trainerteam und die allermeisten Spielerinnen. Zumal die SGE und zuvor der FFC in den vergangenen Jahren in diversen Duellen mit der Wolfsburger Frauenfußball-Macht nicht einen Punktgewinn zu erreichen vermochten. Anfängliche Nervosität galt es in Köln gegen das ausgebuffte Wolfsburger Starensemble zu verhindern. Und das gelang. Mit klassischem Außenseiterfußball begegneten sie dem Favoriten, feuerten sich für jeden gewonnenen Zweikampf an der Außenlinie frenetisch an und piesackten den lange uninspiriert wirkenden Gegner so enorm.

          Auch die einstige Frankfurterin Svenja Huth, längst VfL-Führungsspielerin, fand keine spielerischen Lösungen gegen das sich entschlossen gegen jeden Angriff stemmende SGE-Bollwerk. „Das Drehbuch dafür, dass ein Außenseiter im Finale den Titel holen kann, war genau so“, sagte Cheftrainer Niko Arnautis. „Wir hatten sie am Rande einer Niederlage. Wenn man verlieren darf, dann genau so.“ Arnautis verwies darauf, dass seine kampfstarke Formation von der Güte der Torgelegenheiten dem favorisierten Gegnerinen in nichts nachstand. Die beste Chance hatte Alexandra Johannsdottir in der 59. Minute, als einer der raren SGE-Konter tatsächlich mal in einen Abschluss mündete. Doch die junge Isländerin zielte aus bester Position zu zentral, so dass VfL-Torhüterin Almuth Schult noch einen Arm hochreißen und an den Ball bringen konnte. Camilla Küvers Kopfball blieb hängen (86.) und Laura Feiersinger ließ bei ihrem Versuch (89.) Kraft und Präzision vermissen.

          In der Verlängerung durften die Hessinnen dann in Überzahl agieren – Almuth Schult sah nach einer Notbremse gegen die emsige Lara Prasnikar die Rote Karte. Der slowenischen Angreiferin der Eintracht sowie der in Köln unglücklich agierenden Laura Freigang boten sich in der 105. und 106. Minute weitere Einschussgelegenheiten. „Eine von den diesen Chancen müssen wir insgesamt einfach verwerten“, haderte Arnautis. Sagte aber auch: „Wir haben ganz Deutschland gezeigt, dass die Eintracht auf einem guten Weg ist.“ Diese Finalchance kam nach manchen durchwachsenden Ligaauftritt etwas unverhofft und war auch durch Losglück in den vorigen Runden bereitet worden. Doch in Summe hat die Eintracht die Möglichkeit genutzt und ihr Profil im Jahr eins nach der Fusion geschärft.

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